Autonome Taxis, Paket-Drohnen und tanzende Roboter: Eine 60-köpfige Wirtschaftsdelegation aus der Steiermark bekommt in Shanghai aktuell die technische Zukunft präsentiert. Was unser Bundesland von dem Land der Superlative lernen kann.
„Wenn in Europa Autos so geladen würden wie bei uns in China, dann würden in Städten wie Rom in der Nacht die Lichter ausgehen. Und da ich in Italien geboren bin, kann ich das auch guten Gewissens sagen.“ – Diese Aussage der jungen Dame, die die steirische Delegation durch die ultramodernen Räumlichkeiten des Nio-House im Herzen Shanghais führt, steht stellvertretend für das Selbstvertrauen der Supermacht China. Man zeigt, was man hat und was man kann.
So wollen natürlich auch die Gäste aus Österreich tief beeindruckt nach Hause geschickt werden. Die Automarke Nio hat im letzten Jahr den Sprung nach Europa gewagt. Und das voller Selbstvertrauen, anders als die chinesische Konkurrenz will man nämlich nicht preislich überzeugen, sondern im Premium-Segment fischen: „Wir sehen uns in einem Feld mit Audi, BMW oder Mercedes.“ Über 3000 Ladestationen hat Nio mittlerweile in China – binnen drei Minuten wird dort die Batterie gewechselt, voll automatisch versteht sich. Anschließend wird sie gewartet und aufgeladen, kommt so wieder ins System.
Hier geht alles – und das vor allem schnell
Rund 15 Millionen User sind im Nio-Netzwerk registriert, sorgen für sieben Millionen Postings täglich. Nio ist mehr als ein Auto, in China echter Lifestyle. Bei all den beeindruckenden Zahlen aber auch Realität: Seit der Gründung im Jahr 2014 konnte erst im letzten Quartal 2025 das erste Mal ein positives Ergebnis erzielt werden. Doch davon lässt man sich im Reich der Mitte nicht bremsen. In China geht alles, und das vor allem schnell. In den 1990er-Jahren ist in Finanzdistrikt Pudong das erste Hochhaus gebaut worden, mittlerweile schlägt hier das pulsierende Herz Shanghais, braucht sich die Skyline vor keiner Stadt der Welt zu verstecken.
Anderes Beispiel: Die Magnetschwebebahn Transrapid verbindet die City mit dem Flughafen – mit 300 km/h braucht man für die rund 30 Kilometer gerade zehn Minuten. Oder: Aktuell entstehen in unmittelbarer Umgebung der Metropole 20 neue Technologieparks mit je 2000 Mitarbeitern. „Noch braucht man dafür viel Fantasie, aber sie wollen im November eröffnen“, lächelte Bernhard Puttinger, Geschäftsführer des steirischen Green Tech Clusters nach dem Lokalaugenschein.
Autonome Taxis und Paket-Drohnen
Für die rund 60-köpfige steirische Delegation ist die Reise nach China bis dato so etwas wie ein Blick in eine mögliche Zukunft. Autonom fahrende Taxis oder Drohnen, die Pakete liefern, sind nicht nur in Shanghai längst Realität. Ein Hauch von Science Fiction schlug Landeshauptmann Mario Kunasek, Stellvertreterin Manuela Khom und Co. auch beim Besuch von AgiBot entgegen. Im Jahr 2023 gegründet, hat man sich auf die Entwicklung von humanoiden Robotern spezialisiert – den Steirern wurde zur Begrüßung gleich ein Tänzchen gewidmet, der Roboter kann auch Kleidung zusammenlegen oder Cocktails mixen.
Im echten „Arbeitsleben“ können diese Maschinen etwa in der Logistik oder Fertigung eingesetzt werden. 10.000 Stück wurden bereits verkauft. „Bewundernswert und beängstigend zugleich“, brachte Kunasek diesen Besuch auf den Punkt.
Der technologische Fortschritt in China ist bewundernswert und beängstigend zugleich.
Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ)
Die Erfolgsformel der Chinesen lautet übrigens 9-9-6, wie überall stolz erklärt wird, jeden Tag von 9 Uhr Vormittag bis 21 Uhr arbeiten, und das sechs Tage in der Woche. So auch die rund 600 Mitarbeiter von Fourier Robotics. In unmittelbarer Nachbarschaft von AgiBot werden auch humanoide Roboter entwickelt. Diese sollen künftig etwa als Begleiter älterer Menschen oder auch im Pflegebereich eingesetzt werden.
„Momentan ist das, bei allem Respekt, aber noch Forschungs-Spielzeug“, sagt Bernhard Kügler, ärztlicher Direktor der Sanlas Holding. „Bei gewissen Bereichen, wie etwa der Überwachung von therapeutischen Übungen von Patienten, kann ich mir aber schon vorstellen, dass so ein Gerät künftig assistiert.“ Die direkte Pflege von Patienten durch Roboter scheint aber, zumindest in Österreich, noch weit entfernt.
Nicht vergessen darf man, dass auch China aktuell zu kämpfen hat. Das riesige Land kämpft gegen einen Bevölkerungsschwund und damit über kurz oder lang auch um Arbeitsplätze – und auch die Wirtschaft leidet natürlich unter den globalen Krisen, besonders der Immobilienmarkt ist in den letzten Jahren stellenweise implodiert. Es ist also auch im Land des Lächelns nicht alles Gold, was glänzt.
Die Reise erfolgt auf Einladung des Landes Steiermark.
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