Über 60 Fußballfans des SK Rapids und der Austria Wien stürmten beim 343. Wiener Derby am 22. September 2024 das Feld im Weststadion. Die Szenen sind erschreckend – es fliegen Bengalos, Polizisten werden verletzt. 22 Anhänger beider Fanlager sitzen im Landl jetzt auf der Anklagebank. Es dauert nicht lange, bis erste Diversionen ausgesprochen werden.
Selten sitzen Rapidler und Austrianer so friedlich nebeneinander wie auf der Anklagebank im Wiener Landesgericht. Wo zum Prozessauftakt 22 Anhänger beider – bekannterweise stark verfeindeten – Vereine Schulter an Schulter sitzen. Es geht um den Platzsturm am 343. Wiener Derby im Weststadion am 22. September 2024. Die Staatsanwältin spricht von „kriegsähnlichen Zuständen“.
Pyrotechnische Gegenstände flogen
Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff eskalierte die Situation. Nach dem 2:1-Sieg von Rapid flogen Gegenstände vom Austria-Sektor in Rapids Familiensektor. Von der Polizei gab es keine Reaktion. Wenig später stürmten Fans beider Lager den Platz, es flogen pyrotechnische und andere Gegenstände, es kam auch zu Handgreiflichkeiten.
Hier sitzt eine Gruppe großteils unbescholtener Menschen und nicht die typischen Hooligans.
Verteidigerin der 15 Austria-Anhänger
Die meisten der Männer zwischen 20 und 62 Jahren geben ihre Beteiligung zu. Die Verteidigerin der 15 angeklagten Austria-Fans plädiert: „Hier sitzt eine Gruppe großteils unbescholtener Menschen und nicht die typischen Hooligans.“ Es sei ein „unkoordiniertes und nicht geplantes Vorgehen“ gewesen.
Polizisten erlitten Gehörverlust und Zahnabsplitterung
Bei dem jedoch mehrere Zuschauer und auch Polizisten verletzt wurden. Ein Beamter erlitt einen Gehörverlust, ein anderer Absplitterungen der Zähne. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern besonders schwere gemeinschaftliche Gewalt und teilweise versuchte schwere Körperverletzung vor.
Da war lange weit und breit kein Polizist. Das war wirklich ein Desaster.

Anwalt Werner Tomanek kritisiert auch die Polizei
Bild: Gerhard Bartel
Anwalt Werner Tomanek, er ist selbst Mitglied des SK Rapids und war auch bei dem gegenständlichen Spiel anwesend: „Wir brauchen inhaltlich nicht darüber diskutieren, was da passiert ist. Aber so ein Multiorganversagen habe ich noch nie erlebt.“ Er spricht von der verspäteten Reaktion der Beamten. „Da war lange weit und breit kein Polizist. Das war wirklich ein Desaster.“ Er verteidigt den erstangeklagten Ordner, der 26 Jahre als Fan-Beauftragter bei Rapid angestellt war.
Ehemaliger Fanbeauftragter bekommt Diversion
Vor dem Schöffensenat sagt der 48-Jährige: „Ich hab‘ ein paar hundert Spiele besucht und deeskalierend im Einsatz gewesen.“ Wie viele andere hat er jetzt jedoch jahrelang Stadionverbot. Im Prozess kommt er aber glimpflich davon – als erster erhält er eine Diversion: Er muss Schadenswiedergutmachung zahlen und erhält auch ein gerichtliches Platzverbot.
Und nur Minuten später erhält der nächste eine Diversion. Sechs weitere Fans müssen Schadensersatz zahlen und erhalten ein Platzverbot für Fußballspiele der ersten und zweiten Liga, des ÖFP-Cups, Freundschaftsspiele und mehr. Gegen die restlichen 14 Männer wird vertagt. Es sind Prozesstermine bis April angesetzt.
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