Rechnungshof-Kritik:

Milliarden-Umsätze im Online-Handel kaum geprüft

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13.02.2026 11:42
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Online-Handel boomt, doch die Steuerkontrolle hinkt hinterher. Das kritisiert der Rechnungshof in einem am Freitag veröffentlichten Bericht. Während Österreich 2023 rund 1,26 Milliarden Euro Umsatzsteuer von ausländischen Händlern einnahm, blieben deren Umsätze fast ungeprüft. Bei 148.000 Firmen gab es bis Jänner 2025 nur 20 abgeschlossene Außenprüfungen.

Die Prüfer zeichnen ein drastisches Bild der Diskrepanz zwischen Einnahmen und Kontrolle. Österreich profitierte zwar massiv vom E-Commerce und verzeichnete 2023 die fünfthöchsten Umsatzsteuerzahlungen aus dem EU-Ausland. Doch dem Geldfluss steht laut Rechnungshof keine adäquate Überwachung gegenüber. Das Finanzministerium habe Warnungen ignoriert und notwendige Ressourcen nicht geschaffen, um die korrekte Versteuerung sicherzustellen.

Kaum Prüfungen bei 148.000 Firmen
Besonders gravierend seien die Lücken im sogenannten One-Stop-Shop-System (OSS), über das Händler ihre Steuern zentral abwickeln. Obwohl Ende 2024 rund 148.000 Unternehmen registriert waren, um Steuern für Verkäufe nach Österreich abzuführen, waren bis Jänner 2025 lediglich 20 Außenprüfungen abgeschlossen worden. Eine automatisierte Risikoanalyse, um schwarze Schafe herauszufiltern, fehlte gänzlich.

Damit sei nicht gewährleistet, dass Österreich die ihm zustehenden Abgaben tatsächlich erhalte. Zudem entstehe eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber heimischen Händlern, die strenger kontrolliert würden, lautete die Kritik.

Sicherheitslücke bei „China-Paketen“
Ein massives Einfallstor für Betrug sieht der Rechnungshof bei Kleinsendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten (IOSS-Verfahren). Die Zahl dieser Sendungen in die EU hat im Jahr 2024 rund 4,6 Milliarden erreicht – doppelt so viel wie 2023 und dreimal so viel wie 2022. Das System sei jedoch „kaum kontrollierbar“.

Ein banaler, aber folgenschwerer Fehler begünstigt dabei Missbrauch: Die steuerlichen Identifikationsnummern (IOSS-Nummern) sind den Paketen manchmal offen lesbar aufgedruckt. Dritte könnten diese Nummern stehlen, um eigene Waren illegal steuerfrei in die EU zu schleusen.

Ein massives Einfallstor für Betrug sieht der Rechnungshof bei Kleinsendungen unter 150 Euro aus ...
Ein massives Einfallstor für Betrug sieht der Rechnungshof bei Kleinsendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten.(Bild: Andreas Tröster)

Erschwerend kommt hinzu, dass Zoll- und Steuerdaten oft nicht verknüpft sind. Ob für ein Paket die korrekte Steuer abgeführt wurde, lässt sich daher kaum überprüfen. Der Rechnungshof drängt auf EU-Ebene auf ein System, das jede Sendung eindeutig zuordenbar macht, und begrüßt den Vorstoß der EU-Finanzminister, die 150-Euro-Zollfreigrenze abzuschaffen.

Ruf nach mehr Personal
Um das „hohe Steuerausfallsrisiko“ in den Griff zu bekommen, empfiehlt der Rechnungshof dem Finanzministerium eine rasche Aufstockung des Personals sowie den Einsatz automatisierter Risikoanalysen. Es müssten dringend jene Unternehmen aufgespürt werden, die zwar Geschäfte in Österreich machen, aber gar keine Steuern abführen. Bisher verlasse man sich hier oft auf manuelle Recherchen, was angesichts der Datenmengen ineffizient sei.

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