Düstere Warnung

500.000 Kinder in Somalia an “Schwelle zum Tod”

Ausland
08.05.2014 10:50
Über 500.000 Kinder stehen wegen schwerer Unterernährung in Somalia an der "Schwelle zum Tod", warnt ein Zusammenschluss von Hilfsorganisationen. Insgesamt befinden sich demnach 2,9 Millionen Somalier in einer humanitären Krise. Zudem ist die Kinderlähmung zurückgekehrt und nur 30 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Damit steht die zweite Katastrophe innerhalb von drei Jahren an: Erst 2011 kostete eine Hungersnot in dem ostafrikanischen Land über 250.000 Menschenleben.

22 Hilfsorganisationen haben sich für den Bericht "Risk of Relapse" (Gefahr des Rückfalls) zusammengeschlossen, in dem sie sofortige Maßnahmen fordern, um Somalia aus der Krise zu führen. Beinahe ein Drittel der Bevölkerung brauche Hilfe, heißt es.

Die Zahlen sprechen für sich: 1,1 Million Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land. 2,9 Millionen Somalier befinden sich in einer humanitären Krise, 500.000 Kinder sind schwer unterernährt. Somalische Babys haben das höchste Risiko weltweit, am Tag ihrer Geburt zu sterben, ihre Mütter das zweithöchste Risiko, an diesem Tag umzukommen.

Hochgefährlich ist, dass die Kinderlähmung zurückgekehrt ist: 193 Fälle wurden allein im letzten Jahr registriert. Zudem haben nur 30 Prozent der Somalier Zugang zu sauberem Trinkwasser und weniger als einer von vier Einwohnern zu adäquaten sanitären Anlagen, was die Verbreitung von Krankheiten massiv beschleunigt.

Islamisten erschweren Hilfe massiv
Die Zahlen hätten sich im Vergleich zum Vorjahr zwar ein wenig verbessert, so die Hilfsorganisationen, darunter die britische Oxfam. Doch man habe aus der Hungerkatastrophe von 2011 gelernt, die Anzeichen einer Krise nicht zu übersehen, heißt es im Report. Erschwert wird die Situation dadurch, dass viele Somalier damals in Regionen flüchteten, die von der Al-Kaida-nahen Al-Shabaab-Miliz kontrolliert werden. Diese verbietet den meisten Hilfsorganisationen den Zugang.

Gegenüber der AFP betonte Ed Pomfret von Oxfam, dass die internationale Gemeinschaft handeln müsse. Umgerechnet 542 Millionen Euro zusätzlich seien nötig. "Das Problem mit Somalia ist, dass es seit über 20 Jahren in der Krise steckt. Die Menschen rollen mehr oder weniger mit den Augen und denken: 'Piraten, Terroristen, Hunger und Tod, was kann ich da tun?'" Davon dürfe man sich aber nicht abhalten lassen: "Wenn wir jetzt nicht handeln, riskieren wir, dass die derzeitige Krise zur Katastrophe wird."

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es immerhin: Seit 2012 ist in Somalia eine Regierung am Werk, die von der UNO gestützt wird. Sie hat zumindest in einigen Landesteilen ein wenig Stabilität verbreitet. Gegen die islamistischen Al-Shabaab-Milizen - vor allem im Süden des Landes - kommt sie aber kaum an.


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