600 Beteiligte, 750.000 investierte Euro: Was bleibt vom Prestigeprojekt Kulturstrategie 2030? Zentrale Punkte scheitern am Mangel an Geld, doch es gibt auch bleibende Leuchttürme.
Blasmusiker und Theaterregisseure, Bürgermeister und Performance-Künstlerinnen saßen sich gegenüber, in 30 Sitzungen von Bad Radkersburg bis Ramsau am Dachstein: Von 2021 bis 2024 beauftragte der damalige Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) Heidrun Primas und Werner Schrempf, einen Mammutprozess zu organisieren. Sie sollten (hauptberufliche und ehrenamtliche) Kulturschaffende, die großen Institutionen, Menschen aus der Politik und der Verwaltung in allen steirischen Regionen zusammenbringen, um einen Katalog an Empfehlungen zu erarbeiten: Was wünscht sich die (Volks-)Kultur?
Vor einem Jahr übergab Primas das Projekt an die Kulturabteilung. „Da war die Sorge schon groß“, sagt sie. „Die erste große Maßnahme der neuen Regierung gegen die Strategie war, die Volkskultur und die Kultur zu trennen. Wir waren auf einem guten Weg, diese Barrieren abzubauen.“ Dazu kam die umstrittene Neubesetzung des Kulturkuratoriums. Das öffentliche Geld ist bekanntermaßen knapp und könnte noch knapper werden, schafft man die ORF-Landesabgabe tatsächlich ab. „Viele Akteure müssen um ihre Existenz kämpfen. Diese Polarisierung zerlegt die Solidarität in der Gesellschaft“, sagt Primas.
630.000 Euro investierte das Land von 2021 bis 2024 in das Projekt, 2025 wurden von 250.000 budgetierten Euro nur 100.000 ausgeschüttet, der Rest floss in allgemeine Kulturförderungen. Heuer, in der Phase drei, sind nur 14.500 Euro für die Umsetzung der Maßnahmen vorgesehen.
Die Kulturstrategie 2030 ist ein wertvoller Kompass, der der Landesregierung als Wegweiser für das kulturpolitische Handeln dient.

Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP)
Bild: Christian Jauschowetz
Residency-Programme als Erfolg
Was bleibt also? Im Vorjahr kam die südafrikanische Fotografin Jodi Bieber nach Murau, der brasilianische Perkussionist Chico Santana ins Greith-Haus, in Eibiswald bespielte Nina Ortner einen Leerstand und in Kapfenberg Beate Gatschelhofer – Styria-Artist-in-Residence ist eines der Pilotprojekte, das umgestzt wurde. Und der Rest der Maßnahmen? Im Regierungsprogramm von Blau-Schwarz ist die Rede von „inhaltlicher Prüfung“ und „Umsetzung nach budgetären Möglichkeiten“. Zu einzelnen Punkten bekennt man sich: Ein neues Kunst- und Kulturförderungsgesetz soll noch in dieser Periode kommen, heißt es aus dem Büro von Landesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP).
Vernetzung in den Regionen
In jeder Region wollte man eine Kulturdrehscheibe – eine Art Servicestelle – einrichten, die auch weiter zur Vernetzung hätte beitragen sollen. Ein Prototyp ist im Ausseerland geplant. Ressortübergreifende Förderungscalls sind bis dato eine Idee geblieben. Zwar gab es 2024 und 2025, wie die Strategie das vorsah, zwei Fair-Pay-Fördercalls mit 1,1 Millionen Euro Volumen. Die mehrjährigen Vereinbarungen wurden jedoch nicht an die Inflation angepasst – das betrifft Fördernehmer wie Styriarte, Diagonale oder La Strada.
„Wir haben Vertrauen geschaffen, das jetzt stirbt“, sagt Primas. „Im Zusammenarbeiten läge das große Potenzial.“
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