Immer mehr Verdächtige

Finanz rechnet ab: Schwarze Kassen in 130 Lokalen

Österreich
16.02.2026 05:30

Die Finanzfahnder sind ihnen auf den Fersen! Der mutmaßliche Riesenbetrug in der Gastro-Szene weitet sich dramatisch aus. Mittlerweile sollen bis zu 130 Lokale über schwarze Kassen an der Steuer vorbei abgerechnet haben. Damit dürfte der Schaden wohl schon die Zehn-Millionen-Grenze knacken.

In einer Kommandoaktion gab es, wie berichtet, Dutzende Großrazzien in den fünf Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Kärnten. Im Visier der rund 200 Steuerfahnder standen Betriebsstätten, Firmensitze und Privatwohnungen. Unzählige Computer, Handys, USB-Sticks und andere elektronische Geräte wurden beschlagnahmt.

Rache von Ex-Mitarbeiter brachte den Stein ins Rollen
Die brisanten Informationen zum Mega-Betrugsverdacht mit Registrierkassen in der heimischen Gastroszene lieferte ausgerechnet ein Ex-Mitarbeiter, der den Behörden die Machenschaften aus Rache verriet.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen von Steuerfahndern sowie der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) steht ein 56-jähriger Programmierer und Chef eines Ein-Mann-IT-Unternehmens. Der Computerspezialist aus Niederösterreich hat die illegale Software geschrieben, mit der die Finanz über Jahre ausgetrickst worden sein soll.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com, BMF)

Betrug nur möglich, wenn Kunden nicht die Rechnung verlangten
Wenn Kunden nicht „die Rechnung, bitte“ verlangten bzw. den Bon mit QR-Code, konnte das Programm entweder den pauschal eingestellten Prozentsatz oder einzelne Rechnungsposten nachträglich löschen.

Nach Androhung der U-Haft wegen Verdunkelungsgefahr legte der Geschäftsmann jedenfalls eine Lebensbeichte ab und verriet seine Kundenliste. Und die Zahl der Beschuldigten steigt stetig an, wie Christian Ackerler, Chef der Finanz-Betrugsbekämpfer, im „Krone“-Gespräch bestätigt. Derzeit sei man bei rund 50 Geschäftsführern von 130 Lokalen, darunter auch Promi-Wirte.

Steuerberater fragen für Klienten wegen Selbstanzeigen an
Durch eine Verbandsklage drohen neben Haftstrafen bis zu zehn Jahre auch empfindlich hohe Geldstrafen. Bei einer ähnlichen Betrugsserie mit schwarzen Kassen in China-Lokalen in Wien überstieg der Schaden mehr als zehn Millionen Euro.

Hinzu kommt, dass hinter den Kulissen bereits zig Steuerberater bei den Finanzämtern anfragen, wo denn ihre jeweiligen Klienten Selbstanzeige machen könnten. Auf die Behörden scheint dadurch, auch ohne langwierige Gerichtsverfahren, noch ein warmer Geldregen zuzukommen ...

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