10.000 Fans, große Gefühle und eine Reise durchs Leben: Sarah Connor verwandelt die Wiener Stadthalle in ein „Raumschiff“ voller Gefühle. Zwischen leisen Momenten, starken Botschaften und Nostalgie wird klar: Diese Show bleibt hängen – und zeigt einmal mehr, warum sie seit 26 Jahren eine feste Größe im deutschen Pop ist. Die „Krone“ war live vor Ort.
Der Samstagabend gehörte den Ladys – sowohl jung als auch alt schafften es bei diesem kühlen und windigen Wetter aus dem Haus und versammelten sich in der Wiener Stadthalle, um sich dort vielleicht doch noch ein paar Frühlingsgefühle musikalisch abzuholen. Denn ganz ehrlich: Normalerweise verbringt man einen solchen Samstag als Mama zumindest eher im Pyjama auf der Couch – oder wenn's mal hochkommt, im nächsten Tanzclub. Pop-Diva Sarah Connor ist aktuell mit ihrer großen Arena-Tour unterwegs und machte natürlich Halt in Wien. Vor rund 10.000 Menschen spielte sie das letzte große Konzert, bevor die Stadthalle bald ganz im Zeichen des Eurovision Song Contests steht.
Seit 26 Jahren ist Connor im Musikbusiness und hat Hits geliefert, die mehrere Generationen begleiten. Genau diese bringt sie auch auf die Bühne und verspricht eine zweieinhalbstündige Show in Kombination mit Songs aus ihrem aktuellen Album „FreiGeistin“. Der Abend startet mit einer Preshow-Party – ein Muss für einen Samstag. DJane Daybee Dee sorgt gemeinsam mit Saxofonist Thoi für Club-Feeling. Hip-Hop, RnB, Oldies und Klassiker bringen das Publikum in Bewegung, viele tanzen oder nicken im Takt. Um Punkt 20 Uhr beginnt die Show mit einem filmischen Intro: Walgesänge erfüllen die Halle, auf sechs beweglichen LED-Wänden erscheinen Meeresbilder, Connor taucht darin auf. „Du bist da draußen“ setzt ein – noch unsichtbar, aber stimmlich sofort präsent. Wenige Minuten später steht sie in einem weißen Body mit Kapuze auf der Bühne und eröffnet mit „Ich liebe dich“. Futuristische Pop-Diva trifft auf Couture-Vibe – treffender lässt sich das Outfit kaum beschreiben.
„Eine Frau ihres Alters“
„Guten Abend Wien“, ruft sie, bevor sie mit „My French Girlfriend“ die ersten Tänzer auf die Bühne holt. Bei „Heut ist alles gut“ kommt schließlich die gesamte Band dazu – zwölf Musiker inklusive Backgroundsänger.
„Unfassbar, die Halle ist ja voll bis oben hin – was ist los bei euch?“
„Und das auch noch 26 Jahre später“, ergänzt sie, während das Publikum bereits tobt. „Seid ihr bereit, durch eine Reise zu gehen? Durch alles, was man so fühlen kann, wenn man eine Frau in meinem Alter ist?“, witzelt sie.
„Kommt in unser Raumschiff.“ Dann wird sie persönlicher. Sie spricht über Online-Hass, Mobbing – und dass sie davon „die Schnauze voll“ hat. Gemeint ist „Ficka“, der Song, der kurz nach Release viral ging. Auf der langen Bühne bewegt sie sich dabei souverän hin und her – und das Publikum ist ab der ersten Zeile textsicher.
Danach wird es ruhiger: „Geiles Leben“, „Du bist das schönste Mädchen der Welt“ und „Ich wünsch dir“ zeigen ihre leisen, aber kraftvollen Seiten.
„Das sind Songs für die Kinder – und für die Mamas und Papas. Ich mache mir viele Gedanken darüber, was gerade auf der Welt passiert.“ Die Handylichter gehen sofort an. Gänsehaut – und das nach nicht mal 30 Minuten.
Mit „Halt mich“ zieht das Tempo wieder an. „Steht auf und klatscht mit!“ Die Bühne wird komplett genutzt, das Publikum fühlt sich gesehen – auch die Jüngsten im Glitzerrock, die jeden Moment aufsaugen.
Das Wasser als Mantra
Ein weiterer persönlicher Moment: Sie erzählt von der damaligen London-Reise ihrer Kinder und davon, wie sehr sie diese vermisst hat.
„Sarah, die kommen wieder“, habe ihre beste Freundin gesagt – Gelächter im Publikum. In solchen Momenten ist sie nicht nur Popstar, sondern vor allem einfach „nur“ Mutter.
„Warum hat mir keiner gesagt“ ist ein Track, den sie für ihre ältere Tochter geschrieben hat. Auch beim nächsten Lied bleibt es familiär: Sie spricht über ihre Beziehung zu ihrem Partner Florian Fischer – darüber, dass es nicht nur Höhen gibt.
„Was ist passiert, warum sind wir so?“, sagt sie, bevor sie genau diesen Song anstimmt. Die LED-Wände zeigen wieder das Meer im Hintergrund. Man merkt förmlich, dass Wasser für sie mehr ist als nur ein visuelles Element – eher eine Art Mantra. Sie setzt sich aktiv für den Schutz der Ozeane ein, wollte früher sogar Meeresbiologin werden.
Mit „Souvenir“ zieht das Tempo wieder an, die Tänzer sind zurück auf der Bühne. Es wird wieder größer, lauter und bewegter.
„Ich dachte auch, ich wäre nicht eifersüchtig“, witzelt sie erneut – und setzt direkt mit „Schlechte Idee“ nach.
Kein einziger schiefer Ton
Und dann zeigt sich: Diese Frau kann einfach performen. Sie singt, sie tanzt – und das ohne hörbare Schwächen. Klar, sie ist keine Beyoncé, auch wenn man sich kurz fragt, ob Beyoncé vielleicht doch gerade als deutsche Version auf der Bühne steht – aber ihre Erfahrung trägt alles. Ein Dancebreak folgt, inklusive Poledance-Einlage. Danach kommt sie im neuen Outfit zurück – Baggy Hose, Baseballjacke, Cap – und trällert „He Is Unbelievable“. Spätestens bei „Let’s Get Back to Bed Boy“ – ihrem Durchbruchs-Hit aus 2001 mit Rapper TQ – ist klar: Jetzt wird’s nostalgisch. Es folgt eine kleine Zeitreise mit „From Zero to Hero“, „Just One Last Dance“ und mehr. Die Millennials fühlen sich zurückversetzt – und trotzdem funktionieren diese Lieder auch heute noch.
Ein echtes Highlight liefern im Anschluss die Backgroundsängerinnen mit „Don’t Let Go“ von En Vogue allerdings ohne Connor. Ein Song, an dem schon viele – auch in diversen Castingshows oder anderen versuchten Live-Auftritten – gescheitert sind. Hier sitzt aber jeder Ton, nah am Original und trotzdem mit eigener Energie.
Als die Vollblut-Musikerin mit neuem Outfit zurückkommt, interagiert sie wieder viel mit dem Publikum, macht Witze übers Älterwerden („Mir ist immer warm“) und hält die Stimmung locker, fast schon familiär. Doch der Moment verändert sich und wird ernster: „Zusammen ist man weniger kaputt“ wird zur emotionalen Ballade. Begleitet von einer Gitarre hört sich ihre Stimme durch die Halle klar und kräftiger an. In diesem Song verarbeitete sie ihre Ehekrise. Es entstehen diese typischen Gänsehaut-Momente, die sich bis zu „Die Fremde“ ziehen – dort steht sie fast allein auf der Bühne, reduziert auf Stimme und Gefühl.
Blues-Liebe und echte Menschen
„Bei dem Song sind meine Kinder immer rausgegangen“, erzählt sie vor „Das Leben ist schön“. Doch lange bleibt es nicht so ruhig. „Wien, seid ihr ready?“, ruft sie – und plötzlich kommt wieder Bewegung in die Halle. Bei „Wilde Nächte“ wird getanzt, ein kurzer „Crazy in Love“-Move blitzt auf.
Kurz darauf verwandelt sich die Bühne in eine Galaxie – „Interstellar“ ertönt, allerdings ohne Sido. Wieder zurück „auf der Erde“, erzählt sie von ihrem Vater aus den Südstaaten und ihrer Liebe zu Blues und Jazz. Dann improvisiert sie plötzlich genau in diesem Blues-Stil eine kleine Wien-Hymne – irgendwo zwischen Spaß und stimmlicher Machtdemonstration.
„Vincent“ bringt wieder diesen kurzen Moment, in dem es auch emotional wird. Alles leuchtet in Regenbogenfarben, Fahnen gehen nach oben – und plötzlich ist da dieser Moment, in dem die ganze Halle versteht, worum es wirklich geht: Akzeptanz, Selbstliebe und Mut. Ein kurzes „Dankeschön Wien, ihr wart fantastisch“ – dann verschwindet sie von der Bühne.
Folgt eine Zugabe? Aber natürlich. Sie kommt zurück – verändert, fast wie kurz mal neu aufgeladen. „Ich möchte euch von Herzen danken, Wien. Singen, tanzen, schwitzen, stinken, lachen oder weinen – das können nur wir Menschen. Das wird keine KI ersetzen. Und das gibt mir Mut“, sagt sie lautstark.
Zu guter Letzt wird es doch noch einmal persönlicher. Den nächsten Hit widmet sie ihrem kleinen Sohn Jax – dieser entstand aus einem Gespräch mit ihm. „Ich werde meine Musik immer nutzen – gegen jede Art von Extremismus“, sagt sie. „Hier kommt dein Lied, Jax: ,Herzen in Aufruhr“".
Ein letztes Medley bringt aber dann doch schließlich das große Finale: „Wie schön du bist“, „Tief wie das Meer“ und „Hölle“. Sie lächelt und genießt die Standing Ovations ...
Fazit: Nach 26 Jahren zeigt Sarah Connor, dass sie Generationen verbinden kann. Jung, alt – alle steigen in ihr „Raumschiff“ ein. Sie sagt, was sie denkt, egal ob auf Deutsch oder Englisch – dabei bleibt sie nahbar und schafft es, große Themen und persönliche Momente zu verbinden. Ein wunderbarer Abend für langjährige Fans – und für eine neue Generation. Fast drei Stunden pure Sarah-Power zwischen Nostalgie und Gegenwart.
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