Wir alle sehnen uns nach dem Paradies. Diesen Sehnsuchtsort finden wir nicht in der Ferne, sondern in uns, sagt Malerin Franziska Schmalzl. Ab heute stellt sie im KUZ Oberschützen aus.
Franziska Schmalzl (54) war sechs Jahre alt, als sie im Wirtshaus ihrer Eltern in Mischendorf den Gästen die ersten „Seiterl“ servierte. Während sie zwischen Küche und Schank hin und her huschte, lauschte sie den lauten Stammtischgesprächen und staunte, was Alkohol mit Menschen so anstellt. „Nach dem zweiten, dritten Achterl kam meist die Wahrheit ans Licht. Dann ging es oft zu wie im wilden Westen! Da sind sogar die Sessel geflogen. In den 1970ern war das normal“, sagt sie und erzählt aus ihrer Kindheit, die sie „Comic lesend und zeichnend verbrachte“, weil ihre Eltern aufgrund der vielen Arbeit für ihre beiden älteren Schwestern und sie kaum Zeit hatten.
Starke Verbindung zur Mutter
Ihre kreative Ader lebt Schmalzl auch nach der Matura aus. Sie zieht nach Wien, studiert Germanistik, Philosophie, Psychologie und Pädagogik, arbeitet als Texterin und Konzepterin in der Werbebranche und heimst zahlreiche Auszeichnungen ein.
„Als meine Mutter, die meine beste Freundin war, an Krebs erkrankte, gab ich meine Partnerschaft und Wohnung auf und zog zu ihr, um sie zu pflegen. Schon als Kind hing ich an ihrem Rockzipfel“, erzählt Schmalzl. Kraft schöpft sie in dieser Zeit durch ihre Hingabe zum Malen. Dadurch erfährt sie Trost, Frieden und Erfüllung, kommt aber auch alten Emotionen wie Angst, Wut und Trauer näher und damit dem Kind, das sie einmal war.
Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit
Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter wagt sie sich im Zuge ihrer Ausbildung zur Kunsttherapeutin und Systemischen Coachin in Selbsterfahrungsseminaren ans Eingemachte. „Wir alle fühlten uns als Kind irgendwann vernachlässigt, abgelehnt oder überfordert. Dieses frühere Ich lebt in uns weiter und sehnt sich immer noch nach Liebe, Sicherheit und Anerkennung. Wir können diese Wunde heilen, wenn wir uns trauen, den Schmerz von damals noch einmal zu fühlen und loszulassen. Es lohnt sich! Denn durch diese liebevolle Selbstzuwendung entwickelt man Selbstsicherheit und emotionale Stabilität und gewinnt auch seine Unbeschwertheit und Lebensfreude wieder“, erklärt die Wahlwienerin, für die Humor die wichtigste Ressource überhaupt ist.
Sprung in die Freiheit
Ihr Können hat sie übrigens unter Anleitung des Schweizer Galeristen Robert Süess perfektioniert. Er, ihr größter Lehrer und Mentor, war es auch, der sie 2011 entdeckte und darin bestärkte, eine Karriere als freischaffende Künstlerin einzuschlagen.
Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das durch die Arbeit mit dem inneren Kind freigelegt wurde, zahlt sich aus. Schmalzls farbenprächtige Bilderwelten entfalten sich wie facettenreiche Landschaften aus Träumen, Erinnerungen und Visionen vor dem Auge des Betrachters. Der Mix aus Malerei und Collage versprüht Lebendigkeit, Leichtigkeit, Optimismus und Geborgenheit. Kein Wunder, dass die Burgenländerin gefragt ist und ihre Werke auch schon nach Deutschland, die Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein, Italien, die USA und Indien verkauft hat.
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