Jörg Maria Ortwein:

„Musik und Kunst verlieren an Stellenwert“

Vorarlberg
25.03.2026 19:15
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

„Alle Neun“ heißt es am Donnerstag an der Musikhochschule Stella in Feldkirch, wo Studierende aller österreichischen Musikhochschulen ein gemeinsames Konzert geben. Rektor Dr. Jörg Maria Ortwein erklärt im Gespräch mit der „Krone“, was es damit auf sich hat.

„Krone“: Herr Ortwein, wie kam es eigentlich zu dieser Veranstaltung?
Dr. Jörg Maria Ortwein: Dieses jährliche Konzert von Studierenden aus allen Musikhochschulen Österreichs gibt es bereits länger, als es uns hier in Feldkirch als Hochschule gibt – also schon, als wir noch das Landeskonservatorium waren. Es ist ein Treffen von Spitzenleistungen auf Augenhöhe. Zudem pflegen wir den gemeinsamen Austausch, bereits am Nachmittag treffen sich die Rektoren aller Hochschulen. Mit dabei sind auch je ein Vertreter der Rektorenkonferenzen aus Deutschland und der Schweiz. Hier in Österreich sind die Rektoren generell sehr eng vernetzt, wir treffen uns alle sechs Wochen, entweder in Präsenz oder online. Letztes Jahr etwa fand „Alle Neun“ an der Kunstuni in Graz statt. Dazu kommt, dass die gastgebende Hochschule dann für das ganze Jahr den Sprecher der Rektorenkonferenz stellt, der auch die Konferenzen in der Schweiz und in Deutschland besucht.

Beim Konzert „Alle Neun“ erlebt man eine große Vielfalt an Besetzungen und Stilen. Wer trifft die Auswahl?
Das macht die jeweilige Hochschule bzw. Universität, denn jede hat unterschiedliche Schwerpunkte. Es ist gleichsam ein Schaufenster für die jeweilige Hochschule, das Programm entsteht dann in Abstimmung mit den anderen Hochschulen. Wir wollen die gesamte Breite der Ausbildung in Österreich darstellen. Seit letztem Jahr ist der Radiosender Ö1 mit an Bord. Er überträgt das Konzert live, zudem gibt es Interviews. Eine spannende Plattform!

Nun noch ein paar Fragen zur Stella Musikhochschule selbst. Ist der Wechsel vom Konservatorium zur Hochschule eigentlich schon komplett vollzogen
Formal sind wir seit der Akkreditierung 2022 eine Privathochschule. Was die Studiengänge betrifft, so haben wir die Master-Studiengänge schon einmal durchlaufen, da gibt es bereits Absolventen. Bei den beiden Bachelorstudiengängen sind wir aktuell im letzten Jahr des Durchlaufs. Die Studiengänge werden kontinuierlich von Qualitätssicherungsprozessen begleitet.

Dr. Jörg Maria Ortwein steht als Rektor der Stella Musikhochschule vor.
Dr. Jörg Maria Ortwein steht als Rektor der Stella Musikhochschule vor.(Bild: Stella Vorarlberg)

Wie ist die Stella Musikhochschule in der Region verankert?
Wir legen großen Wert auf Kooperationen. Unser stärkster Partner ist das Vorarlberger Musikschulwerk. Als einzige Hochschule in Österreich praktizieren unsere Studenten vier Semester lang in einer Musikschule. Für dieses Jahr ist weiters der Start einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit der Bodensee Philharmonie Konstanz geplant. Diese Praxisbezüge sind einerseits zum Erwerb von Fähigkeiten für den Beruf wichtig, andererseits helfen sie unseren Studierenden, schon im Studium Netzwerke aufzubauen. Das Studium sollte idealerweise nahtlos in den Beruf übergehen.

„Alle Neun“

Konzert „Alle Neun“ am Donnerstag, 26. März, im Festsaal der Stella in Feldkirch. Die Liveübertragung auf Ö1 beginnt um 19.05 Uhr.

Was ist Ihre persönliche Triebfeder für ihr tatsächlich bemerkenswertes Engagement?
Ich frage mich oft, wo wir wären, wenn wir hier in Österreich nicht diesen hohen Grad an kultureller Bildung hätten. Doch ich beobachte, dass Musik und Kunst in der Gesellschaft leider an Stellenwert verlieren. Die Aufmerksamkeit geht in die digitale Welt, und die Pandemie hat diesen Prozess noch verstärkt. Junge Menschen überlegen sich zunehmend, ob ein Musikstudium für sie das Richtige ist. Dabei haben wir hier in Vorarlberg einen großen Mangel an Musiklehrerinnen und -lehrern, abgesehen davon werden kreative Köpfe immer gebraucht. Mein wichtigstes Anliegen ist also ganz klar, den Stellenwert der Musik in der Gesellschaft deutlich zu machen. Übrigens gibt es zur Bedeutung der Kunsthochschulen für die Gesellschaft noch in diesem Jahr eine österreichweite Aktion der Musikhochschulen.

Musste auch die Stella Privathochschule finanzielle Kürzungen des Landes Vorarlberg hinnehmen?
Nein. Das Land Vorarlberg ist ein verlässlicher Partner und hält sich an die uns fix zugesagten Zuwendungen. Und natürlich kennen wir unseren finanziellen Rahmen und halten uns daran. Somit sind auch wir ein zuverlässiger Partner.

Vielen Dank für das Gespräch und toi, toi, toi fürs Konzert!

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