Laut, überfüllt und chaotisch – so lauten die gängigen Vorurteile über Indien. Doch treffen diese wirklich zu? Eine Reise in den Süden zeigt: Das Land ist vielfältiger als seine weit verbreiteten Klischees.
Der Duft von Gewürzen, Abwasser, Weihrauch und Straßenessen liegt in der Luft. Motorroller knattern, Hupen überlagern einander, streunende Hunde bellen – eine Welt voller Farben, Gerüche und Geräusche. Indien gilt nicht als Ziel für ruhige Strandurlaube, doch wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, wird mit einzigartigen Momenten und spirituellen Erfahrungen belohnt.
Unsere Reise beginnt in Chennai, der lebendigen Hauptstadt Tamil Nadus. Tuk-Tuks flitzen kreuz und quer, Kühe trotten gemächlich über die Straße. Verkehrsregeln gelten eher als Empfehlungen. Mit rund zwölf Millionen Einwohnern zählt Chennai zu den größten Städten des Landes. Es herrscht hektisches Treiben.
Die Sprache Tamil ist so alt wie SanskritVor dem Kapaleeshwara-Tempel treffen wir ein frisch vermähltes Paar, das seinen Segen empfangen möchte, ein zentraler Schritt im traditionellen Hochzeitsritual. Die junge Frau zeigt stolz ihren Zehenring, Symbol ihrer lebenslangen Verbundenheit, den sie erst im Todesfall ihres Mannes ablegt. Der Tempel ist Shiva geweiht, und Spiritualität prägt das Leben der Menschen hier tief: Der tägliche Austausch mit den Göttern ist für viele unverzichtbar. Neben den unzähligen Gottheiten verehren viele Familien zusätzlich einen persönlichen Schutz- oder Hausgott. In Tamil Nadu leben etwa 89,2% Hindus, 5,86% Muslime und 6,12% Christen.
Die Kultur dieser Region entwickelte sich über Jahrhunderte nahezu unbeeinflusst von außen. Die Sprache Tamil, so alt wie Sanskrit, gilt als eine der ältesten noch lebenden Sprachen der Welt.
Weiter führt uns die Reise durch das „Tor des Südens“ nach Mahabalipuram und Puducherry, das seit 1674 unter französischem Einfluss stand. In der ehemaligen Kolonialstadt besuchen wir den bedeutenden Ganesha-Tempel, eine wichtige Stätte für Gläubige, die dem elefantenköpfigen Gott des Glücks und der Weisheit gewidmet ist.
Auch in Madurai zeigt sich die Verbindung von Alltag und Spiritualität deutlich. Frauen zeichnen morgens weiße Muster vor ihre Haustüren – ein Schutzritual für den Mann auf dem Weg zur Arbeit.
Tempel voller Mystik und RitualkraftIm Zentrum dieser Glaubenswelt steht der Meenakshi-Tempel, ein architektonisches Meisterwerk mit über 33.000 Skulpturen, der berühmten Halle der Tausend Säulen und kunstvoll verzierten Gopurams. Vor dem Eingang stapeln sich die Schuhe, denn das Heiligtum darf nur barfuß betreten werden.
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE:
HOTELS
BUCHUNGSMÖGLICHKEIT
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18-Tage- Erlebnisreise (Kleingruppe) ab 2895 Euro inkl. Flüge. Buchbar unter: gebeco.de/285T031
Ein Priester im safranfarbenen Gewand, Symbol spiritueller Reinheit, zeichnet Gläubigen heilige Asche (Vibhuti) auf die Stirn. Aus der Ferne klingt das dreifache „Shanti“ – Frieden. Die Luft vibriert vor Mystik. Als zentrale Opfergabe dient die Kokosnuss: Ihr Zerbrechen steht für das Loslassen des Egos und die Öffnung für das Göttliche.
In Indien gelten Kühe als heilige Tiere und sind überall präsent. Die Sache mit der heiligen Kuh ist komplexer, als man denkt. Im Hinduismus gilt sie als lebenserhaltend und religiös bedeutsam. Doch oft ist die Realität ernüchternd: Alte oder kranke Tiere werden aus Kostengründen verstoßen. Da sie nicht getötet werden dürfen, leben viele Kühe in schlechten Bedingungen auf der Straße, suchen in Müllbergen nach Nahrung und leiden häufig an Krankheiten, die durch Plastik verursacht werden.
Beim Essen zeigt sich die Leidenschaft des Landes besonders deutlich. Schon ein scheinbar harmloser Sambar (Linseneintopf) kann einem den Schweiß auf die Stirn treiben. Selbst eine Flasche Kingfisher-Bier hilft da kaum. Unser Guide Shrawan lächelt nur und streut zusätzlich etwas von seinem scharfen „Schießpulver“ über sein Essen. Wer den gefürchteten „Indian Belly“ vermeiden will, sollte mit Straßenrestaurants vorsichtig sein – die Versuchung ist groß, das Risiko ebenfalls. Die wichtigste Regel lautet: Cook it, peel it, or leave it.
Im Land, wo Tee und Pfeffer wachsenDie Mehrheit der Inder lebt aus religiöser Überzeugung vegetarisch, und doch zählt ihre Küche zu den aromatischsten der Welt. Das Thali-Menü zeigt dies eindrucksvoll: Süße, saure, scharfe, salzige und bittere Aromen finden sich auf einem einzigen Teller.
Weiter südlich zeigt Kerala seine Schönheit abseits der bekannten Pfade – mit weiten Teeplantagen und Gewürzfarmen. Das „Land der Gewürze“ am Arabischen Meer ist Heimat von Pfeffer, Kardamom, Nelken, Muskatnuss und Zimt. Indien hat weltweit eine der höchsten absoluten Zahlen an Analphabeten, doch Kerala bildet mit einer Alphabetisierungsrate von rund 90 Prozent eine bemerkenswerte Ausnahme – ein Erfolg langjähriger Bildungspolitik.
Der Periyar-Nationalpark in den Bergen bietet zahlreichen Tierarten Schutz. Schon unterwegs begegnen uns Makaken und Languren. Im Park leben Elefanten, Tiger, Leoparden, Bisons, Rehe, Hirsche, Königskobras, Vipern, Warane und über 320 Vogelarten, darunter der beeindruckende Doppelhornvogel.
Der Subkontinent fasziniert nicht nur durch seine enorme Vielfalt an Landschaften und Kulturen, sondern vor allem durch die Herzlichkeit seiner Menschen – und eine Küche, die alle Sinne verführt. Eindrücke, die bleiben.
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