18.01.2006 07:29 |

Abgefackelt

Bürgermeister setzt Camping-Lager in Brand

Gegen den Bürgermeister der südelsässischen Gemeinde Ensisheim und mehr als zwei Dutzend Polizisten wird wegen Brandstiftung ermittelt. Das Stadtoberhaupt hatte nach Justizangaben in der vergangenen Woche mit Hilfe von 28 Polizeibeamten ein illegales Camping-Lager rumänischer und kroatischer Flüchtlinge in Brand gesteckt.

Der wenig zimperliche Stadtvater habe auf diese Weise ein sanitäres Problem und eine illegale Besetzung des Landstücks regeln wollen, erklärte die Straßburger Justiz am Dienstag. Die Bewohner hatten das Lager zuvor nach einer Polizeikontrolle verlassen.

Der Bürgermeister wurde dabei beobachtet, wie er selbst mit einem in Benzin getränkten Lappen Hand anlegte. Allerdings hatten die Beamten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Batterien und Gasflaschen wurden beiseite geschafft, um den Brand nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.

"Der Bürgermeister hat außerhalb jeder Rechtsprechung gehandelt", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Brandstiftung ist keine angemessene Methode, um das Problem des illegalen Aufenthalts nichtsesshafter Menschen zu regeln."

Bürgermeister und beteiligten Polizeibeamten droht nun ein Verfahren vor einem Strafgericht. Auf Brandstiftung fremden Besitzes stehen maximal zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe von 150 000 Euro. Jede Gemeinde ist per Gesetz verpflichtet, Landstücke für den Aufenthalt des fahrenden Volkes bereitzustellen.