Viele sehen Jobkiller

Angst vor KI schmälert Vertrauen in Demokratie

Digital
26.01.2026 10:14
Porträt von krone.at
Von krone.at

Rund um das Potenzial von KI-Systemen, menschliche Arbeit zu ersetzen, wird teils höchst kontrovers diskutiert. Wie stark Menschen Jobs als von Künstlicher Intelligenz bedroht wahrnehmen und wie das mit dem Blick auf und Vertrauen in die Politik und Demokratie zusammenhängt, hat nun eine neue Studie untersucht.

Wer in KI eher den „Jobkiller“ sieht, ist tendenziell auch unzufriedener mit dem demokratischen System und beteiligt sich weniger an Debatten über die Technologie-Zukunft, so das Ergebnis.

Die Schätzungen, welche und wie viele Arbeitsplätze mehr oder weniger absehbar von den zuletzt in manchen Bereichen immer mächtiger und in ihren Kompetenzen menschenähnlicher werdenden Systemen auf Basis von maschinellem Lernen ersetzt werden könnten, gehen bekanntlich auseinander. Insgesamt seien „die tatsächlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt derzeit noch begrenzt“, wird der Erstautor der im Fachmagazin „PNAS“ erschienenen Publikation, Armin Granulo von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, in einer Aussendung zitiert. Die Furcht, von KI ersetzt zu werden, schwelt aber trotzdem in vielen Teilen der Gesellschaft. Dem gegenüber streichen auch viele Akteure das Potenzial hervor, dass mit KI-Anwendungen zahlreiche neue Jobs geschaffen werden könnten.

KI schreibt bereits ein Drittel der US-Software
Wie rasch KI in manche Arbeitsumgebung einsickern kann, zeigten beispielsweise Forschende des Complexity Science Hubs (CSH) Vienna in einer kürzlich erschienenen Studie im Fachjournal „Science“. Demnach nimmt der Anteil an von KI-Systemen geschriebenem Programmiercode in der Softwareentwicklung sehr rasch zu: In den USA stammten im Jahr 2022 noch rund fünf Prozent der Codes von „Generativer KI“. Laut der aktuellen Analyse des Teams um Simone Daniotti vom CSH und der Universität Utrecht (Niederlande) wuchs dieser Anteil bis zum Ende des Jahres 2024 auf rund ein Drittel an. Man sehe hier einen tiefgreifenden Wandel in dem riesigen Wirtschaftssektor der Softwareentwicklung, so die Forschenden, die für ihre Studie übrigens mit einem speziellen KI-Modell nach KI-Code suchten.

Wie die Tragweite dieser jetzt so stark präsenten Technologien großflächiger eingeschätzt wird, hat wiederum das Team bestehend aus Granulo, Christoph Fuchs und Andreas Raff von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien in einer Erhebung mit rund 37.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 38 Staaten – darunter auch Österreich – untersucht. Der Schwenk von der Wahrnehmung der Gefährdung des Jobs in Richtung Wahrnehmung des politischen Systems und zum Sinn und Unsinn der Teilhabe daran, liegt für Fuchs und Raff im Gespräch mit der APA auf der Hand: „Künstliche Intelligenz ist eine sogenannte ‘General Purpose Technology‘ – also eine Technologie mit dem Potenzial, sehr viele Lebens- und Arbeitsbereiche grundlegend zu verändern. Wenn Menschen glauben, dass eine solche Technologie Arbeitsplätze vernichtet, leidet das Vertrauen in Demokratie und Politik. Es leidet das Vertrauen in das generelle System“, erklärte Fuchs.

Diskussion um KI geht „ins Eingemachte“
Menschen sehen die Politik in der Pflicht, sie vor Ungemach dadurch – wie den Arbeitsplatzverlust - zu schützen. Versagt die Politik bzw. die Demokratie hier, dann droht dem ohnehin schon vielfach angeschlagenen System weiterer Vertrauensverlust, so die Wissenschafter. „Das geht für viele Leute ins Eingemachte“, so Fuchs. Und: Die Debatte betrifft auch und vor allem Arbeitsbereiche, die zuvor von technologischen Entwicklungen weniger existenziell bedroht waren, wie etwa in „Bürojobs“, in denen höher gebildete und ausgebildete Personen arbeiten.

Die umfassende Untersuchung zeigt nun auch, dass die Furcht vor Arbeitsplatzverlust in Zusammenhang mit KI in vielen Ländern mit höherem Durchschnittseinkommen recht hoch ist. Stark ausgeprägt ist die Erwartung, dass KI Menschen Jobs kosten könnte, etwa in der Schweiz, Schweden, aber auch in Frankreich, Großbritannien oder Deutschland. Auch in Österreich zeigen sich relativ viele Befragte derart eingestellt. Dass KI eher Arbeitsplätze schaffen kann, glaubt man eher in Italien, Ungarn, Polen, dem Kosovo oder der Türkei. Erwartet jemand eher Jobverluste durch KI-Anwendungen, sinkt sein Vertrauen in das politische System und die Motivation zur Mitwirkung daran, im Schnitt in etwa so stark, wie man dies bei Menschen beobachtet, die arbeitslos sind, erklärte Raff. Menschen, die KI sehr stark als „Jobkiller“ wahrnehmen, zeigen sich bis zu 10 bis 18 Prozent weniger zufrieden mit der Demokratie.

Warnung vor „Schockstarre“
In weiteren Experimenten mit jeweils rund 1.200 Online-Teilnehmenden in den USA und Großbritannien, die die jeweilige Bevölkerung relativ gut abbildeten, überprüfte das Forschungsteam diesen Zusammenhang weiter. Dabei zeigte sich: Wurden Menschen mit einem Zukunftsbild von KI als Ersatz für menschliche Arbeit konfrontiert, sanken sowohl die politische Zufriedenheit als auch das Engagement signifikant – und zwar in beiden Ländern. Diese Ergebnisse liefern Belege für einen kausalen Zusammenhang und zeigen, dass das Phänomen „recht stabil“ und über Länder hinweg beobachtbar ist, so Fuchs.

Es bestehe also die Gefahr, dass jemand, der eher davon ausgeht, von der KI ersetzt zu werden, sich tendenziell auch von der notwendigen Debatte darüber abwendet – in eine Art „Schockstarre“ verfällt. Es brauche jedoch mehr demokratisches Engagement, denn es sei keineswegs ausgemacht, dass man von den Entwicklungen rund um KI-Systeme überrollt wird. Man könne sehr wohl über demokratische Mechanismen regulierend eingreifen. „Wenn aber die Leute immer weniger an das System glauben und sich weniger beteiligen, ist das natürlich negativ“, so Raff. Dann würde die „Disruption“ durch KI letztlich das politische System weiter schwächen. Auch um ihrer selbst Willen sei die Politik also gut beraten, das Thema sehr ernst zu nehmen, so die Forscher.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

krone.at
krone.at
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt