Probleme mit Qualität

So rechtfertigt Rotes Kreuz teures Uniform-Chaos

Steiermark
25.03.2026 16:00

Die neuen Uniformen des Roten Kreuzes Steiermark sorgen für massiven Unmut: Berichte über unzureichenden Schutz vor Regen und Kälte, interne Beschwerdeschreiben sowie arbeitsrechtliche Drohungen des Betriebsrats zeichnen ein kritisches Bild. Die „Krone“ hat diese Missstände ans Licht gebracht. Im Hintergrund steht zudem die Frage, ob beim Einsatz von Steuergeld sorgfältig und transparent vorgegangen wurde. Wir haben dazu mit Präsident Siegfried Schrittwieser und Landesgeschäftsführer Helmut Schellnegger gesprochen.

„Krone“Wie hoch waren die Ausgaben für die neuen Uniformen, die im Vorjahr eingeführt wurden – und wie hoch ist der entstandene Schaden?
Schrittwieser: Der Schaden ist gleich null, weil wir die schadhaften Uniformen zurückschicken. Diese werden kostenlos ausgetauscht. Wir haben 7.233 Jacken beschafft und nur 92 Stück zurückgeschickt – das entspricht einem Prozent. Bei den Hosen haben wir 13.884 Stück bestellt und 304 retourniert, das sind etwa zwei Prozent. 87 Hosen gingen aufgrund falscher Passgrößen zurück.

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Im Winter ist die Uniform nicht warm genug, und der Regen geht durch – das muss man schon zugeben, das kann ich nicht leugnen.

Der steirische RK-Präsident Siegfried Schrittwieser

Der „Krone“ liegen zahlreiche interne Schreiben vor, die massive Mängel belegen. Der Betriebsrat hat im Jänner sogar arbeitsrechtliche Schritte angedroht – ein einmaliger Vorgang im Roten Kreuz. Wie erklären Sie sich die deutliche Diskrepanz zwischen diesen Berichten und Ihrer Statistik?
Schrittwieser: Wir haben die Uniformen nicht gemacht. Wir haben aber sofort bei der Geschäftsführung der beauftragten Firma Einkauf&Service – kurz E&S – reklamiert, dass für jene Kleidungsstücke, wo es die meisten Mängel gibt, eine Lösung her muss. Und diese Zusage haben wir.

Das Gespärch fand in der neuen RK-Zentrale im Süden von Graz statt.
Das Gespärch fand in der neuen RK-Zentrale im Süden von Graz statt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Es gibt aus Ihrer Sicht also kein Problem – wirklich?
Schrittwieser: Im Winter ist die Uniform nicht warm genug, und der Regen geht durch – das muss man schon zugeben, das kann ich nicht leugnen. Diese Uniformen scheinen auch nicht in der Reklamationsstatistik auf. Ein Kälteproblem haben wir, deshalb schaffen wir jetzt zusätzlich neue Parkas an für den nächsten Winter.

Gab es für diese Leistungen eine Ausschreibung – und wenn nein, auf welcher Grundlage wurde darauf verzichtet?
Schrittwieser: Wir sind nur die Besteller, nicht die Einkäufer. Die Einkäufer sind E&S. Für uns gibt es keine gesetzliche Ausschreibungspflicht, aber natürlich holen wir bei allem, was wir kaufen, mehrere Preisvergleiche ein. Wir schauen überall darauf, dass wir den besten Preis und die beste Qualität bekommen.

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Bei jeder Subventionierung seitens der öffentlichen Hand sind wir dazu verpflichtet, die Verwendung nachzuweisen.

RK-Landesgeschäftsführer Helmut Schellnegger

E&S musste also auch keine Ausschreibung machen, trotz der Verwendung von zwei Millionen Euro Steuergeld allein aus der Steiermark?
Schrittwieser: E&S hat vom Gesetzgeber her keine Ausschreibungspflicht. Aber uns versichert deren Geschäftsführung, dass sie bei allem, was sie machen, natürlich europaweit Preisvergleiche einholen, weil sie ihren Kunden gegenüber ja auch verantworten müssen, dass sie den besten Preis und die beste Qualität bekommen.

Hätte man im Sinne von Transparenz und Sorgfaltspflicht im Umgang mit Steuer- und Spendengeldern nicht trotzdem anders vorgehen müssen?
Schrittwieser: Uns ist versichert worden, dass ein Preisvergleich gemacht wurde und dass der Bestbieter zum Zug gekommen ist. Außerdem hat in den vergangenen Jahren ja durchaus Zufriedenheit unsererseits mit der Firma geherrscht, dadurch ist auch das Vertrauen gewachsen.

Auszug aus einem internen Schreiben, das der „Krone“ vorliegt.
Auszug aus einem internen Schreiben, das der „Krone“ vorliegt.(Bild: Krone KREATIV)

Was kostet das Projekt »Uniform neu«?
Schrittwieser: Das kann man nicht genau sagen, das ist ein laufender Prozess.

Es muss doch Kalkulationen im Vorfeld gegeben haben?
Schrittwieser: Wir haben dem Land damals bekanntgegeben, dass das Projekt zwei bis drei Millionen Euro kostet. Man muss sich das als laufenden Prozess vorstellen: Wir bestellen zuerst einmal ein paar Uniformen, dann bestellen wir die nächsten. Jeder Bezirk macht nicht gleich mit etc.
Schellnegger: Momentan stehen wir bei den Gesamtkosten bei etwa 2,5 Millionen Euro.

Das Rote Kreuz hat eine Sonderförderung über zwei Millionen Euro vom Land erhalten. Wer war die förderauszahlende Stelle? Und war diese Summe an verschriftlichte Auflagen gebunden – Stichwort Sparsamkeit und Bestbieterprinzip?
Schellnegger: Von der Fachabteilung für Katastrophenschutz.

Gab es Auflagen?
Schrittwieser: Nein. Aber natürlich wurde mit uns besprochen, dass das passen muss.
Schellnegger: Bei jeder Subventionierung seitens der öffentlichen Hand sind wir dazu verpflichtet, die Verwendung nachzuweisen. Das ist in puncto Uniformen bereits passiert, Rechnungen wurden übergeben.

Gab es in diesem Bestellprozess Naheverhältnisse zum Auftragnehmer – und wurden diese offengelegt?
Schrittwieser: Das kann ich mir nicht vorstellen.
Schellnegger: Es gibt im Rahmen von Landesgeschäftsführer-Zusammenkünften natürlich auch Austausche, aber das betrifft alle Landesverbände.

Also hatte der ehemalige steirische Rotkreuz-Geschäftsführer, dessen Vertrag im Vorjahr nicht verlängert wurde, keine Funktion bei jenem Unternehmen, das den Auftrag erhalten hat?
Schellnegger: Nein.
Schrittwieser: Nein, das hätte er uns ja melden müssen.
(Anmerkung der Redaktion: Rotkreuz-Pressesprecher Valentin Krause übermittelte kurz nach dem Interview die Information, dass jüngste Recherchen ergeben hätten, dass besagter Geschäftsführer auch Mitglied des Kontrollbeirates von E&S war.)

Welche rechtlichen oder personellen Konsequenzen ziehen Sie, falls sich Fehler oder Unregelmäßigkeiten bestätigen?
Schrittwieser: Wenn es nachvollziehbare Unregelmäßigkeiten gibt, dann wird es die betreffende Person nicht mehr geben. Weil ich halte sicher nicht den Kopf für jemand anderen hin.

Bis wann werden alle mangelhaften Uniformen ersetzt?
Schrittwieser: Das können wir noch nicht genau sagen. Aber uns wurde versichert, dass es bereits im dritten Quartal des heurigen Jahres einen zusätzlichen Regenschutz in Form eines wetterfesten Parkas geben wird. Denn natürlich haben wir größtes Interesse daran, dass unsere Mitarbeiter bestens ausgestattet sind.

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