Wiener Volksoper

Verbotene Liebe auf Papier und Sparflamme

Kritik
15.04.2026 08:45

Franz Lehárs „Der Zarewitsch“ geht im kunsthandwerklichen Animationsabend die dramatische Kraft aus. Trotz netten Twists.

kmm

In Zeiten, in denen der Sohn der US-Präsidentin und ein britischer Prinz in „Royal Blue“ ihre Hollywood-Liebe leben dürfen, kann auch Lehárs Zarewitsch dem starken Geschlecht zart zugetan sein. Im Original ist er ein Frauenverächter, der lieber seinen Körper stählt. Worauf das Ballettmädel Sonja dem künftigen Zaren in Soldatenuniform untergejubelt wird. In der Volksoper mutiert Sonja jetzt zum Travestiekünstler Katuschukoff, der als „Sonja“ im Vorstadttheater auftritt.

Weil aber die ganz einsam strahlende Sopranistin Hedwig Ritter die Sopranpartie der Sonja singt, muss Katuschukoff als Jungmännertraum im Frauenkleid auf die Leinwand.

Als aquarellierte Figurine. Der Erfinder dieses kargen Operettenspiels ist Steef de Jong, der sich seine schwule Zarewitsch-Fassung mit herzigen Klapp- und Schiebefiguren von der Seele gemalt und geklebt hat. Die werden in Echtzeit animiert, gefilmt und über die mit ein paar Bedarfspappen dekorierte Bühne projiziert.

Das ist eh lieb, hat aber bald auch etwas von buntem Kreativabend mit Laienspiel im Haus der Begegnung – trägt jedenfalls keine zwei Stunden, gerinnt oft zur illustrierenden Montage, von dem, was die Sänger darunter singen oder unbeholfen sprechen. Wobei die neue Dialogfassung fröhlich die alten gegen neue Klischees austauscht und die übrigen drei der nur vier Protagonisten wenig überzeugen. Juliette Khalil und Martin Enenkel toben nach üblichem Gusto, aber kaum hör- und verstehbar als Buffo-Paar herum. Zum Glück gibt es Übertitel!

David Kerber liefert den Zarewitsch eher als tenorale Parodie ab. Dabei zaubert das Orchester unter Alfred Eschwé ein feines Operettenfundament. Auch der Chor überzeugt. Aus budgethygienischen Gründen kann man daher nur wünschen, dass der Abend so günstig war, wie er wirkt.

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