Maximilian Aichern

„Bischof der Herzen“ schloss für immer die Augen

Seine (Mit-)Menschlichkeit war ein Leuchtturm: Altbischof Maximilian Aichern (93) schloss am Samstag seine Augen für immer. Am Donnerstag hatte die Diözese Linz darüber informiert, dass sich der Gesundheitszustand von Aichern in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert hatte und er sich auf das Sterben vorbereitet.

„Bitte um das Gebet für Altbischof Maximilian Aichern“ – so titelte die Diözese Linz am 29. Jänner ihre Aussendung, in der über den bevorstehenden Abschied des Altbischofs informiert wurde. In den Morgenstunden des 31. Jänner 2026 schloss er im 94. Lebensjahr im Domherrenhaus in Linz für immer seine Augen. Bischof Manfred Scheuer, seine Haushälterin und Betreuerin Hildegard Rattan und sein Sekretär und Zeremoniär Thomas Hintersteiner beteten in seinen letzten Stunden mit ihm und für ihn.

23 Jahre lang Bischof in Linz
Maximilian Aichern stand 23 Jahre lang, bis 2005, der Diözese Linz vor; er hatte die katholische Kirche in Oberösterreich und darüber hinaus entscheidend geprägt und gestaltet. In der Bischofskonferenz war Aichern lange für soziale Themen zuständig. Aichern begründete u. a. die erste Bischöfliche Arbeitslosenstiftung in Österreich (1987) und war Wegbereiter und Fürsprecher der „Allianz für den freien Sonntag“, die im November 1997 im Linzer Bischofshof unterzeichnet wurde.

„In caritate servire“
Getreu seinem bischöflichen Wahlspruch „In caritate servire“ (In Liebe dienen) nahm Aichern auch als emeritierter Bischof viele Jahre  etliche Dienste in der Diözese Linz wahr, etwa in der Leitung von Festgottesdiensten, bei Firmungen und Vorträgen mit spirituellen und sozialen Inhalten.

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Wir Kinder haben schon von klein auf die Bedeutung der Arbeit kennengelernt, aber auch die Bedeutung der Solidarität und des Zusammenhaltens.

Maximilian Aichern erinnerte sich an seine familiären Wurzeln

Sprichwörtliche Bescheidenheit und Volksnähe
 „Im Fleischhauerei-Betrieb der Eltern waren immer fünf, sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da haben wir Kinder schon von klein auf die Bedeutung der Arbeit kennengelernt, aber auch die Bedeutung der Solidarität, des Zusammenhaltens im Betrieb und in der Familie und die Bedeutung von gegenseitiger Rücksichtnahme und Zusammenarbeit“, erzählte Aichern: „Das war damals alles notwendig – besonders nach den Bombenangriffen, bei denen unser Geschäft und die Wohnung, die Kirchen und andere Häuser in der Gegend zerstört wurden. Die Leute haben zusammengeholfen beim Wiederaufbau.“

In Wien geboren
Maximilian Aichern wurde am 26. Dezember 1932 als Sohn eines Fleischhauers in Wien geboren. Sein Vater stammte aus Kärnten, die Mutter aus Niederösterreich. Einen Teil seiner Kindheit, später als Schüler auch die Ferien, verbrachte Maximilian bei seinen Großeltern in Kärnten. Von daher kannte er auch schon das Benediktinerstift St. Lambrecht im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet sehr gut. Maximilian maturierte 1951 in Wien und arbeitete anschließend im elterlichen Betrieb. 1954 trat er in das Kloster St. Lambrecht ein. 1959 wurde er in der Abtei Subiaco bei Rom zum Priester geweiht. Anschließend wirkte er als Kaplan an der Stiftspfarre St. Lambrecht und als Berufsschulkatechet. 1964 wollte der Abt von St. Lambrecht die Leitung des Stiftes in jüngere Hände übergeben – und so wurde der damals 32-jährige Pater Maximilian zum Abtkoadjutor gewählt. Die Abtweihe empfing er am 12. Juli 1964. 1977 wurde er Abt von St. Lambrecht

In Bischofstalar
In Bischofstalar(Bild: Kerschbaummayr Werner)

Aichern war der zwölfte Bischof von Linz
Am 15. 12. 1981 ernannte Papst Johannes Paul II. Abt Maximilian Aichern zum neuen Bischof von Linz. Am 16. Jänner 1982, einen Tag vor der Bischofsweihe, übernahm er offiziell die Amtsgeschäfte als zwölfter Bischof der Diözese Linz. Die Bischofsweihe am 17. Jänner 1982 führte trotz der arktischen Temperaturen rund 10.000 Gläubige in den Linzer Dom, unter ihnen die Spitzen des Staates und des Bundeslandes.

Eine herzliche Art brachte ihm viel Zuneigung ein
Vom Beginn seines bischöflichen Wirkens an hat Aichern die Zuneigung der Oberösterreicher für sich gewonnen, wohl auch durch seine herzliche Art, auf die Menschen einzugehen, mit ihnen zu reden. Die Feier des 200-jährigen Bestehens der Diözese Linz im Jahr 1985 und die Dekanatsfeste im ganzen Land – aufgeteilt auf mehrere Jahre – führten Bischof und Diözesanvolk zusammen und brachten neuen Schwung in die Katholische Kirche in Oberösterreich. Auf Initiative von Bischof Aichern fand 1986 eine Diözesanversammlung statt, bei der die Weichen für den künftigen Weg der Kirche im Land gelegt wurden.

Er wollte bei den Menschen sein
Es war typisch für den „Regierungsstil“ Bischof Aicherns, dass er in nur zehn Jahren nach seinem Amtsantritt in sämtlichen Pfarren der Diözese zur offiziellen bischöflichen Visitation gewesen ist. Immer wieder meldete Bischof Aichern sich zu Wort, wenn es galt, die Menschenwürde zu verteidigen bzw. wenn gesellschaftliche Tendenzen den Menschen nur mehr verzwecken wollten. In der Diözese gründete Bischof Aichern die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung, im Bischofshaus wohnten über mehrere Jahre zwei Flüchtlingsfamilien. Sein persönlicher Lebensstil war geprägt von Einfachheit. Er fuhr zum Beispiel viele Kilometer mit seinem privaten Kleinwagen, wenn er die Pfarren in Oberösterreich besuchte. Bis zuletzt hat er die kirchlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit großem Interesse verfolgt.

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