„Vögels Lexikon“

Was Vorarlberger mit „loss di ned verdrüßa“ meinen

Vorarlberg
04.08.2026 05:00

Der Vorarlberger Dialekt hat bekanntlich seine Eigenarten, insbesondere im Osten Österreichs versteht man nicht immer, was einem der Alemanne sagen will. Der Kabarettist und Autor Stefan Vögel will mit „Vögels Lexikon“ Abhilfe schaffen und Brücken bauen. Heute geht es um das Zeitwort „verdrüßa“. 

In der Hochsprache verlangt ein Satz mit dem Verb verdrießen ein Subjekt als Ursache des Verdrusses sowie als Objekt einen Menschen, der von diesem Verdruss betroffen ist: „Das schlechte Wetter verdrießt die Bauern.“

Im Alemannischen dagegen ist es fast immer der Mensch selbst, der quasi selbsttätig und mitunter ohne genannten Grund verdrüßt („I’s Alter ihe ischt er vrdrossa“). Gemeint ist mit diesem Verdrüßa ein Fahrenlassen der Hoffnungen, ein Aufgeben des Widerstands gegen diese Welt, ein sich Fügen ins Schicksal, trauriges Verfallen in Lethargie und bemitleidenswerte Resignation.

Beim Anblick eines solch elenden Zustands versucht der Voradelberger daher, den vom Verdrüßa Betroffenen Mut zu spenden, indem er ihm aufmunternd zuruft „Loß di ned verdrüßa!“ (sofern die Ursache dafür erkennbar ist) oder schlicht „Tua ned verdrüßa!“ (wenn es sich um eine nicht klar nachvollziehbare Resignation handelt).

Nicht selten umschreibt der Alemanne mit dem Verdrüßa auch eine Form von Niedergeschlagenheit, welche durch Heimweh, Einsamkeit oder Liebeskummer hervorgerufen wird („Ohne sine Frau ischt’r verdrossa“ oder „Wenn d’Mama ned dahoam ischt, verdrüßen d’Gofa“).

Das von verdrießen abgeleitete Hauptwort Verdruss beschreibt hingegen nicht etwa eine Niedergeschlagenheit, sondern vielmehr allgemeinen Ärger, Kummer oder auch Sorgen („Mit dem Buab hon se nix als Verdruss!“).

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