UNO und OSZE:
Schwere Verstöße gegen Menschenrechte in Ukraine
Vor allem schwer bewaffnete Regierungsgegner seien in Gewaltexzesse wie Mord, Folter, Misshandlungen und Entführungen verwickelt, erklärte UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay in Kiew. Auch die OSZE legt prorussischen Aktivisten schwere Verbrechen zur Last.
Russland wies die Vorwürfe scharf zurück und warf den Vereinten Nationen Parteilichkeit vor. "Das Papier hat wenig mit der wirklichen Lage der Dinge in der Ukraine zu tun", erklärte das Außenministerium in Moskau. Der UNO-Bericht rechtfertige einseitig die Position der "Kiewer Junta", die prorussischen Kräfte in der Ostukraine dagegen würden verteufelt. Damit werde das Neutralitätsprinzip der UNO verletzt.
UNO rügt auch Regierung in Kiew
Allerdings listet der Bericht auch Versäumnisse ukrainischer Behörden auf und fordert die Regierung in Kiew zur Einhaltung internationaler Standards auf. Zuvor hatte schon die OSZE schwere Menschenrechtsverletzungen prorussischer Aktivisten kritisiert. Opfer der Gewalt seien vor allem Anhänger der Regierung in Kiew, Journalisten, Krimtataren und ukrainische Soldaten, heißt es in einem Expertenbericht.
Die Situation der Krimtataren sehen die Experten mit besonderer Sorge. Nach Erkenntnissen der UNO haben seit der russischen Annexion der Krim schon mehr als 7.200 Menschen die Halbinsel verlassen - vor allem Krimtataren. Auf der Krim herrsche eine "Atmosphäre der Einschüchterung", Grundrechte nichtrussischer Bürger seien bedroht, stellt die OSZE fest.
Schon 250 Tote seit Beginn der Unruhen
Insgesamt sind nach einer aktuellen UNO-Schätzung seit Beginn der Proteste im November des Vorjahres etwa 250 Menschen ums Leben gekommen. Allein 127 Tote habe man seit Beginn der "Antiterroraktion" gegen Separatisten in der Ostukraine gezählt, sagte ein UNO-Mitarbeiter am Freitag. Zurzeit würden mindestens 49 Menschen von bewaffneten Gruppen festgehalten, Dutzende würden vermisst.
Ein Ende der Unruhen ist weiter nicht in Sicht: Am Freitagabend übernahmen prorussische Separatisten die Kontrolle über eine Kaserne der ukrainischen Nationalgarde in der Großstadt Donezk. Die bewaffneten Männer betraten den Stützpunkt der Spezialkräfte des Innenministeriums und verkündeten anschließend dessen Besetzung, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
"Wir kontrollieren die Basis", sagte einer der Separatisten am Eingang zu dem Gelände. Die ukrainischen Soldaten leisteten allem Anschein nach keinerlei Widerstand und verließen die Kaserne wenig später auf Lastwagen.
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