Viele Fragezeichen am Montag im Wiener Landl. Die Ehefrau eines Ex-Anwalts soll einen Raubüberfall auf seine Kanzlei fingiert haben – aus einem Tresor verschwanden 75.000 Euro. Beide sitzen jetzt auf der Anklagebank. Sie bekennt sich schuldig, meint aber: „Ich weiß nicht, wo das Geld ist.“
Die zwei Angeklagten kennen das Wiener Landl nur zu gut: Vor dem Schöffensenat sitzt ein ehemaliger Rechtsanwalt und seine wesentlich jüngere Ehefrau – und gleichzeitige Kanzleileitung. Die Vorwürfe sind brisant: Es geht um einen fingierten Raubüberfall auf die Kanzlei, bei dem 75.000 Euro aus einem Tresor weggekommen sind.
Geld für Friseursalon weg
Die Hypothese der Staatsanwaltschaft: „Die finanziellen Verhältnisse des Ehepaars waren triste.“ Man hätte es begrüßt, dass zwei Klienten 75.000 Euro treuhändisch in der Wiener Kanzlei bunkern wollten – eine Summe, die ein Rechtsanwalt ohne Meldung oder Nachweis überhaupt nicht entgegennehmen darf. Mit dem Geld, das die Klienten in Kleinscheinen bar abgaben, hätte der Kauf eines Friseursalons abgewickelt werden sollen. „Es war aber nie geplant, das durchzuführen, sondern das Geld zu veruntreuen“, sagt der Ankläger.
Am Nachmittag des 6. Juni 2025 rief die 32-Jährige dann die Polizei: Die zwei Klienten hätten sie mit einem Messer in der Kanzlei bedroht, dann das Geld geraubt. „Ich war sogar in Haft. Mir ging es psychisch sehr schlecht“, sagt jener Syrer, dessen 75.000 Euro noch immer verschwunden sind. Die Sache klärte sich schnell auf, der Überfall war erfunden.
„Sie schützt offenbar jemanden“
Die Angeklagte liefert im Wiener Landl eine durchaus ungewöhnliche Verantwortung: „Das stimmt so nicht, aber ich bekenne mich schuldig. Ich weiß nicht, wo das Geld ist.“ – „Sie müssen nichts zugeben, was Sie nicht gemacht haben“, belehrt sie Herr Rat erneut. Der Verteidiger des mitangeklagten Juristen, der von der Sache gar nichts gewusst haben will, sagt das, was sich alle Anwesenden denken: „Die Ehefrau schützt offenbar jemanden.“
Herzchen-Briefe und Anruflisten
Wozu die Frau nichts sagen möchte: Während des fingierten Raubüberfalls telefonierte sie über ein Dutzend Male mit einem Bekannten. Der sagt im Zeugenstand: „Mich hat ihre Tochter angerufen und gemeint, sie wurde mit einem Messer attackiert.“ Mit dem Mädchen will zu dem Zeitpunkt jedoch der angeklagte Ex-Anwalt einkaufen gewesen sein. Auch ein mit Herzchen verzierter Brief, den die 32-Jährige aus der Haft heraus an einen anderen Mann schrieb, wirft Fragen auf. „Haben Sie eine Affäre?“, will der Verteidiger ihres Ehemanns wissen. „Nein“, ist ihre entschiedene Antwort.
Mietautos verschwanden
An einem zweiten Prozesstermin sollen weitere Zeugen befragt werden. Ob sie mehr Klarheit in die verworrene Geschichte bringen können, wird sich zeigen. Es geht nämlich noch um zwei Mietautos, die die Angeklagte nicht zurückgebracht haben soll – für eines musste ihr Ehemann bereits vor Gericht geradestehen, erntete aber einen glatten Freispruch.
Ihr Ehemann bekennt sich jedenfalls nicht schuldig. Er hätte von seiner 32-jährigen Frau am 6. Juni einen Anruf bekommen: „Sie hat gesagt, etwas Schreckliches ist passiert.“ Dass seine Ehefrau wirklich einen Raubüberfall fingiert haben soll, könne er sich nicht vorstellen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.