Der Lungauer Doppel-Gedenkort Mariapfarr und Tamsweg ist das bereits fünfte Erinnerungs-Projekt in Salzburg, das wachrütteln soll. Wandmalerei erinnert an den katholischen Widerstand, den Priester damals leisteten.
Johanna Kandl und ihr Künstler-Team sprechen mit der Wandmalerei einen wunden Punkt an: „Es geht um das Zerrissensein in der NS-Zeit. Wir finalisieren die Arbeit gerade“, so die Restauratorin und frühere Kunst-Professorin. Bildvorlage ist eine historische Kasel (Gewand) mit all ihrem Prunk aus dem Besitz des Lungauer Priesters Josef Schitter. Kandl fügt Risse und Löcher hinzu. „Zerrissene Stoffe haben auch in der christlichen Symbolik eine lange Tradition.“ Vom Alten Testament bis zum Zerreißen des Tempelvorhangs beim Tode Jesu gibt es ausdrucksstarke Zeichen.
Tamsweg und Mariapfarr als Gedenkort Nummer fünf
Im Lungau werden damit Tamsweg und Mariapfarr zum bereits fünften Gedenkort in Salzburg. In jedem Bezirk entstehen zeitlich begrenzte Projekte, die wachrütteln sollen. Im Vorjahr war Saalfelden mit dem Widerstand der Eisenbahner durch Karl Reinthaler an der Reihe.
Im Lungau steht der katholische Widerstand, der geleistet wurde, im Zentrum. Weite Teile der Amtskirche arrangierten sich zwar mit der Diktatur. Es gab aber einige Pfarrer, die sich gegen das Regime stellten. Josef Schitter aus Mariapfarr war 1944 bis 1945 im KZ Dachau interniert. „Der Umgang mit so vielen Priestern aus aller Welt hat mir inmitten des trostlosen Ausgeliefertseins an Entbehrungen, Willkür, Entrechtung und täglicher Todesgefahr doch viele wundervolle Erlebnisse vermittelt“, schrieb er Erinnerungen nieder.
Warum die Jury für die Malerei war: „Das künstlerische Konzept von Johanna und Helmut Kandl überzeugt durch ihre dekorative Kraft und Präsenz vor Ort wie auch der präzisen historischen Auseinandersetzung mit der Geschichte“, so Hildegard Fraueneder.
Eröffnung ist am Freitag (8.), bis Mai 2027 wird es an beiden Orten verschiedene Veranstaltungen geben.
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