Eine hochkarätige steirische Delegation – inklusive der halben Landesregierung – will in China die heimische Wirtschaft ankurbeln. Jeder zweite Arbeitsplatz in der Steiermark hängt direkt oder indirekt am Export.
Die Hoffnung liegt im Osten. Nachdem die USA von ihrem unberechenbaren Präsidenten als verlässlicher Handelspartner mehr oder weniger aus dem Spiel genommen wurden (siehe Zollstreit oder Iran-Krieg) und Russland seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine auch keine Rolle mehr spielt, sehen viele heimische Firmen noch weiter östlich den Ausweg aus der Krise. Auch deshalb weilt seit Donnerstag eine hochkarätige und rund 60-köpfige weiß-grüne Delegation in Chinas Finanzmetropole Shanghai.
„Als starkes Industrie-, Forschungs- und Innovationsland sehen wir großes Potenzial für eine noch engere Zusammenarbeit mit China – von der Automobilindustrie über neue Technologien bis hin zu Hochschulen und Tourismus“, ist Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) überzeugt. Mit ihm ist die halbe Landesregierung im „Land des Lächelns“ – Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) ist genauso dabei wie die Landesräte Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) und Claudia Holzer (FPÖ) sowie Landtagspräsident Gerald Deutschmann (FPÖ).
Nur Deutschland liegt bei Importen vor China
Denn längst ist das Riesenland auch zu einer wirtschaftlichen Supermacht aufgestiegen. Allein die Metropolregion Shanghai und Jiangsu im Jangtse-Delta bevölkern 241 Millionen Einwohner (das 26-Fache von Österreich) – hier werden 24,7 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung erarbeitet. China ist seit 2025 der drittwichtigste Handelspartner Österreichs, hat 2025 die eingangs erwähnte USA überholt. Für die Steiermark ist man sogar noch wichtiger: Im ersten Halbjahr wurden Waren im Wert von mehr als 900 Millionen Euro aus China importiert, mehr waren es nur aus Deutschland. Bei den Exporten liegt China mit knapp 450 Millionen Euro auf Rang vier.
„Jeder zweite Arbeitsplatz in der Steiermark hängt direkt oder indirekt am Export. Das unterstreicht deutlich, dass wir internationale Kooperationen und den grenzüberschreitenden Handel brauchen“, unterstreicht Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom. Gleich Donnerstagvormittag wurde deshalb auch mit Shanghai das erste von mehreren Memoranden, die in den nächsten Tagen folgen werden, unterschrieben.
Jeder zweite Arbeitsplatz in der Steiermark hängt direkt oder indirekt am Export.
Manuela Khom
„Kooperation erweitern“
„Das ist ein neuer Anlauf, die Kooperation unserer beiden Regionen in den nächsten Jahren kontinuierlich zu erweitern“, sagte Shanghais Bürgermeister Gong Zheng, der mit einer hochkarätigen Abordnung der Stadtregierung die steirische Delegation empfing, nach der Unterschrift.
Eine bereits langjährige Kooperation verbindet die Grazer TU mit der Tongji Universität. „Es kommen immer wieder Professoren von uns nach China und umgekehrt“, erläutert TU-Rektor Horst Bischof. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche Automotive, Eisenbahn, Elektrotechnik und Informatik. Rund 100 chinesische Studenten studieren im Schnitt an der Technischen Hochschule in der steirischen Landeshauptstadt.
Was sich die österreichischen Unis von den chinesischen abschauen können? „Die Konsequenz“, ist Bischof überzeugt. „Sie setzen vehement Schwerpunkte, jede Uni ist für etwas anderes zuständig. Die Tongji verfügt etwa im Bauingenieurwesen über einen exzellenten Ruf, so etwas haben wir in Europa gar nicht.“
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