Der Fasching geht am Aschermittwoch zu Ende, die 40-tägige Fastenzeit beginnt – bis dahin wird allerdings noch ausgiebig gefeiert. In ganz Österreich gibt es Traditionen, die zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO zählen und eine Reise wert sind. Begleiten Sie uns etwa ins schöne Salzkammergut!
Der traditionsreiche Ausseer Fasching gilt in der Region neben Frühling, Sommer, Herbst und Winter als fünfte Jahreszeit. In den letzten Tagen wurde vom Kinderfasching, über Ball und Gschnas bis hin zur Pyjama-Party nichts ausgelassen, aber beginnend mit dem heutigen Faschingssonntag steuert das Faschingstreiben seinem absoluten Höhepunkt zu.
Dass es gerade in dieser Gegend so ausgeprägt ist, lässt sich auf die fremdbestimmte Gesellschaft der Zeit, in der Salz als weißes Gold gehandelt wurde, zurückführen. Jetzt vertauschen sich die Rollen, „man kann es der Obrigkeit reinsagen, ohne etwas befürchten zu müssen“. Hauptakteure sind Trommelweiber, Flinserl, Pless und Maschkera Fischer.
Drei Erklärungen für Faschingstraditionen:
Einige der Bräuche in der Faschingszeit, die zum immateriellen UNESCO-Welterbe in Österreich zählen:
Was sind aber Trommelweiber? Männer, die sich als Frauen verkleiden, Frauennachtgewänder, Schlafhauben und Masken tragen. Sie repräsentieren den im Fasching oft vorkommenden Geschlechtertausch und vertreiben mit dem Lärm, den sie mit Trommeln und anderen Instrumenten erzeugen, den Winter. Nur in Altaussee sind tatsächlich Frauen als Trommelweiber unterwegs. Am Montag ziehen die Markter Trommelweiber in Bad Aussee zum Rathaus, um dem Bürgermeister seinen Schlüssel abzunehmen. Von da an regieren sie, beherrschen Straßen und das Geschehen.
VORBOTEN DES FRÜHLINGS
Ein absoluter Höhepunkt im närrischen Treiben ist der Umzug der Flinserl am Faschingsdienstag. Sie gelten als Vorboten des Frühlings und sind in farbenfrohe, prächtige Gewänder gekleidet, die, reich mit Pailletten bestickt, oft mehr als 200 Jahre alt sind und venezianisch anmuten. Ist es schon nicht einfach, ein Trommelweib zu sein (das muss man sich verdienen), ist es noch schwerer, ein Flinserl zu werden.
Die wertvollen Kostüme werden nämlich in den Ausseer Bürgerfamilien weitervererbt. Wer nicht erbt, hat eingeheiratet, es ist sozusagen ein „heiliger Kreis“. Keineswegs sollte man den Tanz der Flinserl am Ende des Umzugs versäumen, ist der Ratschlag von Pamela Binder, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. Wenn sich dann der Umzug auflöst, scharen sich die Kinder um die Flinserl, die dann Nüsse und Süßigkeiten verteilen.
Pless repräsentieren Winter und Kälte. Ein weiterer, über 100 Jahre alter Brauch sind die verkleideten Maschkera Fischer, die an der Angelschnur Süßigkeiten oder Heringe mit Wäscheklammern befestigt haben, welche die Kinder mit dem Mund erwischen müssen. Das „Maschkera-Gehen“ wiederum ist ein lebendiger Brauch, der von privaten Gruppen ausgeübt wird, ein aktuelles Szenenspiel – wie ein Spiegel, der zeigt, was schiefläuft, etwa in der Gesundheitspolitik, aber auch Trump war schon Thema solcher Auftritte“Gefürchtet“ ist auch das Verlesen der sogenannten Faschingsbriefe. Das ganze Jahr über werden „Verfehlungen“ gesammelt und dann der versammelten Zuhörerschaft zur Kenntnis gebracht.
In den letzten Tagen des Faschings, besonders am Faschingsdienstag, gilt der Ausnahmezustand. Überall gibt es Faschingskrapfen zu kosten, dazu ein Schnapserl, bevor zu Mittag in Bad Aussee alle Geschäfte schließen. Jung und Alt, alle sind auf den Straßen, es wird gefeiert bis in die Puppen, will so viel heißen wie bis zum Aschermittwoch, an dem die Fastenzeit beginnt und die Krapfen von den traditionellen Beigeln (ein salziges, ringförmiges Laugengebäck) abgelöst werden. Jede der ansässigen Bäckereien hat ihr eigenes Rezept!
Infos: www.ausseerland.at/fasching
EBENSEER FETZENZUG
Wir bleiben im Salzkammergut: Wie ein inoffizieller Nationalfeiertag wird der Faschingsmontag in Ebensee gefeiert. Die Legende sagt, dass die Ebenseer Salinenarbeiter auch feiern wollten und sich die reichen Flinserl als Vorbild nahmen. Oder, dass das Volk „den Großkopferten die Meinung sagen“ wollte. Weil die Faschingsnarren unerkannt bleiben wollten – immerhin kritisieren sie Politiker, Kollegen, Freunde und Nachbarn -, tragen sie Holzmasken.
Die traditionellen Loafen sind neben den Fetzenkleidern das Symbol der Faschingstradition. Männer wie Frauen tragen bunte, mit Fetzen und Lumpen bestickte Dirndln sowie Kopftuch/Hut, einen Janker und einen zerschnittenen Regenschirm. Die Dauer des Fetzenzugs richtet sich danach, wie viel es zu tadeln gibt. Anschließend werden die umliegenden Wirtshäuser abgegrast, um sich aufzuwärmen oder andere „Opfer“ zu finden, die man „schimpfen“ kann ...
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