Die Übernahme einer Inszenierung des Theaters Biel/Solothurn machte auch in diesem Jahr eine Oper am Kornmarkt in Bregenz (Vorarlberg) möglich. Am Programm stand „Herzog Blaubarts Burg“.
Die Musikfreunde der Region waren enttäuscht, als bekannt wurde, dass die schon traditionelle Oper im Theater am Kornmarkt als Co-Produktion des Symphonieorchesters Vorarlberg mit dem Vorarlberger Landestheater nur mehr alle zwei Jahre stattfinden würde. Umso überraschter war man, als nun doch, wie alljährlich im Frühjahr, eine Oper, nämlich Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“, angekündigt wurde. Möglich war das durch eine Übernahme einer Inszenierung aus dem Theater Biel/Solothurn, wobei nur der Dirigent und das Orchester in Bregenz andere waren, nämlich das SOV unter Yannis Pouspourikas. Bartóks farbenreiches Riesenorchester würde natürlich nie in diesen kleinen Orchestergraben passen, doch hat Eberhard Kloke eine reduzierte Partitur geschaffen, die, das sei voll Bewunderung gesagt, dem Werk kaum etwas von seiner Ausdruckskraft nimmt. Yannis Pouspourikas weiß die Klänge in der schwierigen Akustik des Hauses wohl zu dosieren, und das SOV spielt wunderbar und besticht mit zahlreichen Soli, etwa dem würdevollen Horn, der an ungarische Folklore gemahnenden Klarinette oder der wabernden Kontrabassklarinette.
Die Musik von „Herzog Blaubarts Burg“ wäre allein schon eine Aufführung wert (das SOV gab die Oper ja schon konzertant), doch auch die Inszenierung von Dieter Kaegi, dem Intendanten in Biel/Solothurn fasziniert. Bühnenbilder Francis O’Connor hat nicht das düstere Innere einer Burg gebaut, wie es das originale symbolistische Libretto von Béla Balázs verlangt, sondern einen versteckten Kellerraum, in dem Blaubart seine Judith eingesperrt hat. Wer nun an Natascha Kampusch denkt, liegt richtig. Ihr Schicksal und ähnliche weitere sollen Kaegi zu dieser Deutung inspiriert haben. Und wie es bei Blaubart und Judith war, dass Liebe und Hass nah beieinander liegen, so war dies ja auch in den aktuellen Fällen. Kaegis Blaubart ist ein sympathischer Typ in beiger Cordhose, ärmellosem Pulli und zart geränderter Brille. Und wenn er sich mit Judith zum durchaus einvernehmlichen Sex auszieht, so sieht man, dass er Schiesser-Feinripp trägt. Auch das Verlies ist mit esoterischen Bildern freundlich gestaltet.
Judith leidet expressiv, ist aber doch auch die liebend Ergebene. Katerina Helbelkova gestaltet diesen komplexen Charakter darstellerisch faszinierend und verleiht ihm stimmlich dramatische Ausdruckskraft – eine Glanzleistung. Micha Schelomianski ist, etwa mit seinem Folter-Werkzeugkasten, bedrohlich, aber auch weich. Seine Bassstimme klingt fantastisch. Etwas rätselhaft bleibt die Rolle des Beobachters beziehungsweise Polizeikommissars, den Christian Manuel Oliveira gibt.
Eine überzeugende, zeitgemäße Deutung des alten Sagenstoffes von Blaubart, die allerdings dessen Grundfrage, wie sehr man berechtigt ist, das Innere eines Menschen zu erfragen, unberücksichtigt lässt. Weitere Aufführungen noch bis 29. März.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.