Die erste Konzertrunde bei den Osterfestspielen Salzburg fällt begeisternd aus. Vor allem Tugan Sokhiev, der nächste Wiener Neujahrskonzert-Dirigent, gelingt mit den Berliner Philharmonikern Außergewöhnliches.
Der Gang zum Richtplatz hat lange nicht mehr solch eine Freude bereitet wie diesmal im Großen Festspielhaus.
Klar, die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz ist schon der ganz große Orchesterbahnhof, ein Hörabenteuer der Sonderklasse, welches das Tor der Programmmusik weit öffnet – aber immer auch Gefahr läuft, in allzu schnöder Plakativität zu verenden.
Nicht so bei Tugan Sokhiev, der ganz genau weiß, wie er die gewaltige Orchesterorgel, die ihm die Berliner Philharmoniker anbieten, zu bedienen hat.
Explodierende Klarinette für die geliebte Hexe
Berlioz’ Liebesrauschen in die Katastrophe wird vollprächtig klanggemalt: Das ist orchestrale Maßarbeit – vom zart-bestimmten Liebeswogen auf dem Ball im zweiten Satz bis zu den wuchtigen Entladungen. Etwa wenn im Finale die das Werk durchziehende „Idée fixe“ in der Klarinette fast zu explodieren droht, als schriller Spott der zur Hexe verkommenen Geliebten.
Da stimmen die Tempi und die Dynamiken goldrichtig, Sokhiev steigert grandios, wobei der Gesamtklang, immer durchhörbar, zauberhafte Details offenbart. Die Berliner Musiker brillieren in allen Gruppen. Doch die stark geforderten Holzbläser sind nochmals eine Klasse für sich. Und Sokhiev steuert Berlioz’ Phantasmagorien mit passenden Bewegungsfiguren, wie ein vom Klang besoffener Kapitän, der das Ruder dennoch nie auslässt. Der Orchesterrausch schwappt nahtlos in den Begeisterungssturm des Publikums über.
Doch schon vor der Pause bereiten Dirigent und Orchester ein Fest mit dem klangsatt dunkelschön gespielten Doppelkonzert von Johannes Brahms. Als Solisten glänzen der Erste Konzertmeister Noah Bendix-Balgley auf seiner Violine neben dem souverän feinfühligen Ersten Solocellisten Bruno Delepelaire.
Sopranistin Louise Alder als tolle Einspringerin
Die Solisten waren – neben dem wie immer großartigen Chor des Bayerischen Rundfunks – auch die Trümpfe des ersten Chorkonzertes der Festspiele. Daniel Harding leitete sehr solide Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, bei der Louise Alder kurzfristig für Hanna-Elisabeth Müller, die am Vorabend noch als Vitellia im Wiener Staatsopern-„Titus“ angesetzt war, einsprang. Alder bezaubert mit leuchtendem, geläufigem Sopran und perfekter Diktion neben ihren exzellenten Kollegen, dem Tenor Andrew Staples und dem jungen Ausnahme-Bariton Konstantin Krimmel.
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