Südkorea trauert

Präsidentin entschuldigte sich für “Sewol”-Unglück

Ausland
29.04.2014 13:45
Rund zwei Wochen nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre "Sewol" hat sich Staatspräsidentin Park Geun Hye bei der Bevölkerung für fehlerhaftes Krisenmanagement entschuldigt. Die Regierung habe das Unglück nicht verhindert und unzulänglich auf die Katastrophe reagiert, sagte Park am Dienstag bei einem Kabinettstreffen in Seoul.

"Ich bin bedrückt, dass so viele Menschen ihr Leben verloren haben", sagte Park. Die Zahl der geborgenen Todesopfer des Unglücks vom 16. April stieg unterdessen auf über 200. Mehr als 90 der ursprünglich 476 Menschen an Bord - die meisten von ihnen Schüler - galten noch als vermisst.

Kritik am Krisenmanagement
Parks Entschuldigung macht den zunehmenden Druck auf die Regierung deutlich, das staatliche Krisenmanagement von Grund auf zu erneuern. Vor allem die Familien der Opfer hatten von Anfang nicht nur die Reaktion der Besatzung, sondern auch die Regierung dafür kritisiert, nicht alle verfügbaren Mittel zur Rettung der Passagiere eingesetzt zu haben.

Erst am Sonntag hatte Ministerpräsident Chung Hong Won seinen Rücktritt erklärt. Er soll aber auf Anweisung Parks noch so lange die Amtsgeschäfte führen, bis die Situation unter Kontrolle ist.

Park versprach eine komplette Überprüfung des staatlichen Sicherheitssystems. Eine neue Behörde solle geschaffen werden, die künftig für den Umgang mit Katastrophen vom Ausmaß der schweren Havarie verantwortlich sein soll.

Besuch beim Traueraltar nahe Seoul
Park hatte zuvor einen Traueraltar in der Stadt Ansan nahe Seoul aufgesucht. Aus Ansan stammen 325 Schüler, die mit der Fähre zur südlichen Urlaubsinsel Jeju unterwegs waren. Bei Parks Besuch hätten Angehörige der Opfer ihre Wut und Frustration zum Ausdruck gebracht, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Bergungsarbeiten laufen immer noch
Die Bergungsarbeiten am Wrack vor der Südwestküste des Landes wurden unterdessen fortgesetzt. Die Suche werde jedoch nach Berichten südkoreanischer Sender weiter von der starken Gezeitenströmung erschwert. Bei den Tauchgängen sollten unter anderem weitere Kabinen durchsucht werden. Es wird vermutet, dass dort die meisten Insassen ums Leben kamen.

Bei dem Unglück hatten nur 174 Menschen gerettet werden können, darunter der Kapitän und die anderen 14 leitenden Besatzungsmitglieder. Sie sitzen wegen Fahrlässigkeit und anderer Vorwürfe in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt, das sinkende Schiff schon frühzeitig verlassen zu haben.

Die Unglücksursache immer noch unklar. Nach Angaben der Ermittler kenterte die Auto- und Personenfähre an der Stelle, wo sie einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Unter anderem wird untersucht, ob die Ladung richtig gesichert war. Das Schiff könnte demnach durch das Verrutschen der Ladung Schlagseite bekommen haben.

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