Das Budget in Österreich bleibt deutlich schlechter als bisher angenommen. Neue Berechnungen des Fiskalrats zeigen: Für 2027 fehlen 4,4 Milliarden Euro, die Staatsschulden steigen auf 85 Prozent des BIP und nähern sich damit dem historischen Höchststand.
Laut Fiskalrat muss im kommenden Jahr deutlich mehr eingespart werden als von der Regierung geplant. Um das Budgetdefizit 2027 wie geplant auf 3,5 Prozent des BIP zu drücken, sind gemäß der am Mittwoch veröffentlichten Schnellschätzung des Fiskalratsbüros weitere Konsolidierungsmaßnahmen in Höhe von 4,4 Milliarden Euro nötig! Gefordert wird daher ein rasches und ambitioniertes Vorgehen.
Grafik: Die Budgetprognose des Fiskalrats bis 2027
Österreich verfehlt weiterhin EU-Vorgabe
Für heuer erwartet der Fiskalrat ein Defizit von 4,0 Prozent des BIP, für 2027 4,1 Prozent. Gegenüber seiner Herbstprognose (4,1 bzw. 4,1) sind die Einschätzungen für 2026 und 2027 nahezu unverändert geblieben. Grund dafür sei, dass sich die gegenläufigen Entwicklungen bei Konjunktur, Inflation und Konsolidierungsmaßnahmen weitgehend ausgleichen würden, erklärte das Fiskalratsbüro. Die EU-Vorgabe (Maastricht-Grenze) liegt bei drei Prozent.
Lücke von 0,6 Prozent
Um die Lücke von 0,6 Prozent des BIP zwischen den für 2027 prognostizierten 4,1 Prozent Defizit und den von Marterbauer angepeilten 3,5 Prozent schließen zu können, ergebe sich unter der Berücksichtigung der negativen makroökonomischen Auswirkungen ein Einsparungsbedarf in Höhe von 4,4 Milliarden Euro. Bis 2028 müsse darüber hinaus noch weiter konsolidiert werden, um wie geplant das laufende EU-Defizitverfahren zu verlassen.
Marterbauer hat sich ein Konsolidierungsvolumen von zwei Milliarden Euro für die Jahre 2027 und 2028 vorgenommen. Allerdings betreffen die geplanten Einsparungen nur das Bundesbudget, während der Fiskalrat vom gesamtstaatlichen Budget – also inklusive Länder und Sozialversicherungen – ausgeht.
Die Herausforderungen sind groß, aber nicht unbewältigbar.
SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer.
Staatsschuldenquote nähert sich historischem Höchststand
Folge der anhaltend hohen Budgetdefizite ist laut Fiskalrat der weitere Anstieg der Staatsschuldenquote. Diese steigt laut Prognose bis 2027 auf 85 Prozent des BIP und nähert sich damit dem historischen Höchststand aus dem Jahr 2015 (85,6 Prozent), als Geschäftsbanken im Rahmen des Bankenpakets verstaatlicht wurden. Im Gegensatz zu damals sei der Anstieg der Verschuldung heute nicht großteils mit dem Erwerb von Vermögenswerten verbunden, weshalb eine automatische Rückführung der Verschuldung ausgeschlossen sei. Eine Stabilisierung der Schuldenquote – dafür wären bis 2027 Defizite unter 2,5 Prozent des BIP nötig – ist derzeit laut Fiskalrat außer Reichweite.
Finanzministerium: Ziel bleibt unter drei Prozent des BIP bis 2028
Das Finanzministerium verwies in einer Stellungnahme auf die laufenden Budgetverhandlungen. Dabei stütze man sich auf die Wifo-Prognose vom vergangenen Freitag. Wenn sich die Szenarien aufgrund der andauernden Energiekrise und des Iran-Kriegs ändern, werde man flexibel darauf reagieren, so Marterbauer. „Unser Ziel bleibt es, bis 2028 unter drei Prozent des BIP zu kommen. Dafür sind im Bund gut 2 Milliarden Euro notwendig. Die Sanierung des Staatshaushalts ist aber eine gesamtstaatliche Aufgabe. Alle – Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung – müssen ihren Beitrag leisten. Deshalb wurde im Stabilitätspakt vereinbart, dass die Gebietskörperschaften bis zum Jahr 2028 1,5 bis 2 Milliarden konsolidieren müssen“, betonte er.
Auch ÖVP-Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl unterstrich: „Unser Ziel ist es, Österreichs Staatsfinanzen nachhaltig zu sanieren und unser Land bis 2028 aus dem EU-Defizitverfahren zu führen.“ Die aktuelle Prognose sowie die Vorschläge des Fiskalrats nehme man sehr ernst. Man müsse dazu aber festhalten, „dass der Fiskalrat das gesamte Konsolidierungsvolumen für Bund, Länder und Gemeinden aufzeigt und darüber hinaus nur bereits beschlossene und umgesetzte Maßnahmen berücksichtigt.“
Unser Ziel ist es, Österreichs Staatsfinanzen nachhaltig zu sanieren und unser Land bis 2028 aus dem EU-Defizitverfahren zu führen.
ÖVP-Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl
FPÖ: „Finanzminister soll auf Experten hören“
Kritik an Marterbauer folgte daraufhin von der FPÖ. Budgetsprecher Arnold Schiefer richtete diesem via Aussendung aus: „Der SPÖ-Finanzminister wäre nun, wenn er schon nicht auf uns hören will, gut beraten, auf diese Experten zu hören.“ Die Freiheitlichen fordern „ein klares Ende der Belastungspolitik und den Beginn einer verantwortungsvollen Budgetpolitik mit Hausverstand.“ Neue Steuern und Abgaben wären der falsche Weg und würden zusätzlich Wachstum und Beschäftigung bremsen, so Schiefer. Besonderes Einsparungspotenzial bestehe bei Förderungen, darüber hinaus will er „einen sofortigen, selektiven Aufnahmestopp im öffentlichen Dienst sowie eine konsequente Aufgaben- und Strukturreform im Staatswesen.“
Wir fordern ein klares Ende der Belastungspolitik und den Beginn einer verantwortungsvollen Budgetpolitik mit Hausverstand.
FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer
Grüne für Reichensteuer
Die Grünen nutzten die Zahlen, um ihrer Forderung nach einer höheren Besteuerung von Superreichen Nachdruck zu verleihen. „Ein weiteres Sparpaket auf dem Rücken der breiten Bevölkerung darf es nicht geben“, sagte Budgetsprecher Jakob Schwarz in einer Aussendung. Er fordert: „Superreiche müssen endlich fair besteuert werden und auch die Bankenabgabe darf nicht auslaufen. Wer in den vergangenen Jahren massiv profitiert hat, muss jetzt einen angemessenen Beitrag leisten.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.