Keiner fühlt sich zuständig, keiner will zahlen: Die Weide vor der Gamsalm im Tiroler Ehrwald (Bezirk Reutte) gleicht nach einem verheerenden Murenabgang von der Zugspitze im Vorsommer immer noch einem Schlachtfeld. Jetzt startete die Wirtin einen Spendenaufruf zur Sanierung.
Eine gewaltige Mure aus dem Gamskar verwüstete am 19. Juli 2025 die Weide bzw. Skipiste des Gamskarlifts neben der Gamsalm in Ehrwald und zog auch die beliebte Einkehr in Mitleidenschaft. Die Schäden an der Hütte sind längst behoben, die Gäste blicken aber von der Terrasse aus auf eine Schutthalde.
Agrargemeinschaft zögert
Der Grund: Die Agrargemeinschaft als Grundbesitzer hat die Verwüstung fast ein Jahr nach dem Unwetter nach wie vor nicht behoben. Es geht wohl um das liebe Geld.
Keine Einigung bei Finanzierung
„Offenbar gibt es keine Einigung zwischen Grundbesitzer und dem Land Tirol, wer die Sanierung letztendlich bezahlen soll“, ärgert sich Sabine Ostler, die langjährige Pächterin der Gamsalm.
„Wir leben hier von der schönen Aussicht“, ist sie langsam verzweifelt. „Und in rund vier Wochen sollen die Schafe zum Weiden hierherkommen – auf eine Weide, die leider keine mehr ist“, schüttelt sie ungläubig den Kopf.
Spendenaufruf in sozialen Medien
Weil die Verantwortlichen ihrer Meinung nach nichts tun, hat sie nun zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen. Auf der Facebook-Seite der Alm veröffentlichte sie einen Spendenaufruf zur Sanierung der Geröllwüste. Der Aufruf wendet sich an „alle, denen Wild, Wald und Schafe genauso wichtig sind wie uns“.
Es wäre schön, wenn die Tiere diesen Sommer wieder Gras statt Steine finden würden. Schon in vier Wochen sollen die Schafe zur Weide kommen.
Sabine Ostler, Wirtin Gamsalm
Es wäre schön, wenn die Tiere diesen Sommer wieder Gras statt Steine finden würden, heißt es dort weiter. „Da weder Land noch Gemeinde noch irgendwer die Mittel hat, diesen Zustand zu verändern, bitten wir Euch um Eure Hilfe.“ Rund 200.000 Euro an Spendengeldern wären notwendig.
Die Wirtin will mit der Aktion Druck ausüben. Wir wissen nicht, was dort für ein Lift hinkommen soll. Im Mai gibt es wieder einen Termin.
Markus Köck, Bürgermeister Ehrwald
Der Ehrwalder Bürgermeister Markus Köck hat mit dem ungewöhnlichen Spendenaufruf aber wenig Freude. „Die Wirtin will mit der Aktion Druck ausüben“, meint er. Man sei mit der Sanierung der Liegenschaft „auf dem Weg“.
Im Mai gebe es in der Angelegenheit den nächsten Termin. Offen sei, was der Liftbetreiber wolle. Denn der Gamskarlift – ein Schlepplift – wurde bereits 2024 durch eine Mure beschädigt und war im vergangenen Winter nicht in Betrieb. „Wir wissen nicht, was dort künftig für ein Lift hinkommt“, sagt Köck.
Sanierung im Lauf des Jahres
Eine kurzfristige Lösung scheint jedenfalls nicht in Sicht. Die Sanierung würde im Lauf des Jahres erfolgen, so Köck.
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