Do, 16. August 2018

Im Hungerstreik

27.09.2013 18:56

Pussy-Riot-Musikerin auf Krankenstation verlegt

Fünf Tage nach Beginn ihres Hungerstreiks ist die inhaftierte russische Pussy-Riot-Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa auf die Krankenstation ihres Gefängnisses gebracht worden. Ihr Gesundheitszustand habe sich deutlich verschlechtert, sagte ihr Ehemann Pjotr Wersilow am Freitag. Die russische Strafvollzugsbehörde bestätigte die Verlegung der 23-Jährigen auf "Empfehlung der Ärzte".

Tolokonnikowa war am Montag in den Hungerstreik getreten, um gegen angebliche Morddrohungen zu protestieren, nachdem sie die Haftbedingungen in ihrem Arbeitslager kritisiert hatte. In einem Brief an ihren Ehemann erhob die Mutter einer fünfjährigen Tochter weitere Vorwürfe. Darin hieß es, ein Offizier habe sie gewaltsam festgehalten, während eine Mitgefangene ihr das Trinkwasser weggenommen habe.

Tolokonnikowa wertete dies als Anwendung von Gewalt und als Angriff auf ihr Leben. "Ohne Wasser stirbt ein Mensch in wenigen Tagen, wenn er einen Hungerstreik macht", schrieb sie. Die Vollzugsbehörden wiesen die Anschuldigungen zurück: Ärzte hätten aus gesundheitlichen Gründen empfohlen, das Trinkwasser durch heißes Wasser auszutauschen. Es sei keine physische Gewalt angewendet worden.

Nach Auftritt in Kathedrale verurteilt
Tolokonnikowa war gemeinsam mit ihren Bandkolleginnen Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch im August vergangenen Jahres wegen "Rowdytums" und "Anstachelung zu religiösem Hass" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Die Gruppe hatte im Februar 2012 in einer Moskauer Kathedrale ein "Punkgebet" gegen Präsident Wladimir Putin aufgeführt.

Samuzewitsch war später auf Bewährung freigelassen worden. Die wiederholten Anträge Tolokonnikowas auf vorzeitige Haftentlassung wurden dagegen abgelehnt. Sie sitzt in der Arbeitskolonie Nummer 14 in Mordowia ein.

Der Prozess und das Urteil gegen die Frauen waren international von Politikern und Künstlern sowie von der Opposition scharf verurteilt worden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte die jüngsten Vorwürfe Tolokonnikowas "extrem ernst und beunruhigend" und forderte eine sofortige Untersuchung.

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