Im Zuge der Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Unter-14-Jährige, die Drogen konsumieren, werden in Tirol wie berichtet drei Plätze geschaffen. Die „Krone“ kennt weitere Details.
ZESA – Zentrum für Soziale Arbeit in Tirol und Vorarlberg – hat seitens der Tiroler Landesregierung den Zuschlag erhalten und setzt das Angebot einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung für suchtgefährdete bzw. konsumierende Unter-14-Jährige noch heuer um – eine Premiere in Tirol. Die „Krone“ berichtete.
Drei Plätze werden geschaffen. Es handelt sich um ein Wohnbetreuungsangebot für Menschen mit extremen Verhaltensweisen – darunter fallen auch Kinder mit einem hochriskanten Subtanzkonsum. Die Aufnahme erfolgt in enger Abstimmung mit dem Land und den zuständigen Kinder- und Jugendhilfeträgern.
Wir versuchen, einen möglichst normalen Alltagsablauf zu ermöglichen. Dazu gehört das regelmäßige Aufstehen, um etwa eine Schule zu besuchen.

ZESA-GF Marco Uhl
Bild: Privat
Abstand zum gefährlichen Umfeld schaffen
Wie sieht der Alltag konkret aus? „Wir versuchen, einen möglichst normalen Alltagsablauf zu ermöglichen. Dazu gehört das regelmäßige Aufstehen, um etwa eine Schule zu besuchen oder an der hausinternen Beschulung teilzunehmen“, weiß ZESA-GF Marco Uhl. Auch dazu zählt, gemeinsam zu essen, den Haushalt zu führen und Freizeitaktivitäten zu unternehmen.
„Es sollen angemessene soziale Kontakte gepflegt und medizinische/therapeutische Maßnahmen begleitet werden. Ein multiprofessionelles Team steht zur Verfügung. Das Setting soll auf die Bedürfnisse der Klienten eingehen und vergleichbar mit einem normalen Familienleben werden“, sagt der Geschäftsführer. So soll ein Abstand zum gefährlichen Umfeld geschaffen werden. Die Betroffenen werden so kurz wie möglich und so lange wie notwendig behandelt.
Es braucht Zusammenarbeit mit den Stakeholdern
Seit vielen Jahren arbeitet ZESA mit Menschen, die psychische Probleme haben oder suchtkrank und straffällig sind. „Wir begleiten in Tirol derzeit rund 120 Personen im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe. Zwei Kinder werden bereits in einer Kleinstwohngemeinschaft außerhalb von Innsbruck intensiv betreut. Aktuell werden zudem zwölf Jugendliche im Rahmen des ,Betreuten Wohnens’ unterstützt und weitere 25 Erwachsene werden im Auftrag der Justiz betreut“, sagt Uhl.
Für das Gelingen brauche es neben den Betroffenen aber viel mehr – etwa eine gute Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern. „Weitere Angebote, die die Gesamtproblematik verringern würden, wären wünschenswert“, betont Uhl.
Tirols FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger begrüßt grundsätzlich die Entscheidung der Landesregierung, erstmals eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für suchtgefährdete bzw. konsumierende Kinder unter 14 Jahren in Tirol zu schaffen. „Es handelt sich im Prinzip um eine notwendige und längst überfällige Maßnahme“, betont er, „dass nun drei Plätze bei ZESA um 800.000 € eingerichtet werden, ist ein deutliches Signal. Dennoch bleibt ein Problem: Das Angebot beruht weiterhin ausschließlich auf Freiwilligkeit“.
Die Tiroler FPÖ steht für eine konsequente Drogenpolitik, die – wenn nötig – durchgreift.

Markus Abwerzger, FPÖ-Landesparteiobmann
Bild: Christof Birbaumer
Wenn Kinder und Jugendliche ihre Sucht als Krankheit nicht einsehen und das Angebot einfach nicht annehmen, gäbe es mit dieser Form keine Möglichkeit, sie auch gegen ihren Willen einer Therapie zuzuführen. Abwerzger fordert daher gesetzliche Rahmenbedingungen, die einen gewissen Zwang ermöglichen – Stichwort Herabsetzung der Strafmündigkeit in Kombination mit therapeutischen und sozialarbeiterischen Maßnahmen wie in der Schweiz.
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