Der Schönheits- und Jugendwahn trägt dazu bei, dass ältere Generationen immer öfter aus Familienalben verschwinden. Eine Fotografin aus Oggau will diese Lücke nun schließen.
Während unsereins fast schon reflexartig zum Smartphone greift, um flüchtige Augenblicke schnell festzuhalten, lässt sich Maria Hollunder Zeit. Fast unsichtbar bewegt sie sich durch Räume. Wartet. Beobachtet. Und spürt, wann ein Bild mehr ist als nur ein Abbild. Für sie sind Fotos nämlich keine Schnappschüsse, sondern Erinnerungen, die atmen.
Kein Wunder, dass die Oggauerin zu den gefragtesten Berufsfotografinnen des Landes zählt. In ihrem Job begleitet sie Menschen durch alle Phasen des Lebens. So fotografiert sie werdende Mütter mit ihren Babybäuchen, Neugeborene, Täuflinge, Kleinkinder, Teenager, Verlobte, Brautpaare und Familien bei feierlichen Anlässen.
Doch irgendwann hört das auf. „Früher war es üblich, dass mehrere Generationen zu Jubiläen oder Kirchenfesten gemeinsam zum Fotografen gingen. Selbstverständlich waren auch Großeltern und Urgroßeltern mit dabei. So entstanden Bilder, die heute zu den wertvollsten Erinnerungen einer Familie gehören“, sagt Hollunder.
Warum unsere Familienalben unvollständig werden
Seit Familienstrukturen sich wandeln und die Individualisierung die eigene Identität stärker in den Vordergrund rückt als die Darstellung der Familie, sind klassische Gruppenfotos weniger populär. Auch der Jugend- und Schönheitswahn in unserer Selbstinszenierungskultur tragen dazu bei, dass die Alten auf Aufnahmen oft fehlen.
„Wenn Familien zu mir ins Studio kommen, um ein Bild für den runden Geburtstag der Oma zu machen, fehlt oft leider ausgerechnet die Jubilarin. Irgendwann kommt aber der Moment, in dem Angehörige nach einem Bild suchen, das einen geliebten Menschen so zeigt, wie man ihn in Erinnerung behalten möchte. Ein Porträt aus jenen Tagen, in denen das Leben schon viele Geschichten erzählt hat, bevor Krankheiten und große Mühen Spuren hinterlassen“, so Hollunder.
Kostenlose Fotosessions in Seniorenwohnheimen
Weil ihr das Fotografieren von alten Menschen sehr am Herzen liegt – „in ihren faltigen Gesichtern spiegeln sich Erfahrung und Persönlichkeit“ – lässt sie die einstige Tradition neu aufleben und besucht regelmäßig Pflegeheime, um die Senioren dort ehrenamtlich zu fotografieren: „Fotoshootings sind auch für Oldies ein Erlebnis, weil sie spüren, dass ich ihnen meine volle Aufmerksamkeit schenke und ihnen mit Würde und Respekt begegne.“
Auch die Verwandtschaft freut’s: „Erinnerungen verändern sich, verblassen. Manchmal verschwinden sie ganz. Ein Foto voller Gefühl kann dann ein echter Trost sein!“
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