Orte des Gedenkens

Wie sich Lungauer Pfarrer gegen NS-Regime stellten

Salzburg
05.05.2026 08:00

Der Lungauer Doppel-Gedenkort Mariapfarr und Tamsweg ist das bereits fünfte Erinnerungs-Projekt in Salzburg, das wachrütteln soll. Wandmalerei erinnert an den katholischen Widerstand, den Priester damals leisteten. 

Johanna Kandl und ihr Künstler-Team sprechen mit der Wandmalerei einen wunden Punkt an: „Es geht um das Zerrissensein in der NS-Zeit. Wir finalisieren die Arbeit gerade“, so die Restauratorin und frühere Kunst-Professorin. Bildvorlage ist eine historische Kasel (Gewand) mit all ihrem Prunk aus dem Besitz des Lungauer Priesters Josef Schitter. Kandl fügt Risse und Löcher hinzu. „Zerrissene Stoffe haben auch in der christlichen Symbolik eine lange Tradition.“ Vom Alten Testament bis zum Zerreißen des Tempelvorhangs beim Tode Jesu gibt es ausdrucksstarke Zeichen.

Domenico Mühle und Stefan Wirnsperger bei der Arbeit
Domenico Mühle und Stefan Wirnsperger bei der Arbeit(Bild: Roland Holitzky)

Tamsweg und Mariapfarr als Gedenkort Nummer fünf
Im Lungau werden damit Tamsweg und Mariapfarr zum bereits fünften Gedenkort in Salzburg. In jedem Bezirk entstehen zeitlich begrenzte Projekte, die wachrütteln sollen. Im Vorjahr war Saalfelden mit dem Widerstand der Eisenbahner durch Karl Reinthaler an der Reihe.

Im Lungau steht der katholische Widerstand, der geleistet wurde, im Zentrum. Weite Teile der Amtskirche arrangierten sich zwar mit der Diktatur. Es gab aber einige Pfarrer, die sich gegen das Regime stellten. Josef Schitter aus Mariapfarr war 1944 bis 1945 im KZ Dachau interniert. „Der Umgang mit so vielen Priestern aus aller Welt hat mir inmitten des trostlosen Ausgeliefertseins an Entbehrungen, Willkür, Entrechtung und täglicher Todesgefahr doch viele wundervolle Erlebnisse vermittelt“, schrieb er Erinnerungen nieder.

Helmut und Johanna Kandl erinnern an Pfarrer Josef Schitter
Helmut und Johanna Kandl erinnern an Pfarrer Josef Schitter(Bild: Roland Holitzky)

Warum die Jury für die Malerei war: „Das künstlerische Konzept von Johanna und Helmut Kandl überzeugt durch ihre dekorative Kraft und Präsenz vor Ort wie auch der präzisen historischen Auseinandersetzung mit der Geschichte“, so Hildegard Fraueneder.

Eröffnung ist am Freitag (8.), bis Mai 2027 wird es an beiden Orten verschiedene Veranstaltungen geben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Salzburg
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung