NATO-Chef "blind"

Ukraine: Moskauer Raketentest, sture Separatisten

Ausland
08.05.2014 13:27
Inmitten der Ukraine-Krise macht Russland mit einem brisanten militärischen Test von sich reden: Eine mit Atomsprengköpfen bestückbare Interkontinentalrakete vom Typ Topol-M sei vom Weltraumbahnhof Plessezk in Nordrussland abgeschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Im Krisenland selbst hat sich die am Vortag aufgekeimte Hoffnung auf Deeskalation nicht erfüllt: Die prorussischen Kräfte beharren auf einem Unabhängigkeitsreferendum.

Neben dem vom Boden gestarteten Geschoss wurden zwei weitere Raketen von Atom-U-Booten aus abgefeuert, so das Ministerium in Moskau. Diese hätten ihre Ziele auf Truppenübungsplätzen getroffen. Außerdem seien mehrere Marschflugkörper getestet worden. Es sei eine geplante Übung unter Aufsicht von Präsident Wladimir Putin gewesen.

Russland: Ukraine zog 15.000 Soldaten an Grenze zusammen
Die ukrainische Armee blieb am Donnerstag ebenfalls nicht untätig: Laut dem russischen Verteidigungsministerium zog das Nachbarland 15.000 Soldaten an der Grenze zwischen den beiden Ländern zusammen. Am Vortag hatte Putin noch mitgeteilt, dass Russland seine Truppen von der Grenze abgezogen habe (siehe Infobox). Laut NATO und USA gibt es dafür jedoch keine Belege. Das machte NATO-Chef Anders Fogh Rasmussen (kleines Bild links) am Donnerstag erneut klar.

"Zynische Falschinformation", giftete Russlands Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow. Rasmussen sei "blind", hieß es wiederum aus dem russischen Außenministerium auf Twitter. Das stellte dieser in Abrede: "Ich habe sehr gute Augen", teilte der NATO-Chef mit. Sollte es sichtbare Zeichen eines Rückzugs russischer Truppen geben, wäre er der Erste, der das begrüßen würde.

Referendum soll trotz Putin-Appell stattfinden
Auch die prorussischen Kräfte in der Ostukraine setzten keine Zeichen der Entspannung, im Gegenteil: Sie bleiben dabei, am 11. Mai eine Abstimmung über eine Unabhängigkeit vom Mutterland abhalten zu wollen. "Das Referendum findet statt", sagte der Separatistenführer Miroslaw Rudenko. Der am Vortag geäußerte Appell von Putin, die Abstimmung zu verschieben, blieb also ohne Wirkung.

"Das ist nicht unsere Entscheidung, das ist die Entscheidung des Volkes der Region Donbass", sagte ein weiteres Führungsmitglied der moskautreuen Kräfte, Andrej Purgin. Die Bevölkerung habe nun erstmals die Chance auf eine "Heldentat" und niemand sei berechtigt, ihr diese zu nehmen. Bei dem Referendum sollen mehr als drei Millionen Einwohner der russisch geprägten Gebiete Donezk und Lugansk entscheiden, ob sie eine Abspaltung von der prowestlichen Zentralregierung in Kiew unterstützen.

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