Kinder abhängig

Social-Media-Sucht: US-Internetriesen vor Gericht

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26.01.2026 11:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Machen Social-Media-Plattformen Kinder und Jugendliche absichtlich abhängig – mit schwerwiegenden Folgen wie psychische Probleme, Magersucht bis hin zu Suizid? Mit einem Präzedenzfall zu dieser Frage befasst sich nun ein Gericht in Los Angeles, die Geschworenen-Auswahl beginnt am Dienstag. Angeklagt sind die Konzerne Alphabet, Bytedance und Meta – die Tech-Giganten hinter YouTube, Tiktok und Instagram.

Der Prozess in Kalifornien dürfte wegweisend sein für die sich abzeichnende Flut weiterer Prozesse gegen Internetkonzerne. Nach der Auswahl der Geschworenen ist der eigentliche Prozessbeginn vor dem Gericht des US-Bundesstaates Kalifornien in der ersten Februarwoche geplant. Als Zeuge soll unter anderem Meta-Chef Mark Zuckerberg befragt werden. Tech-Konzernen wie seinem wird in Hunderten Klagen vorgeworfen, junge Nutzerinnen und Nutzer abhängig gemacht und bei ihnen damit zu Depressionen, Essstörungen, Psychiatrie-Aufenthalten oder sogar Suizid geführt zu haben.

Strategien wie in Prozesswelle gegen die Tabakindustrie
Die Anwälte der Klägerinnen und Kläger nutzen in ihrem Rechtsstreit gegen Meta und Co bewusst Strategien wie in der Prozesswelle in den 1990er- und 2000er-Jahren gegen die Tabakindustrie. Wegen gesundheitlicher Auswirkungen des Rauchens wie Krebserkrankungen hatten damals zahlreiche Konsumenten erfolgreich gegen Tabakkonzerne geklagt. Sie hatten argumentiert, die Unternehmen machten mit einem schädlichen Produkt auf Kosten der Gesundheit ihrer Kunden Geld.

Im Mittelpunkt des Prozesses in Los Angeles steht der Fall einer 19-jährigen Frau, deren Name mit K.G.M. abgekürzt wird. Sie wirft den Betreibern von Online-Netzwerken vor, sie abhängig gemacht und dadurch schwere psychische Schäden bei ihr verursacht zu haben.

Schwieriger Nachweis
„Das ist das erste Mal, dass ein Social-Media-Unternehmen sich vor Geschworenen wegen der Schädigung von Kindern verantworten muss“, sagt der Gründer der Initiative Social Media Victims Law Center, Matthew Bergman, dessen Team an mehr als tausend solcher Klagen beteiligt ist.

  „Die Tatsache, dass K.G.M. und ihre Familie jetzt in einem Gericht auf Augenhöhe den größten, mächtigsten und reichsten Unternehmen der Welt gegenüber stehen, ist an sich schon ein sehr bedeutsamer Sieg“, sagt Bergman. Er räumt ein, dass es trotz zahlreicher Beweise nicht einfach werde, den Tech-Konzernen nachzuweisen, dass sie ihre Online-Netzwerke absichtlich als Suchtfalle programmierten.

Die Internetriesen berufen sich auf Absatz 230 eines Gesetzes namens US Communications Decency Act, wonach sie keine Verantwortung für die Posts ihrer Nutzerinnen und Nutzer tragen. In dem Zivilprozess in Los Angeles soll ihnen aber nachgewiesen werden, dass ihre Geschäftsmodelle darauf ausgerichtet seien, die Aufmerksamkeit ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu fesseln, und dass die Unternehmen dafür auch Inhalte fördern, die deren psychischer Gesundheit schaden.

Weitere Klagen eingereicht
„Wir werfen ihnen vor, dass sie ihre Plattformen so konstruieren, dass sie Kinder abhängig machen, und dass sie Algorithmen entwickeln, die Kindern nicht zeigen, was sie sehen möchten, sondern Inhalte, bei denen sie nicht wegschauen können“, fasst Bergman es zusammen.

Die Kritiker der Internet-Konzerne haben auch Klagen vor einem Bundesgericht in Nordkalifornien sowie bei einer Reihe von Gerichten anderer Bundesstaaten eingereicht. Im Vorfeld des wegweisenden Prozesses in L.A. lassen sich die Unternehmen nicht in die Karten schauen. Keines von ihnen kam der Bitte um eine Stellungnahme nach.

Snapchat erreichte außergerichtlichen Vergleich
Der Instant-Messaging-Dienst Snapchat hatte bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass er einen außergerichtlichen Vergleich geschlossen habe, um zu verhindern, dass er gemeinsam mit YouTube, Tiktok und Instagram vor Gericht gestellt wird. Die Bedingungen der Vereinbarung wurden nicht öffentlich gemacht.

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