Nach KZ-Sager

Berlusconi relativiert: “Bin Freund der Deutschen”

Ausland
28.04.2014 19:18
"Für die Deutschen haben KZ nie existiert", mit dieser Aussage bei einer Wahlveranstaltung seiner Partei am Wochenende hatte der ehemalige italienische Premier Silvio Berlusconi eine Lawine der Entrüstung sowohl in Italien als auch in anderen EU-Staaten losgetreten. Am Montag ruderte der 77-Jährige zurück und betonte, er sei ein Freund des deutschen Volkes. Gleichzeitig kritisierte der rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilte Politiker die Linken, die seine Aussagen aus dem Kontext gerissen hätten.

"Es ist absurd, mir antideutsche Gefühle oder eine mutmaßliche Feindseligkeit gegenüber dem deutschen Volk zuzuschreiben, dessen Freund ich bin", hieß es in einer Stellungnahme auf seiner Homepage (auf Italienisch). In dieser stellte Berlusconi auch klar, dass er ein "historischer Freund des jüdischen Volkes und des Staates Israel" sei. "Israels ist das einzige Beispiel von Freiheit und Demokratie im gesamten Nahen Osten. Niemand kann an meiner tiefen Überzeugung rütteln", meinte der 77-Jährige.

Berlusconi hatte im Jahr 2003 den derzeitigen EU-Parlamentspräsidenten und SPD-Politiker Martin Schulz heftig kritisiert und als Idealbesetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers gesehen. Später behauptete er, er habe nur seinen "Humor" unter Beweis stellen wollen. Am Samstag stichelte Berlusconi erneut: "Ich wollte niemanden beleidigen. Doch mein Gott: Für die Deutschen haben KZ nie existiert."

Schulz: "Berlusconi ist Synonym für Hass, Neid und Streit"
Schulz selbst reagierte auf die jüngste verbale Entgleisung mit heftiger Kritik an Berlusconi. "Berlusconi ist ein Synonym für Hass, Neid und Streit. Er will Streit unter europäischen Ländern schüren, in der Hoffnung auf Wahlvorteile für seine Partei. Es ist skandalös, dass seine Dummheiten zu Wahlkampfzwecken dienen", betonte Schulz. "Europa bedeutet Frieden und Solidarität unter Völkern und Nationen, was von Berlusconis dummen Worten nicht gefährdet wird."

Ins gleiche Horn bliesen auch andere hochrangige EU-Politiker- darunter auch vom SPÖ-Politiker und Vorsitzenden der Sozialdemokraten im Europaparlament, Hannes Swoboda (siehe auch Infobox).

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