Milo Rau angeklagt

Schadenersatz für Strache auch von den Festwochen

Gericht
13.03.2026 16:15

Der Strafprozess gegen Heinz-Christian Strache in der Spesencausa wurde verschoben. Im Gericht ist der frühere Vizekanzler aber trotzdem ausgesprochen umtriebig – als Privatankläger. Diesmal muss Festwochen-Intendant Milo Rau sein Geldbörserl öffnen.

„Ich hab noch ein Programmbuch von den Festwochen mit. Vielleicht sollten wir ihm das mitgeben“, sagt Milo Rau, nachdem klar wurde, dass ein Vergleich zustande kommen wird. „Handsigniert, als Erinnerung an die Verhandlung“, ergänzt dessen Anwalt Wolfgang Renzl. – „Was macht Herr Strache mit dem Programm der Wiener Festwochen? Er ist ja gar nicht da“, drängt Richterin Nicole Baczak auf Sachlichkeit.

Verhängnisvolle Aussagen in Interview
Der Intendant der Wiener Festwochen, der mit Entourage zum Prozess kam, musste im Wiener Landesgericht vor der Strafrichterin Platz nehmen. Privat angeklagt von Ex-Vizekanzler Strache wegen getätigter Aussagen in einem Interview mit Elfriede Jelinek im Dezember 2024, das auf der Festwochen-Homepage veröffentlicht wurde. „FPÖ-Extremist Strache“ würde morgens „Gebt Gas, ihr Germanen, wir schaffen die siebte Million“ singen, tönte Rau darin. Strache selbst erschien nicht bei Gericht, er war auch nicht geladen.

Zitat Icon

Das ist dermaßen ehrrührig und kreditschädigend.

Anwalt Maximilian Donner-Reichstädter

„Das ist dermaßen ehrrührig und kreditschädigend“, eröffnet Straches Anwalt Maximilian Donner-Reichstädter, „die Passage suggeriert, mein Mandant würde die Opfer des Holocausts verhöhnen.“ Strache habe sich im Zuge der Liederbuchaffäre im Jahr 2018 deutlich distanziert. „Hier wurde eine Nähe suggeriert, die es nicht gibt.“

Doch zu Vergleichsgesprächen bereit
Raus Anwalt spricht indes davon, dass es sich um eine „Verwechslung“ handle, die der Schweizer zu verantworten habe. Renzl bezeichnet Strache in der Verhandlung als „aufrechten rechten Recken.“ Und weiter: „Er hat selbst in seiner politischen Karriere zu verantworten, dass er mit einem Nationalsozialisten verwechselt wurde.“ Weil es aber nicht nachweisbar sei, dass Strache ein Antisemit sei und auch nicht, dass er dieses Lied singt, sei man zu Vergleichsgesprächen bereit. 

„Wir haben das lange versucht, sind aber bis dato gescheitert. Es gab im Vorfeld weder ein Vergleichsangebot, noch wurde Bereitschaft für einen solchen signalisiert“, ist Donner-Reichstädter überrascht. Trotzdem raufen sich die beiden Anwälte zusammen und formulieren gemeinsam den Vergleich. Die Festwochen zahlen Heinz-Christian Strache 4000 Euro für den immateriellen Schaden, Milo Rau übernimmt die Verfahrenskosten in Höhe von 2500 Euro. Zudem entschuldigt sich der Künstler für die Äußerung, wobei er mit dem Wort „Entschuldigung“ generell nicht glücklich ist. „Das ist linguistisch problematisch.“ Denn man müsse entschuldigt werden und das sei nicht möglich, weil das Gegenüber nicht da sei, um die Entschuldigung anzunehmen. Dass Strache nicht kam, findet Rau „schade“. 

Zitat Icon

Avantgardistisches Tanztheater könnte ihn interessieren.

Milo Rau rechnet mit Straches Besuch bei den Festwochen.

Erfreulicher Ticketverkauf
Die Zeit, während die Anwälte am Vergleich feilten, nutzte der 49-Jährige für ein Gespräch mit der Richterin über die diesjährigen Wiener Festwochen. „Der Ticketverkauf läuft so gut wie noch nie“, offenbart er Frau Rat, die wiederum kundtat, seine letzte Inszenierung im Burgtheater besucht zu haben.

Beim Verlassen des Saales meinte ein offensichtlich erleichterter Rau: „Vielleicht ergattert Strache ja auch noch Tickets für die Festwochen.“ Und sprach dabei auch gleich eine Empfehlung aus. „Avantgardistisches Tanztheater könnte ihn interessieren.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt