Ein gewöhnlicher Popstar war Joe Jackson nie. Er zählt zu den wandlungsfähigsten Musikern Großbritanniens. Seit den 70ern wechselt der Sänger, Pianist und Songwriter zwischen New Wave, Pop, Jazz und Klassik. Zuletzt widmete er sich dem Swing und Music-Hall-Sound der 30er-Jahre. „Ich glaube, mein Stil ist das, was ich gemacht habe und was sonst niemand gemacht hat“, so Jackson gegenüber der dpa. Auch sein neues Album, „Hope And Fury“, ist eine Art musikalische Wundertüte.
Auf „Hope And Fury“ befasst sich Jackson, der abwechselnd in den USA und England lebt, mit seiner ursprünglichen Heimat. Es geht um „das moderne multikulturelle Großbritannien“, sagte der 71-Jährige, „voller Gegensätze: Nostalgie, aber auch Überlebenswille; Ignoranz, Gewalt und Verfall, aber auch Kultur, Musik, Sex und Spaß. Die sich wandelnde Stadt und die ewige Landschaft ... Hoffnung und Wut (Hope And Fury).“
Zynischer Blick auf ein Phänomen
Jackson wuchs in Portsmouth auf. Einst waren diese Küstenstädte mit ihren Seebrücken – den Piers – beliebte Urlaubsziele der Briten. Inzwischen sind viele heruntergekommen. Der Opener „Welcome To Burning-By-Sea“ ist ein zynischer Blick auf dieses sehr englische Phänomen. „In diesem Album steckt sehr viel England – und meine Hassliebe zu diesem Land. Ich bin eigentlich ziemlich patriotisch – aber gleichzeitig gibt es kein anderes Land, das mich so wütend oder frustriert machen kann.“
In „End Of The Pier“ geht es um den Verfall der Seebrücken. „Es ist der ambitionierteste auf dem Album – und auch der traurigste“, findet Jackson. Seit den 50er-Jahren sei der Pier außer Mode gekommen. „Und ‘end of the pier‘ wurde zu einem feststehenden Ausdruck für etwas Altmodisches, Kitschiges oder unerquicklich Nostalgisches. Ich glaube, die Menschen damals hatten ein härteres Leben, aber sie wussten besser, wie man das Leben genießt. Davon haben wir zu viel verloren.“
Abrechnung mit der Entschuldigungskultur
Jackson äußert sich gesellschaftskritisch, aber niemals parteipolitisch. Bestes Beispiel dafür ist „I‘m Not Sorry“, in dem er mit der Entschuldigungskultur der Gegenwart abrechnet, in der sich Promis für jede Kleinigkeit entschuldigen sollen – auch für das, was sie nicht gesagt haben oder wenn sie nicht öffentlich eine Seite einnehmen oder sich einer Sache verschreiben wollen.
„Fabulous People“ erinnert mit dem markanten Klavier an seinen bekanntesten Hit. „Ja, es gibt ein Echo von ‘Steppin‘ Out‘.“ Musikalisch bewegt sich der versierte Songwriter ansonsten gewohnt mühelos zwischen den Genres: Ob Rock („I‘m Not Sorry“), melancholischer Pop („Made God Laugh“) oder Jazz („The Face“) – auf „Hope And Fury“ wird all das zu einer homogenen und zeitlosen Mischung.
Der Humor kommt dabei nicht zu kurz. Denn, so Jackson: „Humor ist ein unglaublich wichtiger Teil des Lebens. Er hilft uns, durch die schwierigen Phasen zu kommen, und ist eine wunderbare Möglichkeit, wie Menschen miteinander in Verbindung treten. Komödie ist genauso sehr eine Kunstform wie Tragödie. Ich misstraue Menschen, die keinen Sinn für Humor haben.“
Live in Wien
Am 16. November ist Joe Jackson live im Wiener Globe zu sehen. Unter www.ticketmaster.at gibt es Karten für das seltene Stelldichein des Kultstars in Österreich.
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