Eigentlich wollte Reinhold Lopatka in der Golfregion für Freihandel und Stabilität werben. Doch während der EU-Abgeordnete im Flugzeug saß, eskalierte der Konflikt zwischen dem Iran und den Emiraten dramatisch.
Es sind Momente, in denen die Weltpolitik, die man sonst aus Dossiers und Parlamentsdebatten kennt, plötzlich physisch spürbar wird. Für EU-Parlamentarier Reinhold Lopatka begann dieser Moment am Montagabend um 17.45 Uhr in Manama, Bahrain. An Bord einer Maschine der Emirates sollte es nach Dubai gehen – ein Routineflug von einer Stunde. Doch statt der Landung im glitzernden Emirat folgte eine dreistündige Ungewissheit am Nachthimmel über dem Persischen Golf.
„Kreise über dem Krisengebiet“
„Ich habe über Flightradar gesehen, dass wir im Kreis fliegen“, so Lopatka im Gespräch mit der „Krone“. Während die Crew schwieg, lieferte das Bord-Internet die beunruhigende Erklärung: Der Luftraum war gesperrt. Der Iran hatte soeben Ölanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mit Raketen und Drohnen angegriffen und in Brand gesetzt. „Drei weitere Raketen Richtung Dubai landeten im Meer, eine konnte abgefangen werden“, so Lopatka.
Es ist eine dramatische Zuspitzung in einer Region, die ohnehin am Abgrund steht. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump sein „Projekt Freiheit“ gestartet, um die Blockade der Straße von Hormus zu brechen. Die Antwort Teherans erfolgte prompt und mit Präzision auf zivile Infrastruktur. In einer scharf formulierten Stellungnahme verurteilte das Außenministerium in Abu Dhabi die „unprovozierte iranische Aggression“ als direkten Verstoß gegen die UN-Charta und drohte erstmals mit militärischen Konsequenzen.
Gestrandet im diplomatischen Niemandsland
Für Lopatka und seine Kollegen – eine deutsche Abgeordnete und ein portugiesischer Kollege – wurde die Reise zur diplomatischen Zerreißprobe. Da eine Landung in Dubai unmöglich war, wich die Maschine nach Doha aus. Ausgerechnet Katar: Das Emirat, das aufgrund seiner Nähe zum Iran lange Zeit von seinen Nachbarn blockiert worden war.
„Die Emirates-Maschine hatte in Doha kein Büro, kein Personal. Man wollte uns zuerst gar nicht vom Flieger lassen“, schildert Lopatka die skurrile Situation. Es bedurfte Telefonate auf höchster Ebene – bis hin zu EU-Botschaftern in der Region –, um die katarischen Behörden und die Fluggesellschaft zu bewegen, die Parlamentarier aussteigen zu lassen. Während das Flugzeug mit den restlichen Passagieren stundenlang auf dem Rollfeld festsaß, gelang es der EU-Delegation schließlich, via Paris und mit dem Zug nach Brüssel zu entkommen.
Das Vertrauen in Washington schwindet
Dabei hatte die Reise so vielversprechend begonnen. In Saudi-Arabien sprach Lopatka mit saudischen Vertretern über das geplante Freihandelsabkommen. Im Juli sollten die Verhandlungen fortgesetzt werden. Doch die internen Spannungen im Golfkooperationsrat sind greifbar: Der Oman blieb jüngst Sitzungen fern, die VAE verließ die OPEC.
Besonders kritisch wird in den Golfstaaten die Rolle Washingtons beäugt. „Präsident Trump hat viel Vertrauen eingebüßt“, beobachtet Lopatka. Niemand wisse, ob der US-Präsident wirklich eine Verhandlungslösung wolle oder den totalen Konfrontationskurs suche. Die Drohung Trumps, den Iran „von der Erde zu fegen“, heizt die Stimmung zusätzlich auf.
Europa in der Zuschauerrolle?
Während der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz Teheran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch mahnt und die EU erstmals offen mit Konsequenzen droht, bleibt die bittere Erkenntnis der Reisegruppe: Europa spielt bei der Beilegung dieses harten militärischen Konflikts derzeit nur eine Randrolle. Im Zentrum stehe man lediglich als Wirtschaftspartner – sofern es die Sicherheitslage zulässt.
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