Das Wohnen und gerechte oder ungerechte Gebühren – dieses Thema ist offenbar immer für Emotionen gut: Ein Tiroler beklagte die binnen drei Jahren um 160 Prozent explodierte Freizeitwohnsitzpauschale für sein kleines Häuschen, das er nur sporadisch nutzt. Viele reden nun mit.
Dieses Thema rund um Wohnen und Gebühren polarisiert: Hunderte Leser reagierten auf den „Krone“-Bericht auf Ludwig Hechenblaikner (79) aus Reith im Alpbachtal. Der Unternehmer hatte angeprangert, dass die Freizeitwohnsitzpauschale für sein Häuschen in Wörgl, das er selbst nutzt und das irgendwann für die Enkel gedacht ist, regelrecht explodierte – von 240 Euro auf nun 624 Euro jährlich.
Unternehmer kann es sich leisten
„Luxus kostet eben! Ein Unternehmer, der wegen ein paar hundert Euro jammert, keine echten Probleme?“, hat User Hazelmaus wenig Mitleid. „Das wurde jahrelang angekündigt und war auch richtig gegen illegale Vermietungen“, pflichtet User policeinaustria bei.
„Abzocke“ als häufiger Vorwurf
Viele andere Leser sprechen hingegen von einer „Hexenjagd auf Zweitwohnsitzler“ (User SvejkJosef), oft kommt bei den Reaktionen das Wort „Abzocke“ vor. Solche Menschen wie Herr Hechenblaikner, so lautet etwa eine Stoßrichtung, hätten ihr ganzes Leben gearbeitet und in die Staatskassen eingezahlt. Von dem, was netto übrig bleibt, sei dieser Hauskauf getätigt worden – nur, um erneut eine Lawine an Abgaben berappen zu müssen.
„Es geht um die überzogene Erhöhung“
User JGLL meint: „Ich denke, es geht hier nicht darum, dass sich dieser Herr die ca. 50 Euro im Monat nicht leisten kann, sondern um die überzogene Erhöhung von 160 Prozent in drei Jahren.“ Userin Enabled-mammoth25 will selbst Widerstand leisten: „Im Landtag habe ich eine Petition gegen die Freizeitwohnsitzpauschale laufen, die könnte gerne unterstützt werden.“ (Anmerkung: Petition unter „Freizeitwohnsitzpauchale“).
User BoomerGrantler spricht von „Absurdistan“, wenn man in den eigenen vier Wänden „Tourist“ sei und für 40 m² gleich viel wie für 100 m² zu zahlen sei. Meinungen, wonach sich ein Unternehmer die Pauschale ja locker leisten könne, begegnet User WerWeissWas: „Es wird immer schwieriger, sein kleines Glück zu bekommen.“
Opposition gegen die Pauschalgebühr für Einheimische
Auch die Tiroler Opposition ist mit dieser Gebührenerhöhung für Einheimische wie Ludwig Hechenblaikner nicht einverstanden. Markus Sint (Liste Fritz): „Ich habe bereits zwei Mal im Tiroler Landtag eine Änderung dieser widersinnigen Regelung beantragt, beide Male haben die Regierungsparteien eine Lösung abgelehnt.“
Ich habe bereits zwei Mal im Tiroler Landtag eine Änderung dieser widersinnigen Regelung beantragt.

Markus Sint, Liste Fritz
Bild: Christof Birbaumer
Die Betroffenen würden laut Sint dreifach abkassiert – als Steuerzahler, über die Freizeitwohnsitzabgabe an die Gemeinde und über die Freizeitwohnsitzpauschale an den Tourismus. „Das ist unverschämt, ungerecht und unsinnig. Illegale Freizeitwohnsitze gehören streng kontrolliert und bestraft. Wer aber einen legalen Freizeitwohnsitz in Tirol hat, wer einen Hauptwohnsitz in Österreich hat und hier Steuern zahlt, der soll diese Freizeitwohnsitzpauschale an den Tourismus nicht zahlen müssen.“
Grüne: Verkehrswert wäre die korrekte Basis
Gebi Mair, Klubobmann der Grünen, sieht das ähnlich: „Ich verstehe den Ärger von Herrn Hechenblaickner total. Denn die Freizeitwohnsitzabgabe ist ungerecht gestaffelt. Eigentlich sollte sie nicht nur nach Quadratmetern berechnet werden, sondern vor allem nach dem Verkehrswert. Millionenteure Luxus-Freizeitwohnsitze sollten deutlich mehr zahlen, einfache und ältere Wochenendunterkünfte von Einheimischen weniger.“
Eigentlich sollte die Freizeitwohnsitzpauschale nicht nur nach Quadratmetern berechnet werden, sondern vor allem nach dem Verkehrswert.
Gebi Mair, Grüne
Während die Landesregierung bei den Einheimischen streng und bei den betuchten Reichen lax sei, sprechen sie die Grünen für „Fairness“ aus. Luxus-Freizeitwohnsitze, die vor allem zur Gewinnmaximierung gekauft und verkauft werden, müssen anders behandelt werden und sollen auch ordentlich besteuert werden. Außerdem sollte das Geld in leistbares Wohnen für die Tiroler:innen fließen – und nicht zu den Tourismusverbänden.
Wer hier lebt, arbeitet und Steuern zahlt, finanziert touristische Infrastruktur längst mit

Bild: Neos
Neos: Wer hier lebt und arbeitet, zahlt für Tourismus längst mit
Auch Neos-Mandatarin Susanna Riedlsperger denk ähnlich: „Wer hier lebt, arbeitet und Steuern zahlt, finanziert touristische Infrastruktur längst mit und darf nicht durch die Pauschale zusätzlich zur Kasse gebeten werden.“
Eine über 160-prozentige Erhöhung binnen drei Jahren sprenge jedes Maß. Einheimische seien keine Touristen im eigenen Land, die die bereits üppig ausfinanzierten TVB finanziell zusätzlich stützen müssten.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.