Grubenunglück

So qualvoll starben die Kumpel in der Zeche

Ausland
15.05.2014 16:54
Die Türkei steht nach dem Grubenunglück in Soma mit mehr als 280 Toten unter Schock: Während es am Ort der Katastrophe am Donnerstag zu herzzerreißenden Szenen gekommen ist, als Familien tote Minenarbeiter beerdigten, sind auch neue Details zum furchtbaren Todeskampf der eingeschlossenen Kumpel bekannt geworden. 14 Männer hätten laut der Nachrichtenagentur Dogan in dem einzigen Schutzraum der Zeche Zuflucht gesucht, wo sie schließlich qualvoll erstickten.

Das Grubenunglück vom Dienstag ist das schwerste in der Geschichte der Türkei. Es ist zugleich das schlimmste weltweit seit fast 40 Jahren. Wie viele Bergleute noch in der Zeche eingeschlossen sind, ist unklar. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben der Regierung zuletzt auf 282.

Retter fanden Leichen übereinanderliegend
Zwei Tage nach der verheerenden Katastrophe kommen auch immer mehr Details über das tragische Schicksal der Bergleute ans Licht: So habe es der Nachrichtenagentur zufolge in der Zeche in Soma für 6.500 Kumpel nur einen einzelnen Schutzraum gegeben. In dem nur fünf Quadratmeter großen Raum hätten sich die 14 Kumpel an den Masken abgewechselt, bis der Sauerstoff aufgebraucht gewesen sei. Dann seien sie erstickt. Die Retter hätten die 14 Leichen übereinanderliegend gefunden.

In Soma wurden unterdessen viele der getöteten Kumpel beerdigt. Mit Hilfe von Freiwilligen seien mehr als 200 Gräber ausgehoben worden, sagte ein Totengräber auf dem Friedhof des Ortes. Ein dpa-Reporter berichtete, mehrere Beerdigungen hätten am Donnerstag parallel stattgefunden. Zeitgleich wurden mehrere Reihen neuer Gräber gegraben. Auf Bildern sind weinende Angehörige kniend vor den Gräbern ihrer Liebsten zu sehen.

Präsident Gül: "Es ist ein großer Schmerz"
Am Donnerstag besuchte auch Staatspräsident Abdullah Gül den Ort der Tragödie. Er versprach angesichts der massiven Kritik an der Regierung rasche Aufklärung. "Die Untersuchungen haben schon begonnen", betonte Gül nach einem Besuch an der Unglückszeche. "Sie werden mit großer Sorgfalt weitergeführt." Zugleich sprach er den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Es ist ein großer Schmerz, und es ist unser aller Schmerz."

Erdogan: "Solche Unfälle passieren ständig"
Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in seinem Land nach einem Besuch am Katastrophenort heruntergespielt. "Solche Unfälle passieren ständig", sagte er. "Ich schaue zurück in die englische Vergangenheit, wo 1862 in einem Bergwerk 204 Menschen starben."

Berater des Premiers tritt auf Demonstranten ein
Als die Emotionen dann naturgemäß hochgingen und Erdogan kurzfristig vor den wütenden Menschen in einen Supermarkt hatte flüchten müssen, legte einer seiner engsten Berater noch nach, indem er auf einen ohnehin bereits auf dem Boden liegenden Mann mit Füßen eintrat (siehe Story in der Infobox). Bilder der brutalen Szene verbreiteten sich rasend schnell im Internet und heizen den Hass auf die Regierung noch weiter an.

Die größte Gewerkschaft des Landes rief zum Generalstreik auf. Und nach den Demonstrationen in der Nacht auf Donnerstag sammelten sich in vielen Städten wieder die Massen. Die Gewerkschaften kritisieren, es habe sich bei dem Grubenunglück nicht um einen Unfall, sondern um "Mord" an den Arbeitern gehandelt.

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