Proteste in Arizona
Kein Service für Schwule? Aufregung um US-Gesetz
Die als äußerst konservativ geltende Gouverneurin Brewer hat bisher nicht erkennen lassen, ob sie das Gesetz unterzeichnen oder ihr Veto einlegen wird. Fest steht, dass sie umstrittene Maßnahmen nicht scheut. So sorgte sie 2010 für Furore, als sie ein äußerst restriktives Einwanderungsgesetz unterstützte und unterzeichnete. Arizona geriet in Verruf, die Wirtschaft bekam die Folgen durch Tourismusboykotte zu spüren. Vielleicht auch in Erinnerung daran haben sich Interessengruppen aus der Wirtschaft und Firmenbosse in dem Bundesstaat im Streit um SB 1062 auf die Seite der Gegner geschlagen.
Protestaktion: Lokalbesitzer will Parlamentarier nicht bedienen
Einer der vehement gegen das Gesetz protestiert ist Rocco DiGrazia. Der Lokalbesitzer will keine Abgeordneten mehr bedienen. In das Fenster seiner Pizzeria in Tucson, Arizona, hängte er das Schild: "Wir behalten uns das Recht vor, Arizonas Parlamentarier nicht zu bedienen." DiGrazia hat seine entschiedene Ablehnung auch via Facebook publik gemacht und nach eigenen Angaben massive Unterstützung erfahren. Mit seiner Plakataktion habe er aufzeigen wollen, "dass jede Ausweitung von Diskriminierung die Türen für noch mehr öffnet", zitiert ihn der "Arizona Daily Star".
In den vergangenen Monaten hatten mehrere Fälle Schlagzeilen gemacht, bei denen gleichgeschlechtlichen Paaren Dienstleistungen verweigert worden waren. So lehnten es mehrere Fotografen ab, Aufnahmen bei Homo-Hochzeiten zu machen. In Colorado sperrte sich ein Bäcker dagegen, eine Hochzeitstorte für zwei Männer anzufertigen. Das Paar zog vor Gericht - und erhielt Recht. Der Richter sah eine klare Diskriminierung und verwies unter anderem darauf, dass der Bäcker sogar einmal eine Torte für eine Jux-Hochzeit von zwei Hunden gebacken habe.
Christliche Organisation: "Urteil verstößt gegen Verfassung"
Die christliche Organisation "Alliance Defending Freedom" sieht in dem Urteil vom Dezember einen Verstoß gegen Artikel 1 der US-Verfassung, der das Recht auf freie Religionsausübung festschreibt. "Die Menschen in Amerika sollten die Freiheit haben, entsprechend ihrem Glauben zu leben und zu arbeiten", zitiert die "New York Times" Joseph La Rue, den Rechtsberater der Gruppe. "Der Glaube sollte nicht etwas sein, was wir hinter unseren eigenen vier Wänden lassen müssen."
Aber Bürgerrechts- und Homosexuellen-Gruppen widersprechen entschieden. "Religionsfreiheit ist ein Grundrecht, aber es ist kein Blankoscheck dafür, andere zu verletzen oder unseren Nachbarn unseren Glauben aufzuzwingen", sagt David Mach von der American Civil Liberties Union.
Mehrere US-Bundesstaaten erwägen ähnliche Maßnahmen
Weitgehend unumstritten ist das Recht für religiöse Organisationen, Dienstleistungen im Zusammenhang mit Schwulen-Hochzeiten zu verweigern. Der "New York Times" zufolge gibt es solche Beschränkungen in den meisten Staaten, die gleichgeschlechtliche Ehen erlauben. Aber das gilt nicht für private Geschäftsleute. Arizona, in dem Homo-Ehen durch einen Verfassungszusatz verboten sind, wäre der erste Bundesstaat, der weiter geht. Eine Reihe Staaten erwägt ähnliche Maßnahmen, etwa Mississippi, South Dakota, Tennessee und Oregon.














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