Irritierende Bilder

Krieg als Meme: Expertin warnt vor Bullshit-Kultur

Digital
14.03.2026 11:39
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit martialischen Videos und an Videospiele erinnernden Bildern kommentiert das Weiße Haus derzeit US-Angriffe auf iranische Ziele in sozialen Medien. Die ungewöhnliche Inszenierung sorgt für Kritik. Medienethikerin Claudia Paganini sieht darin mehr als nur schlechten Geschmack.

„Undefeated“, also unbesiegt, titelte der offizielle X-Account des Weißen Hauses jüngst in einem Beitrag. Dazu folgte ein Video mit Szenen aus Videospielen, vermischt mit mutmaßlich echten Aufnahmen von US-Attacken auf iranische Infrastruktur. Ein anderes, mit „Strike“ betiteltes Video – offenbar ein KI-Produkt – soll wohl das iranische Regime als Bowlingpins zeigen, die von einer Kugel im Dress der US-Flagge abgeräumt werden – samt Explosionen und Partymusik.

Die Art und Weise, mit der die US-Regierung von Donald Trump derzeit die Angriffe auf den Iran kommuniziert, sorgt bei vielen für Kopfschütteln. Die Medienethikerin Claudia Paganini erkennt dahinter aber ein tieferes System. „Im ersten Moment fühlen sicher viele Menschen eine gewisse Abscheu oder Irritation. Schließlich geht es um Leben und Tod“, sagte die Expertin der Universität Innsbruck der Katholischen Nachrichtenagentur.

Allerdings werde damit die auf Aufmerksamkeit und Klicks basierende Logik der Plattformen bedient. „Das verändert, wie die Öffentlichkeit den Krieg wahrnimmt.“

Ethikerin: Staat ist kein Influencer
Besonders gravierend sei es, wenn solche Posts von staatlichen Institutionen abgesetzt würden, von denen die Menschen Glaubwürdigkeit und eine gewisse Würde erwarteten. „Ein Staat darf nicht kommunizieren wie ein Influencer“, betonte die Theologin. „Wenn eine offizielle Stelle wie ein Troll-Account auftritt, beschädigt das nachhaltig ihre Glaubwürdigkeit.“

Gleichzeitig steckt aus Sicht der Ethikerin hinter den von Trump und seinem Team abgesetzten Beiträgen auch eine Ablenkungsstrategie. „Wenn Menschen an ihrer eigenen Fähigkeit verzweifeln, Wahrhaftigkeit zu erkennen, ziehen sie sich eher ins Private zurück.

Dadurch schwindet nicht nur ihr gesellschaftliches Engagement, sie sind auch leichter empfänglich für Manipulationen.“ Dem US-Präsidenten, der sich weiterhin mit großen innenpolitischen Problemen konfrontiert sieht, könne das gelegen kommen.

Warnung vor „Bullshit“-Kultur
Paganini warnt in diesem Zusammenhang vor einer wachsenden „Bullshit“-Kultur auf sozialen Medien, einer Darstellung von wichtigen und komplexen Inhalten, bei der Wahrheit und Realität keine Relevanz mehr haben. Davon gehe eine Gefahr für die Gesellschaft aus.

Paganini: „Wenn das so massiv wird, wird es für die Konsumentinnen und Konsumenten immer schwieriger, zwischen relevanten Informationen und eben ,Bullshit‘ zu unterscheiden. Für eine funktionierende demokratische Gesellschaft brauchen wir aber ein Mindestmaß an verlässlicher Kommunikation.“

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