Theater Phönix

Rasante Komödie über Mutterglück als Lebenslüge

Oberösterreich
23.04.2026 16:00

Nix für den klassischen Muttertag! In Rébecca Déraspes Stück „Nino“ dreht sich alles um das Muttersein. Doch mit dem von der Werbung und konservativen Wertvorstellungen verklärten Mutterbild hat die Handlung nichts zu tun. Das Kammerspiel feierte im Linzer Theater Phönix als deutschsprachige Erstaufführung eine viel beklatschte Premiere.

Ein Baby schreit – die Erwachsenen versuchen es zu beruhigen, doch da brechen die Fassaden. In Rébecca Déraspes bitterböser Komödie „Nino“ wird ein Kindergeburtstag zum Schlagabtausch über Elternrollen, Erwartungen und misslingende Kommunikation – und entlarvt gnadenlos das Ideal der perfekten Familie. Im Linzer Theater Phönix hatte das Stück die deutschsprachige Erstaufführung.

Die Unterschiede werden abgesteckt
Der kleine Nino kann nach der Feier zu seinem ersten Geburtstag nicht einschlafen und schreit. Seine Eltern Sandrine, deutlich gezeichnet vom ersten Jahr mit dem Baby, und der scheinbar unbeteiligte Jules, treffen auf die letzten Gäste: Jules Schwester Charlotte und ihren deutlich älteren Freund Eric sowie Marion, Sandrine beste Freundin.

Zur späten Stunde fehlt die Kraft für Lebenslügen: Karina Möller-Pele, Johanna Egger und Melanie ...
Zur späten Stunde fehlt die Kraft für Lebenslügen: Karina Möller-Pele, Johanna Egger und Melanie Sidhu(Bild: Andreas Kurz)

Die Brüche kommen zur späten Stunde
Die drei sparen zuerst nicht mit guten Ratschlägen, wie das Kleinkind zu beruhigen sei. Die Diskussion weitet sich jedoch rasch in die unterschiedlichen Ansichten, wie eine Mutter zu sein hat, aus. Jeder verteidigt sein persönliches Lebens- und Beziehungsmodell, bis die Situation – auch aufgrund reichlichen Weinkonsums – eskaliert. Lebenslügen werden aufgedeckt.

Rébecca Déraspes Textvorlage erinnert von der ersten Minute an ihre französische Kollegin Yasmina Reza und ihre Stücke „Kunst“, „Drei Mal Leben“ oder „Der Gott des Gemetzels“.

Da liegen die Nerven blank...
Da liegen die Nerven blank...(Bild: Andreas Kurz)

Allerdings ist das Werk der Kanadierin nicht so fein gestrickt wie jene der Erfolgsautorin. Die Brüche in den Persönlichkeiten kommen nicht schleichend. Bei Déraspe ist von Anfang an klar, worauf die jeweiligen Positionen hinauslaufen. Und so ist es keine Überraschung, wenn Sandrine im Laufe der rund 100-minütigen Aufführung überfordert gesteht: „Es macht mich nicht glücklich, Mutter zu sein.“ Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit.

Regisseurin Fanny Brunner lässt die Protagonisten in der Küche (Ausstattung Daniel Angermayr) aufeinandertreffen. Aus dem Hintergrund ertönt Babygeschrei.

Die Inszenierung ist handwerklich gut, flott, mit einem wohldosierten Wechsel von Komik und Spannung, aber nicht spektakulär. Das Darsteller-Quintett überzeugt.

Allen voran Martin Brunnemann als Eric, der immer wieder versucht, die Situation mit Philosophischem zu beruhigen. Karina Möller-Pele vermittelt das Gespaltensein in der Mutterrolle überzeugend, sie stellt – zum Glück – ein Gegenmodell zu den Tradwifes aus dem Internet dar. Auch Sören Kneidl (Jules), Johanna Egger (Charlotte) und Melanie Sidhu (Marion) wurden völlig zu Recht mit reichlich Premierenapplaus belohnt.

Eine großartige Ensembleleistung und eine sehenswerte Komödie! Nächste Termine u.a. am 23., 24.,29. und 30. April; bis Juni immer wieder am Spielplan.

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