Amazon will heuer deutlich mehr Geld in den Bau von Rechenzentren und die Entwicklung von KI-Chips stecken als bisher angenommen. Nach dieser Ankündigung ist der Aktienkurs in den Keller gerasselt, die Investoren sind offenbar gestresst – doch wieso?
Die Zahlen für das vergangene Quartal sind gut ausgefallen. Der Umsatz ist überraschend deutlich gestiegen und der Gewinn war so hoch wie erwartet. Trotzdem verkauften die Anleger die Amazon-Aktie. Im nachbörslichen Handel an der Wall Street am Donnerstag fiel sie um mehr als elf Prozent. Das liegt vor allem an einer überraschenden Ankündigung des Konzerns.
Insgesamt 200 Milliarden Dollar – umgerechnet rund 170 Milliarden Euro – will Amazon heuer noch für Investitionen in die Hand nehmen. Das ist deutlich mehr als von den Analysten erwartet, sie haben mit Investitionsausgaben von umgerechnet knapp 123 Milliarden Euro gerechnet.
Doch Amazon hat Großes vor: Man plane neue Rechenzentren und die Entwicklung von KI-Chips sowie Kommunikationssatelliten, zählt Konzernchef Andy Jassy auf. Der Großteil der Investitionen geht an AWS, die Cloud-Sparte von Amazon.
Amazon-Chef: „seltene Gelegenheit“
Die unerwartet hohen Investitionen beunruhigen die Investoren allerdings, denn wenn die Investitionen steigen, sollte ihrer Meinung nach auch der Umsatz oder der Gewinn steigen. Aktuell sieht es nicht so aus, als ob AWS das schaffen würde. Die Investitionen werden um 55 Prozent höher sein als der gesamte Jahresumsatz von AWS, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Doch Amazon-Chef Jassy lässt sich davon nicht einschüchtern. „Ich bin der Ansicht, dass dies eine außergewöhnlich seltene Gelegenheit ist, die Größe von AWS und Amazon insgesamt nachhaltig zu verändern“, ist er überzeugt.
Dabei zeigt die Erfahrung, dass die Anleger solche Investitions-Ankündigungen alles andere als gelassen aufnehmen. Die Google-Mutter Alphabet, der Softwarekonzern Microsoft und der Facebook-Betreiber Meta hatten in den vergangenen Wochen ebenfalls angekündigt, deutlich mehr in KI-Infrastruktur investieren zu wollen. Die Anleger reagierten aber nur dann positiv auf die Nachrichten, wenn gleichzeitig auch der Umsatz oder Gewinn kräftig gestiegen ist.
AWS ist zwar stärker gewachsen als in den vergangenen 13 Quartalen – allerdings hat die Konkurrenz noch stärker zugelegt. Die Cloudsparte von Amazon wuchs um 24 Prozent, was deutlich hinter den 48 Prozent von Alphabet und 39 Prozent von Microsoft liegt.
Kritik von Experten
Auch die Experten sind enttäuscht. „Wir hatten auf ein fortgesetztes starkes Gewinnwachstum gesetzt, aber das ist hier einfach nicht der Fall“, kritisiert Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus. „Dem Markt missfällt, dass für derartige Wachstumsraten erhebliche Summen investiert werden.“ Denn im laufenden Quartal peilt Amazon ein Betriebsergebnis von 16,5 bis 21,5 Milliarden Dollar an – Analysten hatten mit mehr gerechnet.
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