Abschluss mit den Teilen 4 und 5 für Lukas Kranzelbinders Fortsetzungs-Operette „Mein Lieblingstier heißt Winter“ an der Oper Graz: Die Vertonung von Ferdinand Schmalz‘ Roman ist ein auf den Punkt inszeniertes, morbides Vergnügen.
Wo begräbt man einen Kanari? Natürlich im Dinopark. Das Publikum sieht von der Bühne aus zu, wie Harald (Klemens Lendl) und Norbert (Wolfgang Wizlsperger) den kleinen roten Vogel zu Grabe tragen, hat Harald doch einmal gehört „dass sie, die Vögel, auch die letzten Artverwandten von den Urzeitechsen seien“. Es blitzt und donnert, Bäume wachsen aus den Sitzreihen.
Mit den Teilen vier und fünf endet ein Mammut-Projekt des Kärntner Komponisten Lukas Kranzelbinder auf der Bühne der Oper Graz: Er hat Ferdinand Schmalz‘ Debütroman „Mein Lieblingstier heißt Winter“ als moderne Operette vertont. Mit diesem Text gewann Schmalz 2017 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Wenn es sich auch um sein Prosadebüt handelt, funktioniert die distinktive Syntax des steirischen Dramatikers auf der Bühne natürlich ausgezeichnet.
Eine absurde Collage
Tiefkühlkost-Vertreter Franz Schlicht sucht darin nach einer gefrorenen Leiche – mehr muss man zur Handlung eigentlich gar nicht wissen, denn wer eine auserzählte Geschichte erwartet, ist fehl am Platz. Vielmehr ist „Mein Lieblingstier heißt Winter“ eine Collage aus Szenen an absurden Orten – einem Dinopark, einem Bestattungsunternehmen, einer Trabrennbahn. Die ersten drei Teile sind online frei verfügbar, aber keine Voraussetzung dafür, das Finale genießen zu können.
Alexander Charim achtet bei seiner Inszenierung genau auf Details im Text und spart nicht mit Effekten. Längen gibt es nie: Da flattern Briefe von der Decke, da essen die Sänger im Frack in einem nebeligen Swimmingpool Pastinakensuppe und tanzen wie Zombies.
Durch und durch österreichisch
Kranzelbinder beginnt Folge 4 mit einem regelrechten Musical-Banger. Zwei Gitarren bilden das musikalische Rückgrat zwischen Wienerlied, Chanson und poppigen Einflüssen. Er zitiert Leonard Cohens „Hallelujah“, der sogenannte Tiefkühlchor aus Amateuren aller Generationen singt Mozarts „Lacrimosa“. Das Ensemble rund um Tino Hillebrand als Franz Schlicht, Mathias Lodd als Ministerialrat Kerninger und Raphaela Möst als Astrid Schauer und Kanari zeigt Spitzenleistungen.
„Mein Lieblingstier heißt Winter“ ist ein Liebeslied an die Tiefkühlkost und eine Abhandlung darüber, wie wir sterben wollen. Tief verankert in Traditionen von Wienerlied und österreichischer Dramatik, ist diese Operette ein innovativer Hoffnungsschimmer für das Musiktheater – und dabei vor allem eines: irrsinnig witzig.
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