Armee wird umgebaut

Ukraine löst legendäre Freiwilligen-Legion auf

Ukraine-Krieg
13.02.2026 13:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Sie war eines der sichtbarsten Zeichen internationaler Solidarität mit der Ukraine: die internationale Legion, gegründet in den ersten Tagen der russischen Großinvasion 2022. Nun ist sie Geschichte. Kiew hat die Einheit aufgelöst und ihre ausländischen Freiwilligen in reguläre Sturmverbände der Armee eingegliedert – eine Entscheidung, die bei manchen Kämpfern auf scharfe Kritik stößt.

Wie die britische BBC berichtet, beschloss der ukrainische Generalstab im vergangenen Jahr, alle vier Einheiten der internationalen Legion bis Ende 2025 aufzulösen. Die Entscheidung sei demnach zum Jahresende diskret bekanntgegeben worden. Teile der betroffenen Soldaten hätten bereits Wochen zuvor von ihrer Versetzung erfahren – teils mit nur kurzer Vorlaufzeit.

Überwiegend ausländische Bürger im Einsatz
Die internationale Legion war zunächst den Territorialverteidigungskräften unterstellt und später den Bodentruppen angegliedert. Sie bestand aus mehreren Bataillonen, in denen überwiegend ausländische Staatsbürger dienten. In der Frühphase des Krieges spielte sie nach Angaben ukrainischer Militärvertreter eine entscheidende Rolle, als dringend Personal und internationale Unterstützung benötigt wurden.

Die Karte zeigt den Frontverlauf im Ukraine-Krieg im Dezember 2025. Eroberte und umkämpfte Gebiete liegen vor allem im Osten und Süden der Ukraine. Vor Beginn der Invasion 2022 von Russland kontrollierte Gebiete sind Donezk, Luhansk und die Krim. Besonders umkämpfte Orte sind Kupjansk und Pokrowsk. Quelle: ISW/Critical Threats.

Inzwischen habe sich die Armee jedoch strukturell weiterentwickelt. Militärvertreter argumentieren laut BBC, dass die Integration der ausländischen Kämpfer in reguläre Sturmregimenter – die zu den kampfintensivsten Einheiten zählen – Kohäsion, Effizienz und langfristige Tragfähigkeit sichern solle. Die separate Struktur habe ihren Zweck erfüllt.

Kämpfer über plötzliche Versetzungen schockiert
Unter den betroffenen Kämpfern regt sich Widerstand. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete Anfang Februar über Kritik an der Auflösung. Björn Kallsoy, ein dänischer Freiwilliger mit dem Rufnamen „Viking“, sagte dem Blatt, viele Kämpfer seien von den plötzlichen Versetzungen schockiert gewesen. Er beklagte mangelhafte Kommunikation, sinkende Moral und schlechtere Lebensbedingungen während der Wartezeit auf neue Zuweisungen.

Die internationale Legion habe einen „sicheren Rahmen“ für ausländische Freiwillige geboten, so Kallsoy. Seit Beginn der Versetzungen seien Sorgen wegen Sprachbarrieren und ungewohnter Kommandostrukturen gewachsen.

Innovative Verteidigungstaktiken entwickelt
Auch Andrij Spiwak, Stabschef des 2. Bataillons, warnte laut „Le Monde“, dass wertvolles Fachwissen verloren gehen könnte. Die Legion sei die einzige Struktur innerhalb der ukrainischen Armee gewesen, in der alle Offiziere zweisprachig gewesen seien. Rekrutierung und Ausbildung hätten mehrsprachige Teams übernommen. Zudem habe die Einheit innovative Verteidigungstaktiken entwickelt, bei denen Drohnenoperatoren und Infanterie eng zusammenarbeiteten. Trotz Einwänden erhielt das 2. Bataillon lediglich einen befristeten Aufschub bis Mitte Februar.

An wichtigen Rückeroberungen beteiligt
Exakte Zahlen zur Stärke der Legion veröffentlichte Kiew nie. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Tausend Ausländer Dreijahresverträge unterschrieben. Die ursprünglich 2022 ins Auge gefasste Zielmarke von 20.000 Kämpfern wurde jedoch nie erreicht.

Zuletzt bestand die Legion aus vier Bataillonen mit jeweils theoretisch 400 bis 600 Soldaten. Sie war an wichtigen Gefechten beteiligt, darunter bei der Verteidigung und Rückeroberung von Teilen der Region Charkiw sowie bei Kämpfen nahe Bachmut, Wowschansk und Tschassiw Jar.

Problematisches Signal in schwieriger Phase
Laut „Le Monde“ hatten Verluste und Abgänge die Reihen bis 2025 deutlich gelichtet. Während zu Beginn des Krieges vor allem westliche Freiwillige dominierten, stellten später Südamerikaner – insbesondere Kolumbianer – das größte Kontingent.

Mehrere interviewte Legionäre warnten, die Auflösung sende ein problematisches Signal in einer Phase akuten Personalmangels und angesichts eines anhaltenden russischen Angriffskrieges. Die ukrainische Militärführung hingegen hält die Integration in reguläre Strukturen für notwendig, da sich der Konflikt inzwischen im vierten Jahr befindet und eine nachhaltige Organisation der Streitkräfte erforderlich sei.

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