London warnt:

Syrien hat noch genügend Chemikalien für Giftgas

Ausland
08.05.2014 21:16
Rund 92 Prozent aller syrischen Chemiewaffen sind nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen aus dem Bürgerkriegsland abtransportiert oder vernichtet worden. "Wir haben bedeutende Fortschritte gemacht", sagte die UNO-Sonderbeauftragte für die Operation, Sigrid Kaag, am Donnerstag in New York. Dennoch warnt die britische Regierung: Es gebe noch genügend Chemikalien für zahlreiche weitere Giftgasattacken.

Das Problem sei, dass die restlichen acht Prozent wegen der Kämpfe im Land derzeit nicht zugänglich seien, so die UNO-Sonderbeauftragte. "Syrien muss diese Aufgabe komplett erfüllen. Wir brauchen diesen finalen Schub", forderte Kaag. Sobald die Waffen zugänglich gemacht würden, dauere ihr Abtransport weniger als eine Woche. "Die Schiffe warten."

C-Waffen-Angriff von August 2013 "noch viele Male möglich"
Allein in einer nicht näher definierten Anlage in Syrien würden laut dem stellvertretenden britischen Gesandten bei der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) noch rund 1.000 Tonnen an Chemikalien gelagert. Das reiche aus, um den verheerenden Chemiewaffenangriff in einem Vorort von Damaskus im August 2013 "noch viele Male zu wiederholen", heißt es in dem Schreiben der Briten, von dem der Nachrichtenagentur AFP eine Kopie vorlag.

Bei dem Angriff am 21. August 2013 waren etwa 1.400 Menschen getötet worden. Der Westen machte die Truppen von Syriens Präsident Bashar al-Assad dafür verantwortlich, die syrische Regierung wiederum die Rebellen. Nachdem die USA Damaskus mit einem Militäreinsatz drohten, stimmte Assad der Vernichtung des kompletten syrischen Giftgasarsenals zu. Gemäß des vereinbarten Zeitplans soll die Zerstörung der gefährlichen Kampfstoffe am 30. Juni abgeschlossen sein.

Mitte April gab es jedoch Berichte über einen neuen Giftgaseinsatz in der Kleinstadt Kafarsita. Zur Klärung der Fakten schickte die OPCW in der vergangenen Woche Experten nach Syrien. Die US-Regierung geht nach eigenen Angaben Hinweisen auf den Einsatz einer "giftigen Industriechemikalie, wahrscheinlich Chlor" nach. Die Vernichtung von Chlorgas, das in der Regel für industrielle Zwecke eingesetzt wird, ist nicht Bestandteil der Chemiewaffen-Vereinbarung mit der syrischen Führung.

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