Ein Baugrund an der Brigittenauer Nordwestbahnstraße fristet aktuell ein trauriges Dasein. Was gebaut wird, ist unklar – der Bauträger meldete im Frühling Insolvenz an. Ob, wenn dann gebaut wird, auch an die dunkle Geschichte des Grundes gedacht wird, ebenso. Im Bezirk wird bald darüber diskutiert.
Wie oft geht man in Wien tagtäglich an einem Ort vorbei, ohne zu wissen, welche Geschichte das Gebäude, die Fläche oder der Park eigentlich in sich hat? Eine Frage, die sich nur die wenigsten von uns stellen, wenn sie in die Arbeit oder zum Einkaufen fahren. Ähnliches wäre über zwei Grundstücke in der Brigittenau zu erzählen, die aktuell darauf warten, endlich wieder bebaut oder auf eine andere Art und Weise genutzt zu werden.
Man sieht, dass schon länger nichts passiert ist
Es handelt sich zum einen um die Nordwestbahnstraße 53. Der „Krone“-Lokalaugenschein vor Ort zeigte eine Menge an Baugittern, an denen Plakate hängen. Hinter den Zäunen wuchert mittlerweile eine Gstetten, durchbrochen von großen Mauerteilen und Bauschutt. Auch den angrenzenden Häusern sieht man an, dass sie dringend wieder hergerichtet werden sollten.
Bei der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung wird ein Antrag darüber diskutiert.
heißt es gegenüber der „Krone“ aus der Bezirksvertretung der Brigittenau
Was hier gebaut werden soll, ist nicht ganz klar. Vom Bezirk heißt es, dass der Baugrund als gemeinsames Wohn- und Arbeitsprojekt angedacht gewesen wäre, jedoch weiterverkauft wurde. Der aktuelle Besitzer, die SÜBA rasselte heuer im Frühling aber in die Insolvenz. Offenbar wird ein Käufer für den wertvollen Grund gesucht. Die Liste LINKS befürchtet, dass es aus der Konkursmasse verkauft wird und dadurch die Stadt um die Leistungen aus dem städtebaulichen Vertrag umfällt, da diese nicht im Grundbuch eingetragen wurden.
Interessant: Es handelt sich nicht um irgendeinen Baugrund. Am Grundstück Nummer 53 wurde 1942 bis 1945 im Zweiten Weltkrieg ein Lager für griechische Zwangsarbeiter betrieben. Die sowjetischen Zwangsarbeiter waren nur wenige hundert Meter weiter am Haus mit der Nummer 93 untergebracht.
Zwangsarbeiter hausten an der Nordwestbahnstraße
Es waren jene Zwangsarbeiter, die die beiden Flaktürme im Augarten bauen – und Schienen vom Nordwestbahnhof zum Augarten verlegen mussten. Jene, die das wissen, würden sich zumindest eine Gedenktafel wünschen. Ob dies möglich ist, kann man im Bezirk nicht beantworten. Die Letztverantwortung dafür liege natürlich bei jenem, der das Bauvorhaben umsetzt. Dennoch steht das Thema auf der Agenda der nächsten Sitzung der Bezirksvorstehung. Einen Antrag gibt es dann wohl. Ob künftig an der Nordwestbahnstraße noch etwas an die dunkle Zeit des Weltkrieges erinnern wird, steht in den Sternen.
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