Mit dem Ausbruch von Teuerungswelle und Ukraine-Krieg im Jahr 2022 ist die Kundenzahl in Sozialmärkten sprunghaft gestiegen – und nicht mehr gesunken. Ein „KRONE“-Lokalaugenschein zeigt, wie es den Einkäufern dort geht.
Veronika (67) stützt sich mit einer Hand auf ihren Einkaufswagen, dann beginnt sie zu erzählen: „Ich habe eine Mindestpension und bin froh, dass es das hier gibt. Ich kann hier viel sparen.“
Hier – das ist der Rotkreuz-Markt in Ottensheim. 500 Gramm Spaghetti kosten 40 Cent, 220 Gramm Reis gibt’s um 70 Cent, ein halbes Kilo Kaffee kommt auf 1,50 Euro.
Wir haben Produkte des täglichen Bedarfs. Gegen Monatsende kommen weniger Kunden, weil kein Geld mehr da ist.

Stefan Zierlinger, Rotkreuz-Markt
Bild: Markus Wenzel
Preise, die im regulären Handel längst undenkbar sind. Zuletzt kletterte die Teuerung in Österreich wieder über die Vier-Prozent-Hürde. Die hohe Inflation macht sich in den Sozialmärkten schon seit Längerem bemerkbar: 2022 – in diesem Jahr brachen die Teuerungswelle sowie der Ukraine-Krieg aus – stieg die Anzahl der Kundeneinkäufe in den 23 Rotkreuz-Märkten in Oberösterreich von zuvor 54.000 auf 80.000 an.
„Seitdem sind wir konstant auf hohem Niveau“, sagt Stefan Zierlinger, Regionalleiter beim Roten Kreuz. Einkaufen darf im Sozialmarkt nur, wer unter der Einkommensgrenze dafür liegt (siehe Infokasten). „Wir hätten theoretisch mehr Berechtigte, aber es kommt nur ein Drittel“, sagt Zierlinger.
Nur Berechtigte dürfen in Sozialmärkten einkaufen. Für die 23 Rotkreuz-Märkte in Oberösterreich gilt für Ein-Personen-Haushalte eine Einkommensgrenze von 1450 Euro pro Monat, bei Zwei-Personen-Haushalten sind es 2050 Euro. Für jedes unterhaltspflichtige Kind kommen noch einmal 370 Euro dazu.
Als Grund nennt er „Schamgefühl“. Doch: „Es bröckelt, weil die Leute kein Geld mehr haben für Scham.“ Einkäuferin Veronika beschreibt es so: „Vielleicht schauen mich manche schief an, aber ich schäme mich nicht. Ich muss über die Runden kommen.“
Auch Kundin Petra (57) meint: „Manche haben schon Hemmungen. Aber es ist ja keine Schande, wenn man weniger Geld hat.“
Seit dem Sommer beschäftigen die Lebensmittelpreise auch die Politik. Von den vielen Vorschlägen – von Mehrwertsteuersenkung über Maßnahmen gegen den Österreich-Aufschlag bis hin zu mehr Preistransparenz – wurde bisher allerdings kaum etwas umgesetzt.
Im Sozialmarkt werden die Gründe für die Inflation kontrovers diskutiert. „Die Preise sind so hoch, weil wir die schlechteste Regierung aller Zeiten haben“, meint etwa Veronika. Kundin Heidi (75) hingegen sagt: „Jeden Tag wird alles teurer. Es gibt nur mehr große Konzerne und die machen sich alles aus.“
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