06.11.2013 09:43 |

Ab 18. November

Komet ISON könnte mit freiem Auge zu sehen sein

Ab 18. oder 19. November soll der Komet C/2012 S1 (ISON) mit freiem Auge sichtbar sein. Ob der Himmelsvagabund tatsächlich ein "Jahrhundertkomet" sein wird, wie schon zu lesen war, wisse man aber noch nicht, sagt der Chef des Wiener Planetariums, Werner Gruber. Dazu sei das Jahrhundert noch zu jung und es gebe zudem noch zu viele Fragezeichen über die weitere Entwicklung des "Schweifsterns".

Der Komet wurde im Vorjahr von russischen Amateurastronomen mit einem Teleskop des International Scientific Optical Network (ISON) entdeckt, nach dem er auch benannt wurde. Auf einer stark zur Erdbahn geneigten, hyperbolischen Bahn rast er derzeit auf die Sonne zu, wird am 28. November sehr nahe an dieser vorbeifliegen und dann wieder in den Weiten des Alls verschwinden. Im Vergleich zum Kometen Hale-Bopp, der 1996 bis 1998 über einen Zeitraum von 14 Monate mit freiem Auge zu sehen war, gibt ISON nur ein kurzes Gastspiel von wenigen Tagen.

Prognosen über Sichtbarkeit schwierig
Weil ISON in nur 1,9 Millionen Kilometern Entfernung und damit extrem nahe an der Sonne vorbeifliegen wird, sind derzeit noch keine Prognosen über die Entwicklung der Sichtbarkeit möglich. Es sei schwer vorherzusagen, wie sich der rund fünf Kilometer große "schmutzige Schneeball", der aus einer Mischung aus Eis und Staub besteht, bei so großer Annäherung an die Sonne verhält. "Das Spektrum reicht von 'ja, ganz lieb', über 'Wahnsinn!' bis zu 'uups, aufgelöst'", erklärte Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA).

ISON ist schon vor seinem sonnennächsten Punkt zu beobachten. Das ist laut Pikhard - wolkenloser Himmel vorausgesetzt - mit freiem Auge ab 18./19. November in der Morgendämmerung - gegen 6.30 Uhr - möglich. Der Komet wird nahe dem Horizont in Richtung Ost-Süd-Ost zu sehen sein. Je näher der 28. November und damit der sonnennächste Punkt kommt, desto größer dürfte der Schweif werden, vor der unmittelbaren Sonnennähe ist dann nur mehr der über den Horizont ragende Schweif zu sehen.

Ab Dezember in der Abenddämmerung zu sehen
Sobald ISON die Sonne passiert und den Vorbeiflug halbwegs heil überstanden hat, taucht ab etwa 1. Dezember Früh wieder sein Schweif und in den Tagen darauf auch der ganze Komet auf. "Möglicherweise gibt es ab 1. Dezember für ein paar Tage große Kometen-Show", so Pikhard. Ab diesem Zeitpunkt ist auch in der Abenddämmerung, etwa um 17 Uhr, der Schweif von ISON zu sehen. Da sich der Komet rasch von der Sonne entfernt, nimmt auch seine Helligkeit von Tag zu Tag ab.

Für die Erde stellt ISON keinerlei Gefahr dar. Seinen erdnächsten Punkt erreicht der Komet am 27. Dezember und ist dabei mit 64 Millionen Kilometern weiter als die Venus entfernt.

Stammt aus der Frühzeit des Sonnensystems
Kometen stammen aus der Frühzeit des Sonnensystems und gehören zu den kleinsten Objekten darin. Das Eis der Himmelskörper besteht vor allem aus gefrorenem Wasser und Kohlendioxid, mit Spuren von Methan und Ammoniak. Viele Kometen bewegen sich auf ellipsen- oder hyperbelförmigen Bahnen durch das Sonnensystem: Sie tauchen aus den Randbezirken des Sonnensystems auf und können der Sonne sehr nahe kommen.

Dabei tauen sie an und der oft spektakuläre Schweif entsteht. Zudem entsteht eine Wolke aus Gas und Staub, die sogenannte Koma. Der "Sonnenwind", ein beständiger Teilchenstrom von der Sonne, bläst dieses Gas-Staub-Gemisch vom Kometen weg und formt dadurch den Schweif, der stets von der Sonne weg zeigt und Millionen Kilometer lang werden kann.

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