Die Mobbing-Koordinationsstelle des Landes gab jüngst bekannt, dass die Zahl der gemeldeten Fälle in Vorarlberg rückläufig sei. Die Neos wollten das nicht so recht glauben und haben eine Landtagsanfrage eingebracht. Nun liegen die Antworten vor.
In jüngerer Vergangenheit sind in Vorarlberg gleich mehrere Mobbingfälle publik geworden, insbesondere das Schicksal von Luca aus Gisingen – die „Krone“ berichtete – hat viele Menschen bewegt. Doch ist am Ende die Situation an Vorarlbergs Schulen nur halb so schlimm? Das lassen zumindest die offiziellen Zahlen zum Thema Mobbing vermuten. Im Schuljahr 2022/23 hatte die in der Bildungsdirektion angesiedelte Koordinationsstelle noch 222 Konfliktanfragen verzeichnet, 2025 waren es lediglich 96, wobei letztlich nur 14 Meldungen als Mobbing eingestuft wurden.
Eine Statistik, die viele Fragen aufwirft
Eine Statistik, die Fragen aufwirft und womöglich das wahre Ausmaß von Mobbing an den Schulen verschleiert. Das könnte nicht zuletzt auch an der neuen Praxis liegen, dass Mobbingfälle erst dann der Koordinationsstelle gemeldet werden, wenn die internen Lösungsversuche an den Bildungsstätten erfolglos geblieben sind. Bei den Vorarlberger Neos hat die scheinbar gute Nachricht jedenfalls die Alarmglocken läuten lassen. Also haben die Pinken eine Landtagsanfrage eingebracht, in welcher sie etwa wissen wollten, ob die Zahl der Mobbingfälle tatsächlich gesunken ist oder der Rückgang nicht eher mit der veränderten Methodik zu tun habe.
Mobbing: Genaue Zahlen liegen nicht vor
Nun erfolgte die Beantwortung der zuständigen Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink. Und diese lässt durchaus aufhorchen: Die genaue Zahl der Mobbingfälle könne nicht erhoben werden, so Schöbi-Fink: „Von den vorherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt nur die zusammenfassende Darstellung in den Jahresberichten vor. Aus diesem Grund ist eine genauere vergleichende Analyse nicht möglich.“ Im Übrigen bestehe für die Schulen keine Meldungspflicht: „Im Sinne der notwendigen Abstimmung und Vermeidung von Doppelgleisigkeiten sind die Schulleitungen aber angehalten, Mobbingvorfälle der Koordinationsstelle zur Kenntnis zu bringen.“
Für jede große Schule ein Schulsozialarbeiter
Zugleich verwies die Bildungslandesrätin allerdings darauf, dass man in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Ressourcen an den Schulen zur Mobbingbekämpfung ausgebaut habe. So sei die Zahl der Schulsozialarbeiter von 22 Vollzeitäquivalenten im Schuljahr 2023/24 auf nunmehr 36,5 angewachsen, im kommenden Schuljahr sollen es dann 40 sein. Ziel sei es, dass ab Herbst an allen größeren Pflichtschulen ein Schulsozialarbeiter anwesend ist, kleinere Standorte sollen je nach Bedarf einen solchen anfordern können.
Suspendierungen nur das „letzte Mittel“
Die Neos wollten weiters in Erfahrung bringen, welche Sanktions- und Ordnungsmaßnahmen die Schulen gegenüber Schülerinnen und Schülern, die durch Mobbing auffallen, haben. Schöbi-Fink verweist in diesem Zusammenhang auf eine breite Palette an Maßnahmen, die je nach Einzelfall gesetzt werden können. Dazu gehörten die Verhaltensnote, die Kontaktaufnahme mit den Erziehungsberechtigten sowie der Einsatz diverser Erziehungsmittel (Verwarnung, Zurechtweisung, belehrendes Gespräch usw. sowie die Versetzung in Parallelklassen oder die Androhung des Ausschlusses). Eine Suspendierung könne dabei immer nur das letzte Mittel sein, wobei der Gesetzgeber klare Kriterien vorgebe, wann ein Ausschluss zulässig ist. Ganz so selten kommt dieses „letzte Mittel“ in Vorarlberg aber gar nicht zum Einsatz: In den vergangenen Schuljahren wurden in Summe jeweils knapp 100 Suspendierungen gezählt.
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