„Geistvoll, pikant, talentvoll“: In den 48. „Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek“ präsentiert Germanist Wulfhard Stahl eine kritische Ausgabe der gesammelten Texte von Wanda von Sacher-Masoch und gewährt Einblicke in ihr wildes Leben.
Ein Leben wie im Roman – auf wen würde dieses geflügelte Wort wohl besser zutreffen als auf Wanda von Sacher-Masoch. Die erste Frau des für seine „Venus im Pelz“ weltberühmt gewordenen Leopold von Sacher-Masoch wurde 1845 in Graz als Aurora Angelika Rümelin geboren.
Ihren Vornamen änderte sie nach der Lektüre seines Buches, ein reger Briefwechsel mit dem Autor, der drei Jahre später in einer schwierigen Ehe mündete, war die Folge. Unter dem Pseudonym Wanda von Dunajew begann sie selbst zu schreiben und hinterließ nicht nur ihre bis heute aufgelegten Memoiren „Meine Lebensbeichte“ von 1906, sondern auch den „Roman einer tugendhaften Frau“ sowie die Geschichtensammlungen „Echter Hermelin“ und „Die Damen im Pelz“.
Katastrophale Ehe, aber ein ausuferndes Werk
Die 1873 geschlossene Ehe war, um es höflich zu formulieren, nicht nur wegen der ständig angespannten finanziellen Situation der beiden katastrophal und wurde 1886 wieder geschieden. Für Wanda nahm die Achterbahn ihres Lebens damit aber kein Ende, sie hielt sich anfangs mit ihrem Liebhaber abwechselnd in Frankreich und der Schweiz auf, bis sich ihre Spuren 1917 schließlich in Frankreich verloren.
Als Schreiberin war Wanda von Sacher-Masoch ausgesprochen fleißig, wenn auch die Qualität ihrer Texte starken Schwankungen unterlag. Oft ist zudem nicht ganz klar, was sie selbst geschrieben, was sie von anderen Autoren (großzügig) abgekupfert hat und wo ihr Mann Leopold redigiert, korrigiert beziehungsweise Texte gleich ganz umgeschrieben hat.
Das beweist Wanda-Experte Wulfhard Stahl im neuen Buch „Geistvoll, pikant, talentvoll“, das als 48. Band der „Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek“ im Leykam-Verlag erschienen ist. Darin hat er alle Feuilletons, Kurzgeschichten und Novellen von Wanda von Sacher-Masoch zusammengetragen (abseits ihres Romans, ihrer Erzählbände und Memoiren), sie gleichzeitig genau auf ihre Quellen untersucht und ihre Veröffentlichungen aufgelistet. Neben der unglaublichen Themenbandbreite der Autorin hat Stahl auch viele interessante Erkenntnisse zu ihrer Person gewonnen.
Landesbibliothek verfügt über eine reiche Wanda-Sammlung
Für Katharina Kocher-Lichem, Leiterin der Landesbibliothek, ist Wanda von Sacher-Masoch schon länger ein wichtiges Thema. „Sie war sozusagen unser erstes Corona-Opfer“, erzählt sie. 2020 war eine Ausstellung geplant, die dem Lockdown zum Opfer fiel. „Umso schöner, dass zu ihrem 181. Geburtstag im März nun das Buch erschienen ist.“ Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet in der Landesbibliothek nicht nur den mehr als 520 Seiten umfassenden textkritischen neuen „Ziegel“ zu Wanda von Sacher-Masoch, sondern auch eine Vielzahl ihrer Bücher.
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