Spurensuche

Auf der Fährte des echten „Osterhasen“ im Ländle

Vorarlberg
05.04.2026 10:00

Zu Ostern steht der Hase als tierischer Akteur im Mittelpunkt – meist als Überbringer bunter Eier und Süßigkeiten. Der Feldhase als Wildtier lebt hingegen meist verborgen und scheu in den heimischen Grünlandschaften.

Wenn zu Ostern der „Hase“ Hochsaison hat, lohnt sich ein genauerer Blick auf den echten Bewohner unserer Landschaft – den Feldhasen. In Vorarlberg ist Meister Lampe vor allem im Rheintal heimisch, da er sich auf offenen Flächen wohlfühlt, wie Elisabeth Ritter von der inatura Fachberatung berichtet: „Der Feldhase bevorzugt strukturreiche Acker- und Grünlandschaften in tieferen Lagen, die von Bäumen und Gebüschen durchsetzt sind. Mitunter ist er auch in lichten Laub- und Mischwäldern sowie in subalpinen Nadelwaldbeständen anzutreffen. Wo er gemeinsam mit dem Schneehasen vorkommt, hält sich der Feldhase vor allem im offenen Gelände wie auf Almweiden und alpinen Rasenflächen auf, während er Zwergstrauchheiden meidet.“

Feldhasen ruhen in der Sasse
Ursprünglich ein Steppenbewohner, hat sich das Langohr längst an die menschliche Kulturlandschaft angepasst. Tagsüber ruhen die Tiere meist gut getarnt in einer flachen Mulde, der sogenannten „Sasse“. Ihr braun-graues Fell lässt sie nahezu mit der Umgebung verschmelzen. Erst bei Gefahr springen sie auf und flüchten in schnellen, weiten Sätzen – und Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Stunde. Aktiv sind Feldhasen vor allem in der Dämmerung. Während der Paarungszeit von Jänner bis März lassen sie sich jedoch auch am helllichten Tag beobachten. Dann liefern sich die Männchen – Rammler genannt – regelrechte Boxkämpfe um die Gunst der Weibchen. Anders als Kaninchen sind Feldhasen Einzelgänger und graben keinen Bau – die Jungen kommen daher bereits mit einem dünnen Fell und offenen Augen zur Welt und sind von Anfang an relativ selbstständig.

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Durch Straßen kommt es zur Zerschneidung des natürlichen Habitats – gerade im Frühjahr gibt es daher zahlreiche Verkehrsopfer unter den Tieren

Elisabeth Ritter

Der Speiseplan des Langohrs ist breit gefächert: Wildgräser, Kräuter, Knospen, Wurzeln, Früchte, Beeren und sogar Pilze stehen auf dem Menü. Im Winter greifen die Tiere auch auf die Rinde von Bäumen zurück. Trotz dieser Anpassungsfähigkeit wird der Lebensraum zunehmend knapp. „Durch Straßen kommt es zur Zerschneidung des natürlichen Habitats – gerade im Frühjahr, während der Paarungszeit, gibt es daher zahlreiche Verkehrsopfer unter den Tieren“, berichtet Ritter. Weitere Faktoren, die den Hasen das Leben schwer machen, sind laut der Biologin die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene Wegfall von Hecken, Feldrainen und Brachflächen. Dadurch werden dem Feldhasen zunehmend Nahrungsgrundlage und Unterschlupf entzogen.

Ein Blick auf die Bestandsentwicklung zeigt ein gemischtes Bild. Eine aktuelle, flächendeckende Erhebung fehlt. „Die letzte Feldhasen-Zählung ist schon mehr als 20 Jahre her“, sagt Ritter. Als Anhaltspunkt dienen daher die Abschusszahlen der Jägerschaft. Diese zeigen über die Jahre deutliche Schwankungen: 2019/2020 wurden 196 Feldhasen erlegt, in den Folgejahren variierten die Zahlen teils stark. In den vergangenen zwei Jahren seien jeweils 90 (2023/2024) und dann nur noch 69 Feldhasen (2024/2025) erlegt worden. „Insofern man die Entwicklung der Abschusszahlen als Indikator für die Bestandsentwicklung hernehmen kann, dürfte die Feldhasenpopulation also zurückgegangen sein“ meint Ritter. Während viele Tierarten unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden, könnte der Feldhase zumindest teilweise davon profitieren. „Ein milder Winter und ein trockeneres Frühjahr führt zu einer geringeren Sterblichkeit bei den Jungtieren, da diese weniger von Nässe und Kälte bedroht sind“, hebt die Biologin hervor.

Der Hase und Ostern

Die Verbindung zwischen Hase und Ostern wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, hat aber eine lange kulturgeschichtliche Entwicklung mit mehreren Erklärungsansätzen. Einer davon ist in der Symbolik begründet: Der Hase gilt seit jeher als Sinnbild für Fruchtbarkeit und neues Leben. Aufgrund seiner hohen Fortpflanzungsrate wurde er schon in vorchristlicher Zeit mit dem Frühling in Verbindung gebracht – also genau jener Jahreszeit, in der auch Ostern gefeiert wird. Das christliche Osterfest wiederum steht für Auferstehung und Neubeginn. Der Hase als Symboltier passte also gut und wurde im Laufe der Zeit mit dem Osterfest verknüpft. Häufig wird auch eine Verbindung zur germanischen Frühlingsgöttin Ostara hergestellt, deren Fest vermutlich im Frühjahr gefeiert wurde. Der Hase könnte dabei als Begleittier der Göttin in Erscheinung getreten sein. Historisch ist diese Verbindung zwar nicht eindeutig belegt, hat sich aber als populäre Erklärung gehalten. Die konkrete Figur des „Osterhasen“, der Eier bringt, entstand vergleichsweise spät. Erste schriftliche Hinweise finden sich im 17. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum. Dass gerade der Hase Eier bringt, ist übrigens ein schönes Beispiel für symbolische Vermischung: Eier stehen ebenfalls für neues Leben und Fruchtbarkeit. Die Kombination aus Hase und Ei verstärkt also die österliche Botschaft vom Neubeginn im Frühling.

Jeder kann etwas beitragen
Dennoch kann dieser Vorteil die negativen Auswirkungen des Lebensraumverlustes nicht ausgleichen. Umso wichtiger ist ein achtsamer Umgang mit natürlichen Lebensräumen. Wer beim Spazieren auf den Wegen bleibt, Hunde anleint und Wiesen vor dem Betreten aufmerksam beobachtet, kann bereits einen Beitrag leisten. Auch spätere Mähzeitpunkte oder das Stehenlassen von „Blühstreifen“ helfen, Rückzugsorte für Meister Lampe zu sichern.

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